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AVIVA-BERLIN.de im November 2019 - Beitrag vom 24.09.2019


Nanna Johansson – Natürliche Schönheit
Saskia Balser

Die schwedische Comiczeichnerin und Radiomoderatorin Nanna Johansson untersucht und hinterfragt in ihrem ersten Comicband gängige Schönheitsideale und stellt mit ihren satirischen Zeichnungen deren Absurdität auf bissige und humorvolle Weise dar – "Natürliche Schönheit" ist ein kreativer Gegenentwurf zum klassischen Ratgeberbuch.



Die Comicbranche in Schweden boomt wie nie zuvor. In den letzten Jahrzehnten sind zahlreiche Comicbücher herausgebracht und übersetzt worden, insbesondere von Autorinnen und mit weiblichen Titelfiguren. Eine Entwicklung, die beispielsweise am großen kommerziellen Erfolg von Liv Strömquists Büchern "Der Ursprung der Welt", "Der Ursprung der Liebe" und "I´m every Woman" sowie Daria Bogdanskas "Von unten" deutlich wird. Nanna Johansson, ebenfalls in Schweden geboren und aufgewachsen, reiht sich jetzt ein in diese neue Frauen-Comic-Bewegung.

Anders als viele der Bücher ihrer Kolleginnen erzählt Johansson keine zusammenhängende Geschichte, sondern kreiert Comics, die meistens nur ein bis drei Seiten lang sind. Mit wenigen Worten und expliziten, karikaturistischen Zeichnungen erzeugt Johansson jedoch den gleichen Effekt bei ihren Leser*innen, denn die aussagekräftigen Comics sind ironisch, witzig, provokant und regen zum Nachdenken an.

"Äußerliche Schönheit – Tipps und Tricks"

In einem Kapitel ihres Buchs beschäftigt sich die Autorin mit dem ständigen Selbstoptimierungswahn, der besonders Menschen in westlichen Ländern, bestimmt. Die Sehnsucht nach einem "perfekten" Körper geht zu oft mit Depressionen und dem Gefühl, niemals gut genug zu sein, einher.
Unter dem Titel "Schlankheitsrezepte" listet Johansson beispielsweise eine "Leichte Wurzelgemüsesuppe" auf:
3-4 Kartoffeln
2-3 Karotten
1 Pastinake
"Wurzelgemüse schälen. Wurzelgemüse wegwerfen und die Schalen kochen. Die Schalen heraussieben und ebenfalls wegwerfen. Wasser weggießen. 20 Sit-ups machen."


Mit Texten wie diesen zeigt Johansson auf, wie absurd und gefährlich die zahlreichen Diättipps und Schlankheitsideale sind, die beispielsweise durch Zeitschriften und Magazine sowie durch soziale Plattformen wie "Instagram" vor allem bei jungen Mädchen und Frauen gefördert werden.

Verkehrte Welt: Strömquist und Johansson gegen die Heteronormativität

Johanssons Comics knüpfen mit ihrem schnörkellosen, unprätentiösen Design und den gesellschaftskritischen, feministischen Inhalten an die ihrer Kollegin Liv Strömquist an. Gemeinsam mit ihr produziert sie auch unter anderem den Podcast "Lilla drevet". In Strömquists erster Graphic Novel "Der Ursprung der Welt" zeichnet sie in ihrer "Szene aus einem Matriarchat" eine Runde von Männern, die sich über den Sex mit ihren Freundinnen unterhalten. Dabei hat Strömquist tradierte Geschlechterrollen umgekehrt, sodass die Aussagen der Männer verquer klingen. Beispielsweise: "Meine Freundin ist so super süß! Wenn sie selbst schon gekommen ist, macht sie noch super lange weiter, bis ich auch komme." Oder "Ich fühle mich, als ob ich ihretwegen kommen muss – damit sie sich nicht unweiblich fühlt." Mit solchen "verkehrten" Sätzen macht Strömquist darauf aufmerksam, wie sehr sich Heterosex oft nur auf das männliche Bedürfnis konzentriert, was sinnbildlich für die gesamte Ungleichstellung der Geschlechter steht.

Ein Comic namens "Ein Gespräch, das so nie stattgefunden hat" von Nanna Johansson funktioniert nach einem ähnlichen Schema. Zwei Männer unterhalten sich darüber, wie sehr es sie stört, dass sie beim Online-Dating ständig von fremden Frauen Intimbilder geschickt bekommen: "Meine ganze Inbox quillt über vor lauter Muschibildern. Beim nächsten Klitoris-Close-up, das ich geschickt bekomme, lösche ich meinen Account wirklich." Johansson übt offen Kritik an den sogenannten "Dick Pics", die Männer vor allem über Plattformen wie "Snapchat" unaufgefordert an Frauen verschicken. Diese Form der sexuellen Belästigung wird nach wie vor toleriert, obwohl sie gemäß § 184 des Strafgesetzbuches (StGB, Verbreitung pornografischer Schriften) mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe bestraft werden kann. Darauf, dass dieses Problem stark einseitig auftaucht und nur in einer patriarchalen Gesellschaft denkbar ist, macht Johansson aufmerksam.

AVIVA-Tipp: Selbstliebe statt Selbstoptimierung – dafür plädiert Johansson in ihrem witzigen und gleichzeitig kritischen ersten Comicband. Die Zeichnungen sind clever und einprägsam, Leser*innen werden diesen feministischen "Ratgeber" ihren Freund*innen ausleihen und gemeinsam darüber lachen und diskutieren wollen.

Zur Autorin & Illustratorin: Nanna Johansson, geboren am 26. Januar 1986 in Gävle, Schweden, ist Comiczeichnerin und Radiomoderatorin. Johansson lebt in Malmö, wo sie 2007-2009 an der Serierskolan studierte. Ihre satirischen Arbeiten werden in Zeitungen und Magazinen veröffentlicht. Zudem produziert sie unter anderem mit Liv Strömquist, Jonatan Unge, Moa Lundqvist und Ola Söderholm Podcasts für "Aftonbladet Kultur".
(Quelle: Verlagsinformation)

Nanna Johansson in den Sozialen Netzwerken: www.twitter.com
www.instagram.de

Nanna Johansson
Natürliche Schönheit

Übersetzung aus dem Schwedischen: Katharina Erben
Verlag: avant-verlag, erschienen September 2019
Softcover, 152 Seiten, vierfarbig. Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-96445-022-7
Euro 20,00
Mehr Infos zum Buch unter: www.avant-verlag.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Liv Strömquist - I´m every woman
In ihrem neuesten feministischen Comic verhandelt die schwedische Politikwissenschaftlerin, Comiczeichnerin und Radiomoderatorin Liv Strömquist eine Vielzahl von gesellschaftsrelevanten Themen. Im Fokus stehen dabei all jene Frauen, die Zeit ihres Lebens im Schatten ihrer berühmten Partner standen: Mit bewegenden Ausschnitten der Biografien von unter anderem Jenny Marx, Priscilla Presley und Yoko Ono dekonstruiert Strömquist in diesem Buch den Mythos des "männlichen Genies." (2019)

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Drei Jahrzehnte nach der Frauenbewegung lastet der Schönheitszwang auf Frauen stärker als je zuvor. Die Autorin analysiert das Konzept der Schönheit und plädiert für eine ´gelassene Weiblichkeit´! (2008)

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Literatur > Graphic Novels Beitrag vom 24.09.2019 AVIVA-Redaktion 





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