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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2019 - Beitrag vom 23.05.2019


AVIVA-Interview vom Nürnberger Versicherungscup 2019 mit Svetlana Kuznetsova
Sylvia Rochow

Die 33-jährige Sankt Petersburgerin ist mehrfache Grand Slam-Siegerin. Im Alter von 14 Jahren ging sie an die von zwei ehemaligen Tennisprofis betriebene Academia Sánchez-Casal in Barcelona. Kuznetsova stammt aus einer sportlichen Familie. Ihre Mutter, Galina Tsareva, ist sechsfache Weltmeisterin im Bahnrad-Sprint, ihr Vater, Alexandr, ist Radsport-Trainer und ihr Bruder Nikolay...



...errang 1996 in Atlanta olympisches Bahnrad-Silber.

Svetlana triumphierte 2004 bei den US Open und 2009 in Roland Garros im Einzel. 2005 (mit Alicia Molik) und 2012 (mit Vera Zvonareva) sicherte sie sich den Doppel-Titel bei den Australian Open. 2004, 2007 und 2008 gewann sie den Fed Cup mit dem russischen Team.
Bevor sie in den Nürnberger Versicherungscup vom 19. bis 25. Mai 2019 eingriff, gab "Sveta" AVIVA-Berlin in einem One-On-One-Interview bereitwillig Einblicke in ihr Leben auf und neben dem Tenniscourt.

AVIVA-Berlin: Willkommen in Nürnberg! Wann hast Du entschieden, hier anzutreten? Es ist ja schon eine Weile her, dass Du bei einem Freiluft-Sandplatzturnier in Deutschland gespielt hast, 2008 bei den letztmals in Berlin ausgetragenen German Open.

Svetlana Kuznetsova: Ich hatte eigentlich nicht geplant, zwischen dem Turnier in Madrid Anfang Mai 2019 und den French Open, die Ende Mai beginnen, zu spielen. Aber mein Coach meinte, ich wäre doch gut in Form, ob ich nicht überlegen will, noch ein paar Matches zu bekommen. Die Wildcards für das Turnier in Rom waren schon an Victoria Azarenka und Venus Williams vergeben, und da hat mein Trainer vorgeschlagen, es in Nürnberg zu versuchen. Ich komme immer gerne nach Deutschland. Die Leute sind nett und die Veranstaltungen wirklich sehr gut organisiert.

AVIVA-Berlin: Viele Spielerinnen ziehen es vor, in der Woche vor einem Grand Slam kein Turnier zu spielen. Wie ist das bei Dir?

Svetlana Kuznetsova: Normalerweise habe ich da auch lieber Pause. Ich glaube, ich habe mindestens seit zwölf Jahren nicht mehr direkt vor Roland Garros gespielt. Aber obwohl ich gut in Form bin, habe ich das Gefühl, dass mir weitere Matches helfen würden, deshalb versuche ich es jetzt einmal so. Ich bin ja dieses Jahr auch erst später als üblich überhaupt in die Saison gestartet.

AVIVA-Berlin: Du hast es gerade erwähnt, Dein erstes Turnier des Jahres hast Du Anfang April gespielt. Was war der Grund dafür? Gab es wieder Probleme mit dem Handgelenk, an dem Du Dich Ende 2017 operieren lassen musstest?

Svetlana Kuznetsova: Nein, das Handgelenk ist o.k. Ich hatte alle möglichen Schmerzen, vor allem im Knie, und dann entschieden, dass es besser wäre, im Anschluss an die vorherige Saison eine längere Pause einzulegen. Nach so vielen Jahren auf der Tour sollte man irgendwann einfach mehr auf den eigenen Körper achtgeben.

AVIVA-Berlin: Du hast dadurch ungefähr ein halbes Jahr lang kein Turnier bestritten. Kam Dir während dieser Zeit mal der Gedanke, gar nicht wieder auf die Tour zurückzukehren?

Svetlana Kuznetsova: Ich wollte vor allem erst mal etwas freie Zeit haben, auch für meinen Kopf, und sehen, wie es mir damit geht. Irgendwann habe ich gemerkt, dass mir das Tennis fehlt. Wenn ich keinen Spaß mehr an meinem Sport hätte, würde ich auch nicht zurückkommen. Aber ich habe es vermisst und dann bewusst entschieden, trotzdem nichts zu überstürzen, mir keinen Druck zu machen, bis wann ich wieder auf dem Platz stehen, Turniere spielen, Punkte erzielen muss.

AVIVA-Berlin: Dein erstes Match auf der WTA Tour hast Du 2001 bestritten. Seitdem sind knapp 20 Jahre vergangen, der Tenniscircuit hat sich fraglos weiterentwickelt. Was ist Dein Eindruck vom Frauentennis im Moment – sowohl von den neuen Spielerinnen als auch von denen, die schon ähnlich lange dabei sind wie Du?

Svetlana Kuznetsova: Viele von meiner Generation sind ja nicht mehr dabei. Die meisten machen jetzt irgendwas anderes. Aber wir sind eben alle verschieden, leben unser Leben. Ich kann für mich sagen, dass ich noch die Power und den Willen verspüre, zu spielen – deshalb tue ich es. Aber zurück zur Frage: Ich habe den Eindruck, dass alles viel ausgeglichener ist als früher. Selbst die Top-Spielerinnen können heutzutage ihre Erstrunden-Matches verlieren, Woche für Woche kann alles passieren. Es gibt im Moment nicht die eine Akteurin, die alles dominiert, sondern in kürzester Zeit kann sich alles verändern. Das erhöht definitiv auch für mich die Chancen in meiner jetzigen Situation.

