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AVIVA-BERLIN.de im Juli 2021 - Beitrag vom 09.04.2021


Auszeichnung für Peggy Parnass - Die Reporterin und Autorin wurde im März 2021 zum Ehrenmitglied des deutschen PEN-Zentrums ernannt
AVIVA-Redaktion

Peggy Parnass gehört zu den letzten Überlebenden des Holocaust. Als Kolumnistin und Gerichtsreporterin berichtete sie in der Zeitschrift "konkret" in den 1970er und 1980er Jahren unter anderem über Prozesse gegen NS-Kriegsverbrecher. Bis heute engagiert sie sich für …




… eine offene Gesellschaft und leistet Widerstand gegen Faschismus, Antisemitismus und Unterdrückung.

Anhand ihrer eigenen Lebensgeschichte erinnert sie in Interviews, bei Lesungen und in ihren autobiographischen Werken an die Verbrechen der Nationalsozialist*innen.

Im Vorfeld der diesjährigen Jahrestagung in Hamburg hat das Präsidium des deutschen PEN-Zentrums Peggy Parnass zum Ehrenmitglied ernannt. "Der PEN ehrt damit eine Frau, die sich zeitlebens mutig und unbeirrt für Demokratie und Menschenrechte eingesetzt und gegen jede Form von Faschismus und Unterdrückung gekämpft hat, trotz nunmehr jahrzehntelanger, oft offen antisemitischer Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen", so PEN-Präsidentin Regula Venske.

"Dass Peggy Parnass trotz ihrer Lebens- und Familiengeschichte in ihre Geburtsstadt Hamburg zurückkehrte, sich nach wie vor ins öffentliche Leben einmischt und ihre Stimme erhebt, empfinde ich als großes Geschenk. Ich bin voller Dankbarkeit und Bewunderung, nennen wir es ruhig Liebe, für diese zarte, starke Frau."

Peggy Parnass wurde am 11. Oktober 1934 in Hamburg als Ruth Peggy Sophie Parnass geboren. Ihre Mutter schickte sie 1939 gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder Gady mit einem Kindertransport nach Stockholm, Schweden, um sie vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu retten. Während die beiden Kinder schwer traumatisiert überlebten, wurden ihre Eltern Hertha Parnass, geborene Emanuel, und Simon Pudl Parnass ins Warschauer Ghetto deportiert und im Vernichtungslager Treblinka von den Nationalsozialisten ermordet.

Ihre Erinnerungen an die Kindheit während der NS-Zeit hat Peggy Parnass in ihrem autobiographischen Buch mit Illustrationen von Tita do Rego Silva "Kindheit. Wie unsere Mutter uns vor den Nazis rettete" dokumentiert. Sibylle Plogstedt, Begründerin und Mitherausgeberin der feministischen Zeitschrift "Courage", schrieb 2015 anlässlich des Erscheinens in einem offenen Brief an Peggy auf AVIVA-Berlin: "Du, Peggy, hast das Buch unter Schmerzen geschrieben, ein Stolperstein der Erinnerung. Danach wolltest du nicht mehr darüber reden. Es aufzuschreiben, habe schon genug wehgetan."

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm Peggy Parnass die schwedische Staatsbürgerinnenschaft an und studierte in London, Hamburg und Paris. Sie arbeitete als Schauspielerin, Journalistin, Gerichtsreporterin und Schriftstellerin und galt neben dem Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, Initiator der Frankfurter Auschwitz-Prozesse 1963 bis 1965, als "´die´ deutsche Instanz für Differenzen im moralischen Rechtsempfinden im Nachkriegsdeutschland."

Siebzehn Jahre lang schrieb sie für die linke Zeitschrift "Konkret" Gerichtsreportagen, die sie zum literarischen Genre formte. Sibylle Plogstedt erinnert sich: "Es war eine tiefere Spur des Unrechts, um die es Dir ging. Ungerechtigkeit ertrugst du nicht. Warum? Das hast du damals nicht erzählt."
Die gesammelten Reportagen erschienen erstmals 1978 unter dem Titel "Prozesse 1970 bis 1978" im Rowohlt Verlag. Sie zeichnen ein deutliches Bild der Bundesrepublik Deutschland in den 1970er-Jahren. Heute sind sie nur antiquarisch erhältlich.

