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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2021 - Beitrag vom 18.01.2009


Bettine von Arnim - Zum 150. Todestag
Jana Muschick

Sie ist eine der wichtigsten Frauen des 19. Jahrhunderts. Bettine von Arnim schrieb wichtige Korrespondenzen, politisch brisante Romane und führte ein Leben voller Engagement. Eine Werkschau.




Zum Kennenlernen und neu Entdecken erschienen Bettine von Arnims (1785-1859) wichtigste Werke und eine Sammlung von Korrespondenzen zum Hineinschnuppern.

SchriftstellerInnenleben

Die Schriftstellerin Bettine von Arnim konnte sich erst nach dem Tod ihres Mannes frei entfalten – als Ehemann Achim von Arnim 1831 starb, war sie 46 Jahren alt. Nach seinem Tod blieb sie mit sieben Kindern zwischen achtzehn und drei Jahren zurück. Bettine wurde in dieser schweren Zeit von ihrem Freund, dem Philosophen und Pädagogen Friedrich Schleiermacher ("Hermeneutik und Kritik", 1838) unterstützt.

Mit vollem Namen Catharina Elisabetha Ludovica Magdalena Brentano, wurde sie Bettine gerufen und unterzeichnete so auch ihre Briefe. In ihrer Großmutter Sophie La Roche ("Geschichte des Fräuleins von Sternheim", 1771) und ihrem Bruder Clemens Brentano ("Des Knaben Wunderhorn", 1806/08) fand Bettine hervorragende Förderer ihrer geistigen Fertigkeiten. Von Sophie La Roche erlernte sie die Briefschreiberei, von dem Bruder, der sie für ein "génie enfant" hielt, das Dichten und Poetisieren.

1854 erlitt Bettina von Arnim einen Schlaganfall, von dem sie sich nicht mehr erholte. Sie war nun einseitig gelähmt und hatte sowohl das Seh- als auch das Hörvermögen verloren. Am 20. Januar 1859 starb sie im Kreise ihrer Familie.

In Berlin wurde 1985 aus Anlass ihres 200. Geburtstages die Bettina-von-Arnim-Gesellschaft gegründet. Sie hat das Ziel, Leben und Werk der Autorin einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Die Gesellschaft schreibt alle drei Jahre einen undotierten Forschungspreis aus und gibt das Internationale Jahrbuch der Bettina-von-Arnim-Gesellschaft heraus.
(Quelle: Nachwort von "Bettina von Arnim: Vom Herzen in die Feder")

Literatur von Bettina von Arnim


"Vom Herzen in die Feder" - Lebensspuren im Briefwechsel

Die Sammlung von Briefen in "Vom Herzen in die Feder" eröffnet der LeserIn einen ersten Einblick in Gedanken und Schriftstellerei von Bettine von Arnim, die schon in jungen Jahren begann, den großen Geistern Deutschlands zu schreiben. Unter ihren KorrespondenzpartnerInnen befanden sich Johann Wolfgang von Goethe, Kronprinz Karl von Württemberg, Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen, Wilhelm Grimm, ihr Bruder Clemens Brentano, ihre Freundin Rahel Varnhagen von Ense, Friedrich Schleiermacher und viele andere.

AVIVA-Tipp: Das Buch bietet eine sehr gute Grundlage zum Kennenlernen einer der bedeutendsten Frauen des 19. Jahrhunderts. Ihr Einsatz für die sozial schwächer gestellten Menschen, ihre Aufmerksamkeit und ihr Respekt den großen DenkerInnen gegenüber, aber auch ihre Art, offen ihre Meinung zu sagen, ergeben in eine kurzweilige Sammlung interessanter Briefbegegnungen.

"Goethe´s Briefwechsel mit einem Kinde"

Schon in ihrer Jugend schwärmte Bettine für den Schriftsteller Johann Wolfgang von Goethe ("Faust", 1808), mit dem sie eine lange Jahre anhaltende Korrespondenz unterhielt. Sie hatte brieflichen Kontakt zu Goethes Mutter und stand dem Dichter nach deren Tod sehr nahe.

