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AVIVA-BERLIN.de im September 2020 - Beitrag vom 29.08.2019


Ivna Žic – Die Nachkommende
Saskia Balser

In ihrem Debütroman beschäftigt sich die in Zagreb geborene, in der Schweiz aufgewachsene Autorin und Theaterregisseurin Ivna Žic mit dem Reisen, Ankommen und Verschwinden. Ihre Protagonistin spürt auf einer Zugfahrt von Paris nach Kroatien dem Motto "I´ve been here many times before" nach und erlebt, wie die Grenzen zwischen Erinnern und Träumen verschwimmen.




Nachdem sie bereits zahlreiche Theaterprojekte realisiert hat, unter anderem am Luzerner Theater, Schauspielhaus Wien, Schauspiel Essen, Theaterhaus Gessnerallee, Theater Winkelwiese und Roxy Birsfelden, hat die Autorin Ivna Žic nun ihren ersten Roman geschrieben. Diesen leitet sie mit der oben zitierten Songzeile der US-amerikanischen Sängerin Sophia Kennedy ein, welche bereits die Gefühle der Wiederholung und der Überlappung einfängt, denen Leser*innen auf dieser literarischen Reise noch öfter begegnen werden.

Žics Ich-Erzählerin befindet sich auf einer langen Fahrt nach Kroatien, wo sie bereits sehnlichst erwartet wird – sie "die Nachkommende": "Nun sitzt die Familie wieder auf der Großmutterinsel, Sommeralltag, und die Mutter sagt: Wo steckst du, wir sind im Sommer immer zusammen, du bist nicht da, das geht nicht, wann kommst du zu uns?"
Leitmotivisch zieht sich die Frage durch den Roman, was es bedeutet, irgendwo her- und an einem anderen Ort anzukommen:
"Jede Ankunft und jede Abreise lassen diese alte Geschichte noch älter werden. Und zugleich von vorne beginnen."
Die Städte Paris, Zürich und Zagreb sind omnipräsent, die dort gesprochenen Sprachen ebenfalls. Sie überlagern sich, gleiten ineinander über und bilden damit ab, dass Identität für die Protagonistin etwas Fluides ist, das weder an eine Zeit noch einen Ort gebunden ist.

Während ihrer Reise bekommt sie Besuch: von den Erinnerungen und Träumen an ihren Liebhaber, einen verheirateten Maler, der nicht mehr malt. Begleitet wird sie auch von ihren Ahnen. Besonders deutlich tritt ihr verstorbener Großvater hervor, auf den die gleiche Beschreibung zutrifft. Die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart sowie zwischen Wahrheit und Imagination verwischen, dargestellt in verdichteter, poetischer Sprache. Diese oftmals fragmentarische und bilinguale Erzählweise offenbart sowohl Žics Theatererfahrungen als auch ihre eigene Beheimatung in zwei Ländern: Sie wurde in Zagreb geboren, ist in Zürich aufgewachsen und beherrscht beide Sprachen, kennt beide Kulturen. Sie pendelt, ebenso wie ihre Protagonistin, zwischen zwei Leben und untersucht genau dieses "Dazwischen" in "Die Nachkommende".

AVIVA-Fazit: Ivna Žics Roman hat eine außergewöhnliche Sprache und Dynamik, die durchaus unzugänglich wirken kann. Es fällt schwer, zwischen (literarischer) Realität und Imagination zu entscheiden, doch schnell wird klar: Das ist auch nicht nötig. "Die Nachkommende" bewegt sich auf sprachlicher Ebene zwischen Poesie und Prosa und verweist dadurch auf das Leben der Protagonistin, das sich zwischen Ankunft und Abreise entfaltet.

Die Nachkommende
Ivna Žic

Matthes & Seitz Berlin, ET: 2. August 2019
Gebunden, 164 Seiten
ISBN: 978-3-95757-769-6
20 Euro
Mehr Infos zum Buch sowie Lesungstermine unter: www.matthes-seitz-berlin.de

Zur Autorin: Ivna Žic, 1986 in Zagreb geboren, aufgewachsen in Zürich, studierte Angewandte Theaterwissenschaft, Schauspielregie und Szenisches Schreiben in Gießen, Hamburg und Graz. Seit 2011 arbeitet sie als freie Autorin, Dozentin und Regisseurin u. a. am Maxim Gorki Theater, Schauspielhaus Wien, Luzerner Theater, Schauspiel Essen, Schauspielhaus Zürich, Staatstheater Karlsruhe. Žic erhielt für ihre Texte eine Vielzahl von Stipendien und Preisen. Sie lebt in Zürich und Wien. (Quelle: Verlagsinformation)
Mehr Infos zur Autorin sowie aktualisierte Infos zu Texten und Regiearbeiten unter: ruakooperative.de

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Ivana Sajko – Liebesroman
´Liebe tötet, sobald sich die Gelegenheit ergibt.´ Solche wunderbaren Sätze stehen in Ivana Sajkos Liebesroman, der natürlich, das weiß frau, wenn sie das bravouröse Werk der kroatischen Autorin und Theaterregisseurin verfolgt, das genaue Gegenteil eines Liebesromans ist. Es ist vielmehr ein Zerfleischungsroman, ein Kammerspiel, das ein junges Elternpaar beim Untergang vorführt, und atemlos diesen Hass, dieses Versteckspiel vor sich selbst und der Welt meisterlich porträtiert. (2017)

Marica Bodrožić - Das Wasser unserer Träume
Die mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin ("Mein weisser Frieden", 2015, "Kirschholz und alte Gefühle", 2012, und "Das Gedächtnis der Libellen", 2010) erhielt 2017 den Preis der Ricarda Huch Poetikdozentur für Gender. In ihrem 2016 erschienenen Roman "Das Wasser unserer Träume" beleuchtet die im ehemaligen Jugoslawien geborene und in Berlin lebende Autorin das Innenleben eines Komapatienten aus einer literarischen Perspektive: eine philosophisch-poetische Umkreisung des menschlichen Bewusstseins. (2017)

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Mit sehr viel Verständnis für das Seelenleben ihrer Charaktere beschreibt Regisseurin Jasmila Zbanic das Zerwürfnis zwischen einem jungen Paar in Sarajewo, welches eigentlich in Liebe geeint ist, und doch die entstehende Kluft zwischen ihren Weltanschauungen kaum mehr überwinden kann. (2011)


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Beitrag vom 29.08.2019

AVIVA-Redaktion 






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