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AVIVA-BERLIN.de im September 2019 - Beitrag vom 07.12.2018


Gudrun Gut - Moment (Monika Enterprise)
Christina Mohr

Gudrun Gut ruht sich auf ihrem Ruf als Elektro-Pionierin nicht aus: Neben ihren zahlreichen Verpflichtungen als Labelbetreiberin, Produzentin und vielem mehr fand sie noch Zeit für ein eigenes neues Album namens "Moment": ein so schlichter wie vieldeutiger Titel, die vierzehn Tracks unterstreichen Guts Ausnahmeposition in jeder Hinsicht.



Gut unterzieht ihren Trademarksound aus warm-fließender Elektronik plus suggestiv geraunten Vocals einige Updates – die manchmal ganz bewusst in die Vergangenheit weisen wie der Minimal-Wave von "Musik", aber auch schroff und technoid ausfallen können ("Schienenersatzverkehr") oder so hypnotisch-eingängig wie im großartigen Opener "Loch", in dem Gut selbstironisch die Probleme einer DIY-Unternehmerin thematisiert ("finanzielles Desaster").

"Moment" ist leidenschaftlich und reserviert, intim und kühl, lasziv und streng – wobei Gudrun Gut weniger auf Kontraste baut, sondern Sounds und Emotionen auf ihre charakteristische Weise miteinander verknüpft: Organic Techno könnte frau ihre Musik nennen, wäre der Begriff nicht reichlich paradox. Aber scheinbare Gegensätze hat Gudrun Gut noch nie gescheut: so gilt sie seit ihren musikalischen Anfängen bei DIN A Testbild, den Einstürzenden Neubauten (die sie wegen "zu starker Mackerhaftigkeit" der restlichen Mitglieder verließ) und ihrer legendären Band Malaria! als zentrale Figur von Punk in Deutschland – spätestens seit der Gründung ihrer Labels Moabit Records und später Monika Enterprise, das sich auf Musikerinnen konzentriert, auch als herausragende Elektronik-Produzentin. Ebenso widerspricht ihr unbedingter Hang zu Technik in keinster Weise der Liebe zur Natur, was sich besonders auf ihrem letzten Soloalbum "Wildlife" (2013) und Tracks wie "Garten" ausdrückt. "Moment" ist urbaner, technoider, cluborientierter ausgefallen – voller Lust zu Risiko, Experiment und Ausschweifung.

Das Tolle an Gudrun Gut ist, dass sie sich trotz Legendenstatus selbst nicht allzu ernst nimmt und auch gerne ungewöhnliches Songmaterial verwendet. Coverte sie auf "Wildlife" unerschrocken Tina Turners "Simply the Best", nimmt sie sich nun des Bowie-Klassikers "Boys Keep Swinging" an und zitiert im Titel ihres Songs "Drive My Car" ein Beatles-Stück - das allerdings eine feministische Hymne der besonderen Art ist: Seit Juni vergangenen Jahres dürfen Frauen in Saudi-Arabien Auto fahren, eine regelrechte Revolution: "Baby, I can drive my car / in Saudi Arabia"

Gut textet englisch und deutsch, wie im gemeinsam mit Barbara Morgenstern komponierten "Glieder", im Post-One-Night-Stand-Track "Biste schon weg" und im bereits erwähnten "Loch" - aber egal in welcher Sprache: Gudrun Guts Musik ist einzigartig.

AVIVA-Tipp: Gudrun Guts Neugier auf Sounds und Songs ist ungebrochen – was sich in jeder Sekunde dieses spannenden "Moments" zeigt.

Gudrun Gut
Moment

(Monika93, VÖ 7.12.18)
CD, 14 Tracks

Gudrun Gut im Netz: www.gudrungut.com
Monika Enterprise im Netz: www.monika-enterprise.de und www.facebook.com/monikaenterprise

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Music Beitrag vom 07.12.2018 Christina Mohr 





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