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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2018 - Beitrag vom 19.09.2018

Restitution nach 80 Jahren. Von den Nationalsozialisten geraubtes Buch heutigem Eigentümer übergeben
AVIVA-Redaktion

Das Buch "Mein Deutschland", das von dem jüdischen Arzt Benno Latz geschrieben und in limitierter Auflage gedruckt worden war, konnte durch einen Zeitungsartikel dem britischen Künstler Geoff Latz, dem Enkel des Mediziners, zugeordnet werden. Infos zur Provenienzforschung und der Arbeit der Stabsstelle NS-Raub- und Beutegut der FU Berlin sowie Möglichkeiten, Raubgut aufzuspüren und symbolisch zurückzugeben, hier auf AVIVA-Berlin



Koordiniert wurde die Restitution von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stabsstelle NS-Raub- und Beutegut in der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin.

Durch einen Artikel in der britischen Zeitung Telegraph & Argus über eine von Geoff Latz initiierte Gedenkaktion wurde die Stabsstelle NS-Raub- und Beutegut auf den Enkel von Benno Latz aufmerksam und nahm Kontakt zu ihm auf. Geoff Latz´ Großvater war 1938 aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach New York, USA, geflohen. Sein Sohn Helmut, der Vater von Geoff Latz, floh ebenfalls 1938 nach Großbritannien. "Mein Deutschland" hatte Benno Latz zwischen 1933 und 1934 geschrieben, um an jüdische Soldaten im Ersten Weltkrieg zu erinnern. Er selbst hatte als Stabsarzt im Ersten Weltkrieg gedient.

Als Raub- und Beutegut wird Privateigentum wie Gemälde und Bücher verstanden, das im nationalsozialistischen Deutschland zwischen 1933 und 1945 beschlagnahmt oder unter Zwang veräußert wurde. Die Konfiszierungen richteten sich gegen Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma sowie Angehörige anderer religiöser oder ethnischer Minderheiten, politische Gegner des Nationalsozialismus, darunter Parteien und Gewerkschaften, aber auch Gelehrte und Homosexuelle, sowohl im Deutschen Reich als auch in besetzten Ländern. Bücher wurden in sehr großen Mengen beschlagnahmt. Teilweise im Besitz von Bibliotheken, ehemaligen Funktionären des Nationalsozialismus sowie privaten SammlerInnen wurden viele dieser Objekte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs weltweit verstreut.

Ziel der Stabsstelle NS-Raub- und Beutegut ist es, die unter dem nationalsozialistischen Regime geraubten Bücher zu identifizieren und an die heutigen EigentümerInnen zu restituieren. Die Stabsstelle führt gemeinsam mit der Badischen Landesbibliothek, der Bibliothek der Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum, der Stadtbibliothek Hannover, der Universitätsbibliothek Potsdam sowie der Zentral- und Landesbibliothek Berlin die Datenbank Looted Cultural Assets. Aufgenommen werden alle in den eigenen Beständen gefundenen Provenienzen und die zugehörigen Rechercheergebnisse.

Weiterführende Links

Stabsstelle NS-Raub- und Beutegut: www.fu-berlin.de

Datenbank Looted Cultural Assets: lootedculturalassets.de

The Central Registry of Information on Looted Cultural Property 1933–1945: www.lootedart.com

Deutsches Zentrum Kulturgutverluste: www.kulturgutverluste.de

Die Stiftung ZURÜCKGEBEN - Stiftung zur Förderung jüdischer Frauen in Kunst und Wissenschaft gibt Menschen die Möglichkeit, Raubgut symbolisch zurückzugeben: www.stiftung-zurueckgeben.de

Rose Valland Institut Call for Papers Verwaistes Eigentum in Europa: rosevallandinstitut.org

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Rose Valland Institut: Open Call - Unrechtmäßige Besitzverhältnisse in Deutschland
Das Rose Valland Institut ist ein künstlerisches Projekt von Maria Eichhorn im Rahmen der documenta 14. Mit dem Call for Papers "Verwaistes Eigentum in Europa" trat das Institut im März 2017 erstmals an die Öffentlichkeit. Diese wird dazu aufgerufen, sich über NS-Raubgut im ererbten Besitz bewusst zu werden, zu recherchieren und Informationen dem Rose Valland Institut zu übermitteln. (2017)

