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AVIVA-BERLIN.de im Februar 2024 - Beitrag vom 08.02.2023


Michal Govrin: Strandliebe
Andrea Livnat

Am 7. Februar 2023 – 16 Shevat 5783 startet der neu gegründete Geparden Verlag mit einem handverlesenen ersten Programm. Mit dabei ist der Roman "Strandliebe" der israelischen Autorin und Theaterregisseurin Michal Govrin. Ein großes Glück, dass die beiden Verlegerinnen Anne Wieser und Bettina Spoerri …




… diesem wunderbaren Buch zu einer Veröffentlichung auf Deutsch verhelfen.

Ein großer und gleichzeitig leiser Roman über die schicksalhafte Verflechtung von Shoah-Überlebenden und ihren Kindern im Aschkelon der 1960er Jahre.

Michal Govrin ist selbst Tochter einer Shoah-Überlebenden. Ihre Mutter, Regina-Rina Poser-Laub-Govrin, wurde in Krakau geboren, ihr erster Mann und der gemeinsame Sohn wurden ermordet. Sie selbst überlebte in einer Gruppe mit weiteren neun Frauen, die fest zusammenhielten, die Lager Plaszow, Auschwitz und Bergen-Belsen und wurde nach Ende des Krieges Kommandantin in der Untergrundbewegung Bricha, die Überlebenden bei der illegalen Einwanderung in das Mandatsgebiet Palästina verhalf. Über das Erlebte und das Überleben sprach sie mit ihrer Tochter nie.

Das Schweigen der Überlebenden bildet auch die Grundlage von "Strandliebe". Zwischen Sand und Meer, verlassenen Orangenhaine und verbliebenen Friedhöfen versuchen sie sich eine Existenz aufzubauen. Ihre Kinder versuchen den Schatten der Vergangenheit zu entkommen: "Wie Schmetterlinge aus ihren Kokons erblühten sie in bunten Kleidern, ungeachtet der Schattengestalten ihrer Eltern, die gebeugt von mühseliger Arbeit in Küchen voll fremder Essensdünste und Sprachgemisch heimkehrten, Ungarisch, Polnisch, Arabisch, Marokkanisch, Griechisch, Rumänisch."

Hier entspinnt Govrin eine zarte Liebesgeschichte, ein Dreieck, zwischen Esther, die kurz vor ihrer Einberufung steht, Alejandro/Alex, dem jungen Einwanderer aus Argentinien, und dem deutlich älteren Moïse, der in Frankreich lebt und zur Beerdigung seiner Mutter nach Aschkelon kommt.

Nach und nach nähern sich die drei einander an, nach und nach entfaltet Govrin auch die Geschichte ihrer Herkunft, ihrer Eltern, die sich im DP-Camp kennenlernten oder die aus Marokko einwanderten. Am Ende finden die losen Enden der Lebensstränge zusammen, in der israelischen Realität, die nicht nur die verschiedenen Schicksale zusammenführt, sondern auch von neuen Unsicherheiten und Gefahren geprägt ist.

Ein anrührender und bewegender Roman, unaufgeregt und langsam erzählt. Ein wahrer Schatz, mit dem der Geparden Verlag sein Programm eröffnet. Wir freuen uns auf mehr, hoffentlich auch israelische Literatur.

Zur Autorin: Michal Govrin, 1950 in Tel Aviv als Tochter eines israelischen Pioniervaters und einer Mutter, die den Holocaust überlebte, geboren, ist Schriftstellerin, Dichterin, Forscherin und Theaterregisseurin. Sie Sie studierte an der Universität Tel Aviv und an der Universität Paris. Michal Govrin ist mit dem Mathematiker Haim Brezis verheiratet und hat zwei Töchter, Rachel-Shlomit und Mirika. Sie lebt in Jerusalem.
Mehr Infos: www.michalgovrin.com

Michal Govrin
Strandliebe

Originaltitel: אהבה על החוף (Ahava al ha-chof)
Übersetzt von Ruth Achlama
Geparden Verlag, erschienen 8. Februar 2023
392 Seiten, Leinen mit Schutzumschlag
Euro 32,00, CHF 35.-
ISBN 978-3-907406-02-1
Mehr zum Buch und Bestellung www.gepardenverlag.ch


Diese Rezension ist zuerst erschienen bei haGalil onLine und wurde uns zur Veröffentlichung auf AVIVA-Berlin von der Rezensentin Andrea Livnat freundlicherweise zur Verfügung gestellt.



Literatur > Jüdisches Leben

Beitrag vom 08.02.2023

AVIVA-Redaktion