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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2020 - Beitrag vom 29.04.2020


Esther Shakine – Exodus
Sharon Adler

Die israelische Malerin, Designerin und Illustratorin, geboren 1932 in Szeged, Ungarn, überlebte als Kind den Holocaust. In ihrer bewegenden Graphic Novel erzählt sie in der Person der kleinen Ticka, wie ihre unbeschwerte Kindheit an dem Tag endete, an dem ihre Mutter einen gelben Stern auf ihr Kleid genäht hat. Mit "Exodus" dokumentiert sie in expressiven Zeichnungen, herzzerreißenden Dialogen und tagebuchartigen Texten von der Zeit ihres Überlebens und ihrer Flucht nach Palästina auf dem Flüchtlingsschiff Exodus.




Zu ihrem 5. Geburtstag bekommt Ticka eine Katze geschenkt, die sie Pitsy nennt. Als die Nazis kommen, verstecken sich die beiden im Kleiderschrank, wo Ticka um ein Haar entdeckt wird, wenn Pitsy nicht aus dem Schrank gesprungen wäre. Ihre Eltern werden von den Nazis verschleppt, was Ticka vom Versteck im Schrank aus mitanhören muss. Ohne sie bleibt das Mädchen allein zurück, bis sie in den Trümmern des zerstörten Landes auf andere verwaiste Kinder trifft und Unterschlupf in einem Kloster findet. Schließlich fährt sie mit einer Gruppe von 200 Kindern, alle getarnt als vermeintlich Taubstumme, mit dem Zug quer durch Europa und besteigt 1947 in Frankreich das Flüchtlingsschiff "Exodus", das sie zusammen mit über 4000 Holocaust-Überlebenden nach Palästina bringen soll.

Doch die "Exodus" wird von britischen Kriegsschiffen gewaltsam daran gehindert, Palästina zu erreichen.
Wochen einer dramatischen Irrfahrt auf einem völlig überfüllten und baufälligen Schiff folgen, die traumatisierten Flüchtlinge erfahren eine Zeit der Verzweiflung und der Hoffnung.
Ticka muss miterleben, wie ein Junge von den Briten erschossen wird.
Dann werden die Flüchtlinge von den Briten ausgerechnet nach Deutschland zurückgebracht, wo sie in einem Lager hinter Stacheldraht interniert werden, bewacht von Wachposten mit Wachhunden...

Erst Monate später gelingt endlich eine neue Überfahrt. Im Mai 1948 erreicht Ticka schließlich Israel, genau an dem Tag, an dem die Briten ihre Nationalfahne einholen und das Land verlassen.
In Israel werden die Kinder in das Kibbuz Sdot Yam gebracht, was auf Deutsch "Felder am Meer" bedeutet.

Die Graphic Novel schließt mit dem Bild von Ticka, wie sie glücklich und traurig zugleich am Strand sitzt und auf das Meer hinaus schaut.

Ich hatte das Gefühl, dass ich endlich angekommen war.
Ich setzte mich in den warmen Sand.
Ich war glücklich.
Aber…
Ein wenig war mir zum Weinen zumute.
Ich wünschte mir so sehr, dass Mama und Papa bei mir wären…


Ticka sollte sie nie wiedersehen. Sie wurde später eine Künstlerin und Autorin und bekam selbst Kinder. Ihre Eltern, die von den Nazis ermordet wurden, ihre Geschichte des Überlebens hat sie nie vergessen. Indem Esther Shakine aus der kindlichen Perspektive der Ticka ihr eigenes Schicksal erzählt, macht sie in dieser bewegenden Graphic Novel das Trauma des Krieges, der Ausgrenzung und Verfolgung und der Heimatlosigkeit besonders für junge Leserinnen und Leser erfahrbar.
Es ist dem Buch zu wünschen, dass es den Weg in die öffentlichen Bibliotheken und in die jedes Kinder- und Jugendzimmers in Deutschland finden wird.

AVIVA-Tipp: Zwölf Jahre nach seiner ersten Veröffentlichung in Israel ist die Graphic Novel von Esther Shakine endlich auch auf Deutsch erschienen. Mit "Exodus" hat Esther Shakine ein wichtiges und unvergessliches Zeitdokument geschaffen, und eine berührende Erinnerung an all jene, die nicht zurückgekehrt sind.

Zur Autorin: Esther Shakine, geboren 1932 in Szeged, Ungarn, überlebte als Kind den Holocaust. Ihre Eltern wurden ermordet. Sie emigrierte nach dem Krieg auf dem Flüchtlingsschiff "Exodus" nach Israel und wuchs in einem Kibbuz auf. Nach dem Kunststudium in Tel Aviv arbeitete Shakine als Malerin, Designerin und Illustratorin. Sie wurde mit dem Preis der Norman Arts Foundation ausgezeichnet und war u. a. Vorsitzende der Israel Textile Artists Association. Unter ihren Kinderbüchern, die sie als Autorin und Illustratorin verfasste, wurde EXODUS vom Israelischen Bildungsministerium für das Projekt "Treffen mit dem Autor" ausgewählt.
Mehr zu Esther Shakine: www.hirmerverlag.de und shakinnir.over-blog.com

Esther Shakine
Exodus

Titel der hebräischen Originalausgabe: TIKA´S JOURNEY (Schocken Publishing House Ltd. Tel Aviv, Israel, 2008)
48 Seiten, 93 Abbildungen in Farbe und S/W
ca. 17 x 25 cm, Klappenbroschur
Ab 8 Jahren
Klinkhardt & Biermann
ISBN: 978-3-943616-72-9
15,00 € [D] | 15,50 € [A] | 19,40 SFR [CH]
Mehr zum Buch unter: www.hirmerverlag.de

