Kathrin Klingner - Über Spanien lacht die Sonne - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

BLACK LIVES MATTER AVIVA_gegen_AFD
AVIVA-Berlin > Literatur > Graphic Novels AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kunst + Kultur
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   Jüdisches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Sport
   Gewinnspiele
   About us
 


AVIVA - Literatur live.
AVIVA-Literatur-veranstaltungen im Rahmen des BEGINE-Literaturcafés





AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2020








 



AVIVA-BERLIN.de im August 2020 - Beitrag vom 31.03.2020


Kathrin Klingner - Über Spanien lacht die Sonne
Bärbel Gerdes

Hasskommentare im Netz – eine Plage, die sich ausbreitet. Die Illustratorin Kathrin Klingner führt uns in ihrem unterhaltsam-witzigen Comic vor Augen, was diejenigen zu ertragen haben, die solche Kommentare prüfen müssen, und zeichnet ganz nebenbei den Büroalltag in einem Medienunternehmen.



Kitty hat schon vieles gemacht: sie arbeitete in der Eisdiele, stand an der Kasse, saß in einem Callcenter und lieferte Pizzen aus. Jetzt aber erhält sie einen Aushilfsjob in einem Medienunternehmen. Es ist das Jahr 2015, jenes Jahr, in dem "Die Flüchtlingskrise" das allesbeherrschende Thema ist.
Kittys Job: beurteilen, ob ein Kommentar auf den Seiten von AuftraggeberInnen freigeschaltet oder gelöscht werden soll. Gelöscht werden Kommentare, die nichts mit dem Thema zu tun haben, die rassistisch oder gewaltverherrlichend sind oder die Spendenaufrufe enthalten.
"Wir lesen hier den ganzen Kram, den Leute im Internet schreiben, damit es der Rest der Welt nicht tun muss!" erklärt ihr ihr neuer und sehr netter Chef.

Hasskommentare werden zunehmend im Netz verbreitet. Unter den Deckmantel der Meinungsfreiheit wird all das geschoben, was "ja mal gesagt werden muss". Falschinformationen kursieren, Gefühle werden erzeugt. Gerade die kleinen Mitteilungen, Tweeds, Posts, natürlich auch Fotos und Abbildungen appellieren an Emotionen, nicht an faktische Informationen. Der zunehmend auch von seriösen Medien benutzte Ausdruck "falsche Fakten" stellt alles auf den Kopf, was mal Fakten hieß: eine bewiesene und durch valide Quellen untermauerte korrekte Information.

Social Media, dessen Grundversprechen die Teilhabe möglichst aller Menschen war, verkehrt sich in Fluch und Segen. Es ist ein Raum, in dem jeder und jede rasant schnell Meinungen verbreiten kann und damit auch die Verantwortung trägt, wie was im öffentlichen Raum wahrgenommen wird. Gerade in Staaten, in denen eine Teilhabe kaum oder überhaupt nicht möglich ist, in denen es weder Presse- noch Meinungsfreiheit gibt, ist Social Media die einzige Möglichkeit, um über innerstaatliche Angelegenheiten zu informieren. Zum Fluch aber wird es beim Verbreiten von Stimmungen und Fake News.

Hier aber sitzen wir mit Kitty und ihren sympathischen KollegInnen – Wolf, der Löscher, Hase und Mo, die Unzertrennlichen und Agnieszka, Vogel und Todd – vor dem Bildschirm im Büro und lesen:
Unsere Gesellschaft wird mehr und mehr wie Claudia Roth. Die Entvolkungs Deutschlands ist im vollen Gange. Die Machtübernahme der Mullahs steht bevor.
Der Chef versucht sein Team bei Laune zu halten, denn wie belastend diese Arbeit ist, zeigt sich auch bei Kitty. Sie, die privat eher keine Kommentare liest, bekommt jetzt die geballte Dosis ab. Und die nimmt sie mit in ihr Privatleben. Während sie abends ihren Wein trinkt, gelingt es ihr nur schwer, abzuschalten und sich von den sexistischen, rassistischen und bedrohlichen Kommentaren zu distanzieren.