Peggy Parnass ist nach wie vor politisch aktiv, hält Lesungen, singt am Theater und setzt sich für eine pluralistische Gesellschaft ein. Für ihre Arbeit und ihr couragiertes gesellschaftliches Engagement wurde sie vielfach ausgezeichnet und erhielt unter anderem den Fritz-Bauer-Preis der Humanistischen Union, den Joseph-Drexel-Preis für hervorragende Leistungen im Journalismus sowie den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland und die Ehrendenkmünze in Gold des Hamburger Senats. Für den Dokumentarfilm "Von Richtern und anderen Sympathisanten" wurde sie 1982 gemeinsam mit Regisseur Axel Engstfeld und Co-Autorin Gisela Keuerleber mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet.

Zur Ernennung als Ehrenmitglied des deutschen PEN-Zentrums erklärt Vizepräsident Leander Sukov "Peggy Parnass ist bis heute Vorbild für ungebrochenen Widerstand gegen Antisemitismus und Nazismus, auch für die eigene Motivation, nicht nachzulassen. "
AVIVA-Berlin gratuliert Peggy Parnass von ganzem Herzen zu dieser mehr als verdienten Auszeichnung.

Weitere Informationen zu Peggy Parnass

In Jahr 2014 erschien erstmalig eine Ausgabe des autobiographischen Werks "Kindheit – Wie meine Mutter uns vor den Nazis rettete". Die vom Hamburger Kunstbuchverleger Klaus Raasch initiierte Website dokumentiert die Entstehung dieses besonderen Jugendbuchs, mit dem Peggy Parnass ihrer Eltern gedenkt. In Zusammenarbeit mit der brasilianischen Künstlerin Tita do Rego Silva ist ein besonderes Gesamtkunstwerk entstanden, das Peggys Kindheitserinnerungen mit Titas farbenfrohen Holzschnitten illustriert.

Mehr unter: www.peggyparnass.com

Einen spannenden Einblick in das Leben, das Werk und das Denken einer vielschichtigen Frau ermöglicht die Literaturwissenschaftlerin und Autorin Petra Renneke in ihrem detaillierten Portrait auf der Website des Jewish Women´s Archive. Sie zeichnet Peggy Parnass als eine Person, die trotz der Schwere ihrer Erinnerungen an eine Kindheit während der NS-Zeit nie ihre Sehnsucht nach einer gerechteren Welt verlor. (in englischer Sprache)

Mehr unter: www.jwa.org/encyclopedia/article/parnass-ruth-peggy-sophie

Veranstaltungshinweis - "Das Lonka Projekt"

Bis zum 27. Juni 2021 ist im Willy-Brandt-Haus die Wanderfotoausstellung "Das Lonka Projekt" zu sehen. 250 Fotograf*innen aus rund 26 Ländern haben im Rahmen des Projekts Holocaust-Überlebende in ihrem privaten Umfeld portraitiert, unter ihnen auch Peggy Parnass.
"Das Lonka Projekt" entstand anlässlich des Gedenktages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 und der Opfer des Holocaust.
Tickets können über die Website des Willy-Brandt Hauses vorab gebucht werden, die Ausstellung ist zudem auch virtuell begehbar.

Mehr unter: www.fkwbh.de/ausstellung/das-lonka-projekt

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Peggy Parnass und Tita do Rego Silva - Kindheit. Wie unsere Mutter uns vor den Nazis rettete
Die 1934 in Hamburg geborene Schauspielerin, Autorin und Gerichtsreporterin erinnert sich. Eine persönliche Kritik in Form eines Briefes von Journalistin und Publizistin Sibylle Plogstedt. (2015)

Der Staat gegen Fritz Bauer. Ab 11. März 2016 auf DVD, Blu-ray und als Video on Demand
Lars Kraumes mehrfach ausgezeichnetes Drama über das Wirken des Staatsanwalts und Nazi-Jägers Fritz Bauer im Nachkriegsdeutschland setzt dem Mann ein Denkmal, der unbeirrbar gegen alle Widerstände der deutschen Bürokratie ankämpfte – für Gerechtigkeit.

Über das PEN-Zentrum

Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftsteller*innenvereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich "als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird.".


Quelle: Pressemitteilung des deutschen PEN-Zentrums, Darmstadt, 16. März 2021, AVIVA-Berlin.


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Beitrag vom 09.04.2021

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