Die Shoah in Bildung und Erziehung heute - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Literatur Sachbuch



AVIVA-BERLIN.de im September 2022 - Beitrag vom 30.08.2022


Die Shoah in Bildung und Erziehung heute
AVIVA-Redaktion

Mit "Weitergaben und Wirkungen in Gegenwartsverhältnissen" beschäftigen sich die Herausgeber*innen Marina Chernivsky und Friederike Lorenz-Sinai sowie weitere Autor*innen aus multidisziplinären Perspektiven in ihren Beiträgen.




Die Geschichte der Shoah und des Nationalsozialismus bilden in Deutschland einen kollektivbiografischen Referenzrahmen, der jedoch in seiner Bedeutung in Bildungs- und Erziehungsverhältnissen bislang kaum berücksichtigt wird. Vor diesem Hintergrund untersuchen die Beiträge des Sammelbandes multiperspektivisch die Wirkungsgeschichte der Shoah in verschiedenen Sozialisierungsprozessen, in verschiedenen Settings von Erziehung und Bildung sowie unterschiedliche Darstellungsformen von Antisemitismus. Die hier versammelten Artikel bündeln transdisziplinäre Perspektiven, divergente Erfahrungsdimensionen, konzeptionelle sowie begriffliche Überlegungen und reflektieren den bisherigen theoretischen und empirischen Forschungsstand.

Das Wissen über und Bezüge zur Shoah vermitteln sich zwischen den Generationen weiter und aktualisieren sich zugleich fortlaufend in institutionellen und diskursiven Kontexten der Gegenwartsgesellschaft. Dies betrifft Pädagog*innen in mehrfacher Hinsicht: In ihrer eigenen Biographie und Lerngeschichte und in ihrer späteren Vermittlungspraxis. Die Autor*innen beschäftigen sich unter anderem mit der Erinnerungspolitik, Gefühlserbschaften und der Thematisierbarkeit der Shoah in verschiedenen Sozialisierungsprozessen.

Eine entscheidende Rolle in der narrativen Verknüpfung spielen intergenerationale Narrationen, Wissensbestände und Praktiken, die das Denken und Handeln von Einzelnen und ganzen Gemeinschaften regulieren.

"Als Herausgeberinnen dieses Bandes bringen wir unterschiedliche persönliche Zugänge zur Geschichte mit. Was uns eint, ist die langjährige Beschäftigung mit dem Thema sowie das Interesse, Forschung und Praxis mit den fachwissenschaftlichen und politischen Debatten um Bildung, Erziehung und Erinnerung noch stärker in Verbindung zu setzen."

AVIVA-Tipp: Der Sammelband "Die Shoah in Bildung und Erziehung heute. Weitergaben und Wirkungen in Gegenwartsverhältnissen" liefert nicht nur theoretische Analysen sondern macht auch die Perspektiven von Jüd*innen in Deutschland nach 1945 erfahrbar. Er liefert damit ein umfassendes Werk zur Vermittlung der Shoah und seiner Folgen in den bis heute weithin vernachlässigten Räumen von universitärer Lehre und schulischen Kontexten.

Zu den Herausgeberinnen:

Marina Chernivsky
, Psychologin und Verhaltenswissenschaftlerin, ist Gründungsgeschäftsführerin der Beratungsstelle OFEK e.V. und Leiterin des Kompetenzzentrums für Prävention und Empowerment der ZWST.

Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai, Erziehungswissenschaftlerin und Sozialarbeiterin, ist Professorin für Methoden der Sozialen Arbeit und Sozialarbeitsforschung am Fachbereich Sozial- und Bildungswissenschaften der Fachhochschule Potsdam.

Marina Chernivsky, Friederike Lorenz (Hrsg.)
Die Shoah in Bildung und Erziehung heute
Weitergaben und Wirkungen in Gegenwartsverhältnissen

Verlag Barbara Budrich Erscheinungsdatum: 11.07.2022
250 Seiten, Kartoniert
ISBN: 978-3-8474-2571-7
29,90 €
Mehr zum Buch und Bestellung unter: shop.budrich.de

Ein Gespräch zum Sammelband "Die Shoah in Bildung und Erziehung" in Deutschlandfunkkultur mit Shelly Kupferberg, zum Nachhören: www.deutschlandfunkkultur.de

Weitere Literaturhinweise (kein Anspruch auf Vollständigkeit, Stand 2022)

"Antisemitismus im Kontext Schule – Deutungen und Umgangsweisen von Lehrer*innen an Berliner Schulen. Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment, Berlin von Chernivsky, Marina / Lorenz, Friederike (2020). Zum Download: zwst-kompetenzzentrum.de

"Antisemitismus an Schulen in Deutschland" von der Professorin für Diskriminierung und Inklusion in der Einwanderungsgesellschaft an der Frankfurt University of Applied Science, Julia Bernstein. Einer ihrer Forschungsschwerpunkte ist Antisemitismus.
Mehr zum Buch: www.beltz.de

"Israelbezogener Antisemitismus" von Julia Bernstein
Mehr zum Buch: www.beltz.de

"Antisemitismus in der Schule: Handlungsmöglichkeiten der Schulsozialarbeit" von der Professorin für Sozialwissenschaften im Fachbereich Sozial- und Bildungswissenschaften an der Fachhochschule Potsdam Gudrun Perko.
Mehr zum Buch: www.beltz.de

"Antisemitismus als Aufgabe für die Schulsozialarbeit. Expert_innen im Gespräch", herausgegeben von Gudrun Perko / Leah Carola Czollek / Naemi Eifler
Mehr zum Buch: www.beltz.de


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin

Sieben antisemitische Vorfälle pro Tag in Deutschland 2021: Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) stellt am 28.06.2022 seinen Jahresbericht vor
Die RIAS-Meldestellen haben für das Jahr 2021 bundesweit 2.738 antisemitische Vorfälle erfasst. des hervor. RIAS dokumentierte 2021 mehr antisemitische Vorfälle aus dem verschwörungsideologischen Spektrum sowie aus jenem des antiisraelischen Aktivismus als noch im Vorjahr. Nach wie vor wurden die meisten Vorfälle jedoch dem Rechtsextremismus zugeordnet. (2022)

Gemeinsam gegen Antisemitismus: ZWST, Beratungsstelle OFEK und Bundesverband RIAS vereinbaren neue Kooperation
Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V. (ZWST), die Beratungsstelle bei antisemitischer Gewalt und Diskriminierung OFEK e.V. und der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) e.V. (2020)

Antisemitismus in der Schule: Erste Bundesweite Bestandsaufnahme dokumentiert geringes Problembewusstsein und Engagement bei schulischen AkteurInnen und Bundesländern
Antisemitische Haltungen von LehrerInnen und SchülerInnen, antisemitische Inhalte und Weiterverbreitung von Klischeebildern in Schulbüchern. Das Schul- und Universitätssystem weist diverse Schwachstellen auf, die Antisemitismus in Bildungseinrichtungen erst möglich machen. Das Gutachten des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin mit der Universität Gießen vom Januar 2019 liefert zwar keine Zahlen. Dafür zeigt es präzise auf, wo Handlungsbedarf besteht. (2019)

Quelle: Verlag Barbara Budrich


Literatur > Sachbuch

Beitrag vom 30.08.2022

AVIVA-Redaktion