Provenienzforschung und NS-Raubkunst: Tempeltanz der Seele von Fidus bleibt in der Berlinischen Galerie
Einst hing der fünfteilige Gemälde-Zyklus im Musikzimmer der jüdischen Familie Neuhäuser am Bayerischen Platz. Mehr Informationen zum Hintergrund sowie weitere Aktivitäten der Provenienzforschung an der Berlinischen Galerie und der Unterstützer, wie der Ferdinand-Möller-Stiftung und der Senatsverwaltung für Kultur und Europa…(2017)

Elisabeth Sandmann - Der gestohlene Klimt. Wie sich Maria Altmann die Goldene Adele zurückholte
Das Leben der Maria Altmann und ihre Beziehung zu dem von den Nazis geraubten Klimt-Gemälde "Goldene Adele" dokumentierte die Verlegerin Elisabeth Sandmann in akribischer Recherchearbeit. (2015)

Die Frau in Gold. Kinostart 4. Juni 2015. Das Buch zum Film von Elisabeth Sandmann - Der gestohlene Klimt
Das Leben der Maria Altmann und ihre Beziehung zu dem von den Nazis geraubten Klimt-Gemälde "Goldene Adele" inspirierte Regisseur Simon Curtis zu einem fesselnden Bio-Pic. Helen Mirren verkörpert die aus Österreich in die USA geflüchtete faszinierende Protagonistin. (2015)

Birgit Schwarz - Auf Befehl des Führers. Hitler und der NS-Kunstraub
Nicht erst seit dem Fall Gurlitt ist bekannt, dass Deutschland unter dem NS-Regime Schauplatz des größten Kunstraubs der Geschichte war. Wie tief Hitler jedoch wirklich in das schmutzige Geschäft mit gestohlenen Kulturgütern verstrickt war, deckt Kunsthistorikerin Birgit Schwarz in ihrem neuen Sachbuch auf. (2015)

Stefan Koldehoff - "Die Bilder sind unter uns. Das Geschäft mit der NS-Raubkunst und der Fall Gurlitt"
Der Kulturredakteur und Autor hat sein 2009 bei Eichborn erschienenes Buch aktualisiert, um das Kaptitel "Gerettet oder gestohlen? Der Fall Gurlitt" erweitert und ein Schlusskapitel "Perspektiven für eine neue deutsche Raubkunstpolitik 2014" angefügt. (2014)

Melissa Müller und Monika Tatzkow – "Verlorene Bilder, verlorene Leben" über "Jüdische Sammler und was aus ihren Kunstwerken wurde"
Im größten Kunstraub aller Zeiten enteignete das Naziregime etwa 600.000 Kunstwerke aus jüdischem Besitz. Sie wurden gestohlen, beschlagnahmt, eingezogen, zwangsverkauft oder versteigert. (2009)

Stealing Klimt
Ab dem 3.9.2007 ist der britische Dokumentarfilm auch in den deutschen Kinos zu sehen. Jahrelang kämpfte Maria Altman um 5 Gemälde von Gustav Klimt, die ihrer Familie von den Nazis geraubt wurden. (2007)

Interview with Jane Chablani, Regisseurin von "Stealing Klimt"
The director of "Stealing Klimt" talks about the long lasting fight of the 90-year-old Maria Altmann against the Republic of Austria and about the victory of David against Goliath (2007)

Jani Pietsch - Ich besaß einen Garten in Schöneiche bei Berlin
Das verwaltete Verschwinden jüdischer Nachbarn und ihre schwierige Rückkehr. Eine Rekonstruktion der Berliner Politikwissenschaftlerin und Historikerin Jani Pietsch. Mit O-Tönen von Gesine Strempel (2006)

Pressemitteilung der Freien Universität Berlin Nr. 235/2018 vom 12.09.2018

Public Affairs Beitrag vom 19.09.2018 AVIVA-Redaktion 





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