Mehr Literatur und Informationen

The De-Judaization of Pécs and Szeged in 1944 in Yad Vashem Studies: store.yadvashem.org

Online-Archiv der Arolsen Archives, speziell die Liste jüdischer Überlebender in Szeged (Ungarn), 15.04.1946. ollections.arolsen-archives.org

"REDISCOVER - Szeged Jewish Community Archives - Cataloging, Indexing and partly Digitization" by Danube Transnational Programme (DTP): www.interreg-danube.eu

Unter dem Titel "Exodus" veröffentlichte der jüdisch-amerikanisch-polnische Schriftsteller Leon Uris 1958 den Roman um das Flüchtlingsschiff Exodus und die Entstehungsgeschichte des Staates Israel. Verfilmt wurde der Roman 1960 von Otto Preminger mit Paul Newman in der Hauptrolle. Leon Uris wirkte am Drehbuch mit.
1960 erschien Exodus Revisited, 1962 auf Deutsch unter dem Titel Auf den Spuren von Exodus, mit 267 Fotos von Dimitrios Harissiadis, bei Kindler, München.
2002 erschien Die Irrfahrt der Exodus. Eine Augenzeugin berichtet von Ruth Gruber bei Pendo, Zürich.

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Das Tagebuch der Anne Frank - eine Graphic Novel von Ari Folman und David Polonsky
Anne Frank wäre am 12. Juni 2018 neunundachtzig Jahre alt geworden. Zum bundesweiten Anne Frank Tag am 12. Juni und dem 70. Jahrestag der Erstveröffentlichung ihres berühmt gewordenen Tagebuchs macht AVIVA auf die wunderbar gestaltete gleichnamige Graphic Novel von Ari Folman und David Polonsky, kongenial übersetzt von Mirjam Pressler, aufmerksam. Mit dieser künstlerischen Interpretation des Tagebuchs des am 15. Februar 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen von den Nazis ermordeten 16 jährigen Mädchens haben die Macher des mehrfach ausgezeichneten Films und Buchs "Waltz with Bashir" ein weiteres Stück schmerzhafte Geschichte beeindruckend aufs Papier gebracht. (2018)

Barbara Yelin, David Polonsky - Vor allem eins: Dir selbst sei treu. Die Schauspielerin Channa Maron
In Deutschland ein vergessener Kinderstar, in Israel eine Bühnenlegende (HaBimah. Cameri). Die 1923 als Kind einer jüdischen Familie in Berlin geborene Channa Maron stand bereits als 5-jährige auf den Brettern, die die Welt bedeuten. In Titelrollen, z. B. in "Rotkäppchen", "Peterchens Mondfahrt" oder "Pünktchen und Anton", begeisterte sie das Publikum verschiedener Berliner Bühnen. Durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten und die darauf folgende Flucht der Familie schien dieser Erfolg ein frühes Ende zu nehmen. (2017)

Caroline Gille, Niels Schröder - I got rhythm. Das Leben der Jazzlegende Coco Schumann
"Unglaublich böse und entsetzlich schön". Coco Schumann, einer der wichtigsten deutschen Jazz- und Swinggitarristen, feiert am 14. Mai 2014 seinen 90. Geburtstag. Die AutorInnen haben ihm eine Graphic Novel gewidmet, die das Überleben des Berufsoptimisten Schumann in Theresienstadt und Auschwitz und die Anfänge seiner bewegten Musikerkarriere erzählt. (2014)

Eran Shakine - Sunny Side Up
Die unprätentiösen Arbeiten des israelischen Künstlers (der Sohn von Esther Shakine wurde 1962 in Tel Aviv geboren) entpuppen sich auf den zweiten Blick als eine Meditation über den Status und Charakter von Kunst selbst. (2011)

Rutu Modan - Das Erbe
Nach "Blutspuren" erscheint nun die zweite Graphic Novel der israelischen Comiczeichnerin und Illustratorin. Teilweise durch ihre eigene Biographie inspiriert, erzählt Modan die Geschichte einer gemeinsamen Woche von Großmutter und Enkelin in Polen. Die ursprüngliche Bestimmung dieser Unternehmung nimmt, mit dem Aufkommen von lange Verdrängtem, eine Wendung und wird für beide Frauen zu einer bedeutenden und emotionalen Erfahrung. (2013)

Merav Salomon - Frostbeulen
Die israelische Illustratorin Merav Salomon zeichnete in "Frostbeulen" ihre Familiengeschichte poetisch nach. Erschienen in der wunderbaren Illustrations-Serie "Die Tollen Hefte" von Armin Abmeier. (2012)

Allein unter allen – Miriam Katin
Die Erinnerungen einer Jüdin und ihrer Tochter an das (Über)Leben in Ungarn während des Zweiten Weltkrieges verarbeitet die 1941 geborene Zeichnerin Miriam Katin in eindringlichen Schwarzweiß-Zeichnungen. (2007)

Bernice Eisenstein – Ich war das Kind von Holocaustüberlebenden
Mit comichaften Bildern, ironiedurchsetzten Texten und ehrlichen Bekenntnissen schildert Bernice Eisenstein ihre Kindheit als Tochter Holocaustüberlebender, die 1948 nach Kanada auswanderten. (2007)




Quelle: Hirmer Verlag


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Beitrag vom 29.04.2020

Sharon Adler 






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