AVIVA-Berlin: Eine Spielerin, die auch schon mehr als zehn Jahre auf der Tour spielt, ist Andrea Petković. In Stuttgart hat sie erwähnt, dass sie die Duelle mit Dir immer besonders genießt und Eure Matches mit Schachspielen verglichen, wo man auch mehrere Spielzüge voraus denken muss. Teilst Du diese Einschätzung und spielst Du auch gerne gegen Andrea?

Svetlana Kuznetsova: Ich würde glaube ich eher mein Duell gegen Francesca (Anm.d.Red.: Schiavone, bei den Australian Open 2011 mit 4:44 Stunden das längste Grand-Slam-Match der Frauen aller Zeiten) mit einer Schachpartie vergleichen. Es fühlte sich an, als würden wir ewig spielen und da ging es um die physische Stärke, man musste sehr gut vorbereitet sein. Das sind Herausforderungen, die mir gefallen. Aber natürlich mag ich es auch, gegen Petko anzutreten. Sie spielt tolles Tennis und kämpft genauso wie ich darum, ihr altes Level wieder zu erreichen. Ich bewundere sie für ihre Hingabe und ihre Arbeitsauffassung.

AVIVA-Berlin: Siehst Du da Parallelen zwischen Euch?

Svetlana Kuznetsova: Ich glaube, Hingabe ist nichts, das man vergleichen kann, und wir haben ja auch völlig unterschiedliche Spielstile. Da lassen sich schlecht Parallelen ziehen.

AVIVA-Berlin: Was hast Du in der Tennispause gemacht?

Svetlana Kuznetsova: Ich hatte eine gute Zeit. (lacht)

AVIVA-Berlin: Du willst lieber nicht ins Detail gehen?

Svetlana Kuznetsova: Ich bin zweimal in den Urlaub gefahren, etwas, wofür ich sonst nie Zeit hatte. Auch so habe ich viele Dinge ausprobiert, zum Beispiel Pilates gemacht, und die Gelegenheit genutzt, mich mit möglichst unterschiedlichen Leuten zu treffen. Aber vor allem habe ich versucht, an mir als Person zu arbeiten – und damit meine ich nicht das Trainieren im Fitnessstudio. Ich habe zuhause in Moskau mehrere Vorlesungen besucht, zwölf Wochen lang, jeden Montag, bei der ehemaligen russischen Politikerin Irina Khakamada (Anm.d.Red.: ehemalige Vizesprecherin der Staatsduma und Präsidentschaftskandidatin 2004, Dozentin am Staatlichen Moskauer Institut für Internationale Beziehungen). Sie ist eine unglaublich intelligente Frau und es ging darum, zu lernen, wie man zu einer Führungspersönlichkeit wird. Ich selbst habe auch zwei Vorlesungen gehalten, wo Leute hinkommen und mir Fragen stellen konnten. Ein bisschen so wie hier – aber mit mehr Personen. (lacht)

AVIVA-Berlin: Kann ich daraus schließen, dass Du demnächst eine Führungsposition irgendwo anstrebst?

Svetlana Kuznetsova: Wenn man ein eigenes Business oder so etwas betreiben will, muss man meines Erachtens Führungsqualitäten haben, denn schließlich trägt man selbst die Verantwortung. Wenn man für jemand anderen arbeiten möchte, braucht man das natürlich nicht. Da ich mich persönlich aber nicht für jemand anderen arbeiten sehe, möchte ich lernen, was ich in einer Führungsposition benötige.

AVIVA-Berlin: Das hört sich so an, als würdet Du im Gegensatz zu manch anderen ehemaligen Profis keine Karriere als Trainerin anstreben? Immerhin bist Du die Tochter eines sehr erfolgreichen Bahnrad-Coaches.

Svetlana Kuznetsova:Man soll nie nie sagen! Ich habe schon von so vielen Sportlerinnen und Sportlern gehört, dass sie niemals als TrainerIn arbeiten würden, und heute sind sie Coaches. Für ein paar Wochen im Jahr könnte ich es mir schon vorstellen, aber jemanden das ganze Jahr auf der Tour zu begleiten, nicht. Dafür laugt mich das viele Reisen zu sehr aus.

AVIVA-Berlin: Manche Ex-Profis sind ja nach ihrer Karriere auch als ExpertInnen in den Medien tätig. Wenn Du die Seiten wechseln könntest, was würdest Du eine Spielerin fragen?

Svetlana Kuznetsova: Es würde natürlich davon abhängen, wie alt die Spielerin ist, auf welchem Niveau sie spielt und so weiter. Gib mir einen Namen!

AVIVA-Berlin: Da wir schon von ihr gesprochen haben, nehmen wir einfach Andrea Petković.

Svetlana Kuznetsova: Petko würde ich Fragen zu ihrer Ernährung stellen, das ist bei ihr glaube ich ziemlich interessant.

AVIVA-Berlin: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg fürs Turnier!

Weitere Infos zu Svetlana Kuznetsova unter:

twitter.com/SvetlanaK27

facebook.com/svetlanakuz27

instagram.com/svetlanak27

www.svetlanakuznetsova27.com

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Copyright Text und Foto: Sylvia Rochow



Interviews Beitrag vom 23.05.2019 Sylvia Rochow 





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