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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2021 - Beitrag vom 27.01.2006


Bambiland
Karin Effing

Karl Bruckmaier versetzt den Text der Literatur-Nobelpreisträgerin 2004, Elfriede Jelinek, in akustische Schwingungen. Die Stimmen werden von der Band "Freiwillige Selbstkontrolle" unterstützt.




"Ich weiß nicht ich weiß nicht. Setzen Sie sich so abgebundene Strumpfkalotten auf die Köpfe, wie mein Papa sie immer zu seinen alten Arbeitsmänteln am Bau von unserem Einfamilienhäuschen getragen hat. Etwas Hässlicheres hab ich nie gesehen. Ich weiß nicht, welche Strafe für welche Schuld Sie bekommen sollen, dass sie so etwas Hässliches aufsetzen müssen. Strumpf abschneiden, oben zubinden, dass so eine Art Bommel übrig bleibt, und dann auf den Kopf setzen. Das ist alles.
Meinen Dank an Aischylos und die "Perser", übersetzt von Oskar Werner. Von mir aus können Sie auch noch eine Prise Nietzsche nehmen. Der Rest ist aber auch nicht von mir. Er ist nicht von schlechten Eltern. Er ist von den Medien."

Elfriede Jelinek selbst leitet mit diesen Worten das Stimmenspektakel ein, bei dem Karl Bruckmaier, wie schon bei dem Hörspiel "Jackie", Regie führte.
Bewusst setzt er die Sprache in den Mittelpunkt des Hörgeschehens und hat den Text auf verschiedene Stimmen, die in Dialog treten, verteilt. So ist ein Sprach- und Bedeutungsteppich entstanden, der immer wieder von den musikalischen Einlagen der Band "Freiwillige Selbstkontrolle" unterbrochen wird. Wie gewohnt seziert die österreichische Autorin die Sprache selbst auf ihre innewohnenden Bedeutungen hin. In "Bambiland" steht dabei die Medien- und Militärkritik der Berichterstattung während des Irakkrieges im Mittelpunkt. Sie montiert CNN-Berichte, Stammtischdiskussionen und das Drama "Die Perser" von Aischylos zu einer bitterbösen, humorigen und scharfsinnigen Analyse und zeigt die sprachliche Nähe von Unsinn, Poesie und Gewalt auf.

Regisseur Karl Bruckmaier über "Bambiland" und seine Autorin:
"Der Champion, die Preisträgerin legt nach der Nobelitierung kein Großwerk vor, liefert nichts Standbildhaftes ab, ist nicht staatstragend - die Gefahr war eh immer gering - und auch nicht salbungsvoll, sondern hin und her gerissen wie wir alle, ob wir davon wissen oder nicht: Wir sind Bambi."

Zur Autorin:
Elfriede Jelinek
, am 20. Oktober 1946 in Mürzzuschlag (Steiermark) geboren, studierte Kunstgeschichte, Theaterwissenschaft und Musik (Klavier und Komposition am Konservatorium) in Wien. Nach Aufenthalten in Berlin 1972 und Rom 1973 lebt sie heute vorwiegend in Wien, München und Paris. Zu den zahlreichen Literaturpreisen mit denen sie geehrt wurde, gehören der Georg-Büchner-Preis (1998), der Heinrich-Heine-Preis 2002, sowie 2004 der Nobelpreis für Literatur.

AVIVA-Tipp: Das Hörbuch "Bambiland" in der Regie von Karl Bruckmaier versetzt den sprachvirtuosen Text Jelineks in Schwingungen. Die Leserin hat nicht nur ein feines Booklet in der Hand, sondern auch die Möglichkeit, sich auditiv dem fesselnden Sprachwerk der großartigen Autorin zu widmen und neue Aspekte der Jelinekschen Sprachgewalt zu erkunden.


Bambiland
Elfriede Jelinek

3 CDs, Laufzeit 164 Minuten, VÖ 20.01.2005
Regie: Karl Bruckmaier
Stimmen: Elfriede Jelinek, Marion Breckwoldt,
Lukas Resetarits, Ilja Richter, Helmut Stange
Musik: Freiwillige Selbstkontrolle
LC 10859 Strunz!
Intermedium rec.
ISBN: 3-934847-56-01
EAN: 9783934847569
24,90 Euro


Literatur

Beitrag vom 27.01.2006

AVIVA-Redaktion 






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