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AVIVA-BERLIN.de im November 2021 - Beitrag vom 07.06.2006


An der Spitze des Zentralrats der Juden steht eine Frau
Sarah Ross

Am 7. Juni 2006 wurde die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde in München einstimmig zur Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland gewählt. Sie ist die erste Frau in diesem Amt.




Am Mittwoch, 7. Juni 2006, ist Charlotte Knobloch als erste Frau in der Geschichte des Zentralrats der Juden in Deutschland einstimmig zu dessen Präsidentin gewählt worden, so die Mitteilung des Präsidiums des Zentralrats in Frankfurt am Main. Damit tritt die 73-jährige, ehemalige Vizepräsidentin und Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde in München nun die Nachfolge von Paul Spiegel sel. A. an, der am 30. April nach schwerer Krankheit im Alter von 68 Jahren gestorben war.

Charlotte Knobloch hatte schon einmal, und zwar nach dem Tod des früheren Präsidenten Ignatz Bubis, für dieses Amt kandidiert. Jedoch wurde derzeit Paul Spiegel als Bubis Nachfolger gewählt. Nach fast einem Jahrzehnt als Stellvertreterin von Paul Spiegel gab es nun keine Zweifel mehr daran, dass Knobloch für dieses Amt alle Voraussetzungen mitbringt. Daher war auch das heutige Wahlergebnis kein überraschendes.

Am 29. Oktober 1932 wurde Charlotte Knobloch als Tochter des damals sehr bekannten Rechtsanwalts und späteren Senators Fritz Neuland in München geboren. Den Holocaust überlebte sie nur, weil sie während des Krieges von einer ehemaligen, katholischen Hausangestellten ihres Onkels in Franken versteckt wurde, die sie als ihre uneheliche Tochter ausgab. 1951 heiratete Charlotte den Kaufmann Samuel Knobloch, einen Überlebenden des Krakauer Gettos, mit dem sie ursprünglich nach Amerika auswandern wollte. Doch die erste Schwangerschaft und die aufkeimenden beruflichen Erfolge ihres Mannes veranlassten sie dazu, in München sesshaft zu werden. Heute ist Charlotte Knobloch nicht nur Mutter von drei Kindern und Großmutter von sieben Enkelkindern, sondern auch eine der erfolgreichsten jüdischen Frauen in Deutschland - eine Münchner Institution.

Nach der Erziehung ihrer Kinder beginnt Knobloch zunächst, sich aktiv in der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) München und Oberbayern zu engagieren, zu deren Vorsitzenden sie schließlich 1985 gewählt wurde. Seither folgte eine steile Karriere: Sie wurde stellvertretende Präsidentin des Zentralrats der Juden und 2003 und 2005 wurde sie Vizepräsidentin des Europäischen Jüdischen Kongresses und des Jüdischen Weltkongresses. Zudem ist sie Mitglied in zahlreichen Kuratorien und Stiftungen und wurde 2005 zur Ehrenbürgerin der Stadt München ernannt. Damit wurde sie für ihr herausragendes Engagement hinsichtlich der Aussöhnung von Juden und Nicht-Juden sowie für ihr langjähriges Wirken in der IKG geehrt.

Zu Knoblochs Erfolgen zählt vor allem, dass sie es geschafft hat, die jüdische Gemeinschaft nach der Wende zusammenzuhalten, wohingegen andere Gemeinden in Deutschland im Streit über die Integration jüdischer Zuwanderer aus Osteuropa auseinanderdrifteten. Des Weiteren wird unter ihrer Leitung seit 2004 ein neues jüdisches Zentrum für die rund 9.000 Mitglieder starke Gemeinde mitten in der Münchner Innenstadt gebaut. Dieses Zentrum ist das größte dieser Art in ganz Europa und besteht aus einer Hauptsynagoge, einem Gemeindehaus und einem jüdischen Museum. Mit diesem Zentrum, das zum Teil bereits Ende des Jahres eröffnet werden soll, will Charlotte Knobloch den Juden wieder einen Platz in der deutschen Gesellschaft schaffen.

Die neue Präsidentin des Zentralrats der Juden, die selbst aus einer orthodoxen Familie stammt, hat sich bereits in der Vergangenheit schon mit viel Hingabe und Energie in ihren Ämtern für den Zusammenhalt und die Vernetzung der deutschsprachigen jüdischen Gemeinden in Europa, und für einen Brückenschlag zur jüdischen Gemeinschaft in den USA, eingesetzt. Mit ihrem Einsatz, Mut und politischen Engagement, mit dem sie vor allem gegen Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit ankämpft, wird sie ihren Vorgängern im obersten Amt des Zentralrats der Juden sicherlich in nichts nachstehen.

"Schwerpunkt meiner künftigen Arbeit werden die Förderung der Integration der Zuwanderer aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion und der Kampf gegen wachsenden Antisemitismus, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit sein", kündigte die neue Präsidentin direkt nach ihrer Wahl an.


AVIVA-Berlin gratuliert Charlotte Knobloch zur Wahl als Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Weitere Informationen unter: www.zentralratdjuden.de sowie www.ikg-muenchen.de



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Beitrag vom 07.06.2006

Sarah Ross 






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