Kathrin Klingner selbst arbeitet seit 2013 nebenberuflich als Kommentar-Moderatorin und hat sicherlich eigene Eindrücke verarbeitet, auch wenn nicht alles autobiografisch ist, wie sie dem Deutschlandfunk Kultur verrät. Die Kommentare jedoch sind real – und das ist erschreckend. Im Interview mit comic.de berichtet sie von den eskalierenden Hasskommentaren 2015, die mit der "Flüchtlingskrise" begannen und sich mit den Übergriffen an Silvester in Köln steigerten. Sehr differenziert erzählt sie von denjenigen, die diese Botschaften schreiben und ihre Motivation. Da sind die Trolle, die provozieren und Grenzen überschreiten wollen, da sind aber auch die sehr aktiven AfD-SympathisantInnen, die eine hohe Präsenz im Netz haben.

Klingner zeichnet ihr Personal zurückhaltend und fantasievoll. Sie wollte vermeiden, dass die Figuren gleich nach Alter oder Herkunft eingeordnet werden könnten.

Herausgekommen ist ein Werk, dass sich zwar diesem schrecklichen Phänomen widmet, jedoch den Humor und Büroalltag nicht ausspart: da wird gefeiert, geflirtet, aber auch geklagt.

AVIVA-Tipp Mit Leichtigkeit und Humor erzeichnet Kathrin Klingner das Thema Hasskommentare in seinen ganzen Dimensionen, sowohl gesamt-gesellschaftlich als auch in den Auswirkungen auf diejenigen, die beruflich tagtäglich damit konfrontiert werden. Für Comic-Liebhaberinnen eine unbedingte Empfehlung.

Zur Autorin: Kathrin Klingner, geboren 1979 im Odenwald, studierte Kunst in Amsterdam und Illustration in Hamburg. Klingner unterrichtet Grafisches Erzählen an der HAW in Hamburg. Seit 2013 arbeitet sie nebenberuflich als Kommentar-Moderatorin. Ihr Comicdebüt "Katze hasst Welt" ist 2016 in einer ersten Auflage im MamiVerlag erschienen. Die leicht überarbeitete Neuauflage wird nun bei Reprodukt vorgelegt. Mit Über Spanien lacht die Sonne wurde sie 2018 Finalistin des Comic Buchpreises der Berthold Leibinger Stiftung. Kathrin Klingner lebt mit ihrer Familie in Hamburg.
Mehr zu Kathrin Klingner: www.instagram.com/katklingner

Kathrin Klingner
Über Spanien lacht die Sonne

reprodukt Verlag, erschienen im März 2020
128 S., Klappenbroschur
ISBN 978-3-95640-212-8
20,00 €
Mehr zum Buch: www.reprodukt.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Geschlechterdimension von Hate speech und digitaler Gewalt - der djb sieht Handlungsbedarf angesichts aktueller Anhörung zum NetzDG
Der deutsche Juristinnenbund (djb) übt Kritik an den nur langsam voranschreitenden Änderungen des NetzDGs, die am 15. Mai 2019 erneut diskutiert wurden. AVIVA-Berlin veröffentlicht die wesentlichen Kritikpunkte und Forderungen.

Kampagne #UNHATEWOMEN von TERRE DES FEMMES erzeugt weitere Hassrede gegen Frauen
Die Kampagne #UNHATEWOMEN ruft dazu auf, mit dem Hashtag #UNHATEWOMEN Gewalt gegen Frauen in Posts, Songs, Texten und Kommentaren, sichtbar zu machen .Seit dem Launch der Kampagne am 17. Februar 2020 hat TERRE DES FEMMES nicht Unterstützung bekommen. Rapper Finch Asozial drohte den UnterstützerInnen der Kampagne mit Gewalt und setzte ein Kopfgeld auf eine Unterstützerin aus. (2020)

Hass ist keine Meinung. Nicht mal im Internet
Unter diesem Motto launcht das #NoHateSpeech Movement seine Webseite mit einem Online-Flashmob gegen Hass im Netz am 22. Juli 2016. So will die Initiative langfristig Strukturen für aktives Engagement gegen Online-Hetze schaffen. (2016)

#NichtEgal - Initiative gegen Hass im Netz
Hasskommentare nehmen in den sozialen Netzwerken zu. Am 19. September 2016 startete Youtube eine bundesweite Kampagne, mit der sie die positiven und toleranten Stimmen im Netz verstärken und zeigen will, dass Hass im Netz #NichtEgal ist. (2016)





Literatur > Graphic Novels Beitrag vom 31.03.2020 Bärbel Gerdes 





  © AVIVA-Berlin 2020 
zum Seitenanfang   suche   sitemap   impressum   datenschutz   home   Seite weiterempfehlenSeite drucken