Wimbledon schließt russische und belarussische Tennisprofis 2022 von der Teilnahme aus. Die Spielerinnen zeigen Verständnis und äußern Solidarität mit der Ukraine - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Sport



AVIVA-BERLIN.de im August 2022 - Beitrag vom 10.05.2022


Wimbledon schließt russische und belarussische Tennisprofis 2022 von der Teilnahme aus. Die Spielerinnen zeigen Verständnis und äußern Solidarität mit der Ukraine
Sylvia Rochow

Die Veranstalter*innen des bedeutendsten Tennisturniers der Welt entschieden sich wegen des Angriffskriegs auf die Ukraine für den öffentlichkeitswirksamen Schritt. Beim Porsche Tennis Grand Prix 2022 vom 18. bis 24. April 2022 in Stuttgart schilderte neben der aus Russland stammenden Weltranglisten-Ersten Iga Świątek auch die in der Ukraine geborene Deutsche Tennismeisterin 2021 Eva Lys und Weltranglisten-Nr. 23 aus Russland Daria Kasatkina ihre Sicht, um der Ukraine zu helfen: "Menschenleben sind das Wichtigste".




Am 20. April 2022 gab der traditionsreiche All England Lawn Tennis and Croquet Club (AELTC), Gastgeber des Rasen-Grand Slams von Wimbledon, bekannt, russische und belarussische Tennisprofis in diesem Jahr aufgrund des Angriffskrieges auf die Ukraine von der Teilnahme am bedeutendsten Tennisturnier der Welt (27. Juni bis 10. Juli 2022) auszuschließen. Auch ein Start unter neutraler Flagge, wie unter anderem bei den Turnieren der WTA-Tour, sei nicht möglich.
Beim Porsche Tennis Grand Prix 2022 vom 18. bis 24. April 2022 in Stuttgart äußerten sich mehrere Spielerinnen im Rahmen von Pressekonferenzen auch zu diesem Thema.

AVIVA-Berlin fasst einige Reaktionen aus der Tenniswelt zusammen:

Daria Kasatkina (Weltranglisten-Nr. 23 aus Russland):
"Nun, natürlich bin nicht nur ich, sondern auch die anderen Spielerinnen, die in diese Situation geraten sind, enttäuscht. Wir verlieren die Möglichkeit, an einem der größten Turniere teilzunehmen. Aber ich bin der Meinung, dass in der Welt im Moment weitaus bedeutendere Dinge passieren. Menschenleben sind das Wichtigste. Ich bin mir nicht sicher, ob und wie diese Entscheidung die allgemeine Situation verändern wird, aber noch einmal – das Leben der Menschen hat Priorität, das steht fest.

Eva Lys (in der Ukraine geborene Weltranglisten-Nr. 238 und Deutsche Tennismeisterin 2021):
"Der Platz ist so ein Ort für mich, wo ich wirklich komplett abschalten kann und sobald ich den Platz verlasse, kann ich nicht leugnen, was passiert, vor allem, weil ich auch durch meine Familie sehr betroffen bin. Es nimmt einen doch schon mit. Also es ist ein Thema, mit dem wir uns wirklich täglich beschäftigen, was auch weiterhin meiner Meinung nach wirklich stark in der Öffentlichkeit stehen sollte. Trotzdem sollte jeder Mensch weiterhin das tun, was man in seinem Leben machen kann, und da das Tennis nicht nur meine Leidenschaft ist, sondern auch für mich eine sehr große Ablenkung, die man wirklich ab und an sehr braucht, bin ich sehr dankbar, dass ich so eine Sportart in meinem Leben habe. […] Da Tennis auch eine Individualsportart ist, muss man sagen, dass Spielerinnen, die aus solchen Ländern kommen, nicht direkt abgestempelt werden sollen, dass sie auch wirklich was mit der Situation zu tun haben. Trotzdem finde ich – was ich sehr richtig finden würde, ist einfach ein Statement von der […] WTA [vielleicht], dass sich Spielerinnen aus diesen Ländern öffentlich zu ihrer Position äußern. Also, ich weiß auf jeden Fall, dass ich vielen Spielerinnen, die jetzt auch auf der Profi-Tour unterwegs sind, damit aus dem Herzen sprechen würde.

Iga Świątek (Weltranglisten-Erste, French Open-Champion 2020 und Porsche Tennis Grand Prix-Siegerin 2022 aus Polen):
"Das ist eine sehr schwierige Situation, in der sich alle befinden, und ich hoffe, dass es bald besser wird. Ich bin natürlich gegen den Krieg und ich möchte dem ukrainischen Volk helfen. […] Ich weiß, dass ich das seit einigen Wochen immer wieder sage, aber wir arbeiten wirklich gerade unter Hochdruck an einer Initiative, die langfristig helfen soll. […] Wir fühlen uns in Polen wirklich stark verbunden mit der Bevölkerung in der Ukraine und bemühen uns, den ukrainischen Menschen viel Hilfe zukommen zu lassen. Aber ich habe das Gefühl, dass ich in dieser Sache noch mehr tun kann. Das Tragen einer [gelb-blauen] Schleife ist nur eine kleine Geste, mein Ziel ist es natürlich, in Zukunft noch mehr zu tun.

AVIVA-Berlin hofft mit den Tennisspielerinnen auf ein Ende des Angriffskrieges auf die Ukraine und auf den Schutz der unschuldigen Menschen.

Weitere Infos unter:

facebook.com/ kasatkinadaria

instagram.com/eva.lys

www.igaswiatek.pl

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Copyright Text und Foto: Sylvia Rochow


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Beitrag vom 10.05.2022

Sylvia Rochow