Die Sammlung aus der Korrespondenz Goethes und Bettines "Goethe´s Briefwechsel mit einem Kinde" wurde 1835 zu einem literarischen Erfolg. Was viele LeserInnen nicht wussten, war, dass Bettine sehr viel "schriftstellerische Freiheit" in dieser Sammlung verarbeitet hat – das bedeutet, dass auch Korrespondenzen zu anderen Männern unter dem "Decknamen" Goethe mit in die Sammlung einflossen. Viele Briefe sind selbst erfunden.

AVIVA-Tipp: Die Korrespondenz liest sich sehr blumig und ist ein reichhaltiges Sammelsurium an Darstellungen über die Landschaften, die Mahlzeiten und die moralischen Auffassungen der Zeit. Allerdings wirkt der Schreibstil der Schriftstellerin, vor allem unter dem Umstand, dass sie vieles selbst hinzugefügt hat, sehr ausgeschmückt und naiv, was das Lesen oft langatmig macht. Als Einblick in die Zeit des beginnenden 19. Jahrhunderts ist es ein lesenswertes Buch, was in Zeiten von Email und SMS wieder Lust zum ausführlichen Schreiben macht.

"Dies Buch gehört dem König"

Die Jungdeutschen (junge, liberale Dichter in der Zeit des Vormärzes) feierten Bettine von Arnim als literarisch spät Berufene, da sie sich zu dem Ideal des "emanzipierten Weibes" bekannt hat und den erhobenen Anspruch von Frauen auf Bildung, Genialität und Künstlertum bekräftigt hatte.

Die fiktiven Gespräche in "Dies Buch gehört dem König" wurden 1843 veröffentlicht und richteten sich provokant an den preußischen Herrscher Friedrich Wilhelm IV., um ihn (besonders nach der Choleraepedemie in Berlin) auf die sozialen Missstände hinzuweisen und zum Handeln zu Bewegen. Damit Bettine selbst der Zensur entgeht, lässt sie Goethes Mutter, in der sie stets eine Vertraute und Freundin gefunden hat, zur Königin-Mutter sprechen.

Mit ihrem politischen Buch folgte sie treffsicher dem Zahn der Zeit und trug mit ihren Ideen auch ihren Teil zur Revolution von 1848 und zum Weberaufstand bei.

AVIVA-Tipp: Die Aufzeichnungen sind voll von Schwärmerei und ausführlichen Beschreibungen. Durch die Darstellung von Goethes Mutter gewinnt es an Geist und Witz. Dieser ironische Unterton wird, natürlich mit dem gehörigen Respekt, auch in das königliche Schloss getragen, in dem immer wieder "Die Frau Rath erzählt". Die Dialoge bekommen im zweiten Drittel größere Dynamik. Für Bettine von Arnims Zeit war dieser Roman von höchster politischer Brisanz. Dass Dies Buch gehört dem König in Bayern verboten wurde, spricht für sich.

Angemerkt

Nach der gescheiterten Revolution von 1848 verfasste Bettine von Arnim 1852 die "Gespräche mit Dämonen", in denen sie für die Abschaffung der Todesstrafe und die politische Gleichstellung von Frauen und Juden eintrat.

Weitere Informationen zum Familienverband von Arnim finden Sie unter: www.vonarnim.com



Bettine von Arnim
Goethe´s Briefwechsel mit einem Kinde

Wolfgang Bunzel (Hg.)
dtv, erschienen: November 2008
Taschenbuch, 666 Seiten
ISBN-13: 978-3-423-13719-5
11,90 Euro


Bettine von Arnim
Dies Buch gehört dem König

Wolfgang Bunzel (Hg.)
dtv, erschienen: November 2008
Taschenbuch, 448 Seiten
ISBN-13: 978-3-423-13720-1
11,90 Euro


Bettine von Arnim
Vom Herzen in die Feder
Lebensspuren im Briefwechsel

Ulrike Ehmann, Sibylle von Steinsdorff (Hgg.)
dtv, erschienen: November 2008
Taschenbuch, 176 Seiten
ISBN-13: 978-3-423-13721-8
8,90 Euro





Literatur

Beitrag vom 18.01.2009

AVIVA-Redaktion 






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