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AVIVA-BERLIN.de im November 2021 - Beitrag vom 07.10.2008


Dr. Nadja Lehmann - Migrantinnen im Frauenhaus
Britta Leudolph

Forschungsperspektiven zum Thema "Migrantinnen, häusliche Gewalt und Frauenhaus" und Untersuchungen der Lebensgeschichten von Migrantinnen, die vor ihren gewalttätigen Ehemännern ins Frauenhaus...




... flüchteten.

Der Anteil von Frauen mit Migrationshintergrund in Frauenhäusern ist offiziellen Angaben zufolge, insbesondere in Großstädten, sehr hoch. In der öffentlichen Debatte spielte häusliche Gewalt gegenüber Migrantinnen jedoch bisher kaum eine Rolle und auch in der Wissenschaft wurde dieses Thema weitgehend ignoriert.

Nadja Lehmann arbeitete selbst einige Jahre in einem Berliner Frauenhaus, in dem 60 bis 80 Prozent der Bewohnerinnen Migrantinnen waren. Aus dieser persönlichen Erfahrung heraus erkannte sie die Notwendigkeit einer systematischen Erfassung der spezifischen Situation, in der sich gewaltbetroffene Migrantinnen befinden. "Die erlebte Gewalt verbindet sich mit Erfahrungen von Ausgrenzung, Stigmatisierung und Rassismus, zum Beispiel innerhalb der Gewaltbeziehung, durch aufenthaltsrechtliche Strukturen, durch institutionelle Diskriminierung und in der Gemeinschaft des Frauenhauses."

Neben der erlebten Gewalt stehen Migrantinnen oft auch vor weiteren Problemen, die zum Teil drängender und existentieller sind. Aus diesem Grund stellt sich für die Autorin die grundlegende Frage: "Wenn im Frauenhaus die `Gewalt im Geschlechterverhältnis´ als das zentrale Problem für die betroffenen Frauen definiert wird, ist das der realen Lebenssituation aller Frauen, also auch gewaltbetroffener Migrantinnen im Frauenhaus angemessen?" Hier ist die subjektive Sichtweise der betroffenen Frauen von Bedeutung. Deshalb wählte Nadja Lehmann die Lebensgeschichten gewaltbetroffener Frauen als empirische Grundlage ihrer Forschungsarbeit.

Im ersten Teil der Dissertation beschreibt die Autorin die theoretischen Grundlagen zu ihrem Thema "Migrantinnen, häusliche Gewalt und Frauenhaus" in Deutschland und gibt einen Einblick in interkulturelle und internationale Forschungsperspektiven am Beispiel der USA.

Der zweite Teil enthält einen Überblick über biographietheoretische Forschungsperspektiven. Im Anschluss folgt die Rekonstruktion von Lebensgeschichten in drei Einzelfalldarstellungen, sowie die Auswertung der Interviews.

Zur Autorin: Dr. Nadja Lehmann arbeitet als freiberufliche Sozialwissenschaftlerin, Supervisorin, Sozialarbeiterin und ist Gründerin und Vorstand des Interkulturellen Frauenhauses Berlin.

AVIVA-Tipp: "Migrantinnen im Frauenhaus" gibt einen dezidierten Einblick in ein Themenfeld, das von der Öffentlichkeit bisher weitgehend unbemerkt blieb. Häusliche Gewalt ist auch für deutsche Frauen ein großes Problem, jedoch stehen Migrantinnen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, vor weiter reichenden Schwierigkeiten, die für die Arbeit in Frauenhäusern von großer Relevanz sind. Dr. Nadja Lehmann liefert einen breiten Überblick über nationale und internationale Forschungsperspektiven und rekonstruiert systematisch die unterschiedlichen Lebensgeschichten von Migrantinnen im Frauenhaus. Durch die drei Einzelfalldarstellungen im Interview wird das Schicksal dieser Frauen greifbar. Die Autorin leistet so einen wichtigen Beitrag für die Arbeit mit Migrantinnen im Frauenhaus, aber auch für das allgemeine Verständnis für die Lebenssituation, in der sich Migrantinnen befinden, die Hilfe im Frauenhaus suchen.


Dr. Nadja Lehmann
Migrantinnen im Frauenhaus.
Biographische Perspektiven auf Gewalterfahrungen

Barbara Budrich Verlag, erschienen Juni 2008
Broschiert, 330 Seiten
ISBN 978-3-86649-159-5
33 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Druckmachen lohnt sich - Streit um Frauenhaus beendet

13 Jahre Haft für brutalen Angriff auf Aylin K.

Weitere Informationen:

www.kok-buero.de

Information zu Gewalt gegen Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen
www.autonome-frauenhaeuser-zif.de

Hilfe für betroffene Frauen:

Frauenhaussuche beim "Verein Frauenhauskoordinierung": www.frauenhauskoordinierung.de



Literatur

Beitrag vom 07.10.2008

Britta Leudolph 






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