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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2021 - Beitrag vom 17.05.2009


Catherine O`Flynn - Was mit Kate geschah
Silvy Pommerenke

Nachdem die Autorin über zwanzig Absagen für ihr Romandebut erhielt, fand sie letztendlich doch noch einen Verlag und wurde schließlich beim Costa Book Award mit dem First Novel Prize ausgezeichnet.




Was die zwanzig Agenturen und Verlage davon abgehalten haben könnte "What was lost", so der Originaltitel des Romans, zu publizieren, lag womöglich an dem sehr durchkonstruierten Plot, der sich aufgrund der verwickelten und auf verschiedenen Ebenen zusammenhängenden Geschichte(n) nicht auf Anhieb der LeserIn erschließt.

Der Debutroman der Engländerin handelt auf zwei Zeitebenen und vermittelt dadurch, wie sehr Menschen und Orte von der Vergangenheit beeinflusst werden und dass sich auch noch Jahrzehnte später die "Gespenster" der Kindheit in der Gegenwart auswirken. Gespenster trifft denn auch den Kern der Sache, denn man könnte den Roman bestehend aus einem Zitat aus drei Worten zusammenfassen: Geister – Geheimnisse – Kate. Kate ist ein zehnjähriges Mädchen, das 1984 nach dem Tod ihres alleinerziehenden Vaters zu ihrer Großmutter zieht. Viel Liebe hat die Oma nicht übrig für ihre Enkelin, sieht das Ganze eher von der pragmatischen Seite und Kate verarbeitet das Trauma des viel zu früh verlorenen Vaters, indem sie sich in eine Phantasiewelt flüchtet. Sie gründet eine Detektei, deren einziger "Mitarbeiter" ihr Stoffaffe Mickey ist. Von nun an verfolgt sie scheinbar verdächtige Personen, wittert hinter allem und jedem eine kriminelle Energie und führt akribisch Buch über ihre Bespitzelungen. Für Schule und FreundInnen bleibt da wenig Zeit, und als sie eines Tages spurlos verschwindet, fällt der Verdacht auf Adrian, einen 22-jährigen Mann, der ihr einziger Freund war. Er wurde als letztes mit Kate zusammen gesehen, als er sie zur Aufnahmeprüfung des Redspoon-Internats begleitete ...

2003, neunzehn Jahre später ist der Fall Kate längst zu den Akten gelegt worden, aufgeklärt wurde er nie. Das große Shopping-Center Green Oaks, dass zur Zeit von Kates Verschwinden gerade neu gebaut wurde, ist Dreh- und Angelpunkt des weiteren Verlaufs, und Kurt, Wachmann in selbigem, läuft ein Schauer über den Rücken, als er eines Nachts die kleine Kate samt ihrem Stoffaffen auf dem Monitor seiner Überwachungskamera erkennt. Es beginnt eine spannende Suche nach dem verschwundenen Mädchen und wie sich herausstellt, hat jede der Figuren eine Verbindung zu Kate und/oder zur Shoppingmall. Hier fängt es für die LeserIn allerdings an, kompliziert zu werden, und der Roman erfordert ein genaues Hinsehen, denn sonst verlieren sich wichtige Details, die für das Verständnis des Buches bedeutsam sind. Letztendlich führt die Spur zu einer völlig unscheinbaren Nebenfigur, die innerhalb des Romans ein eher unsichtbares Dasein fristete.

Die Unsichtbarkeit ist eines der Haupt-Themen von "Was mit Kate geschah". Es geht um die unsichtbaren Verbindungen von Menschen zueinander, von Verlust und Einsamkeit, von Konsum und Armut. Catherine O`Flynn zeichnet ein deprimierendes Abbild unserer Gesellschaft nach, dass nur wenig von Liebe und Geborgenheit gekennzeichnet ist, sondern sich durch Hass, Verständnislosigkeit und emotionale Verarmung auszeichnet. Ein wenig deprimierend ist der Nachgeschmack dieses extrem durchkonstruierten Romans, für den die Autorin u.a. 2008 in London beim Costa Book Award mit dem First Novel Prize ausgezeichnet, und der mittlerweile in 24 Sprachen übersetzt wurde.

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Zur Autorin: Catherine O`Flynn, geboren 1970 in Birmingham, arbeitete u.a. im Plattenladen, bei der Post, als Lehrerin und als Testkäuferin, bevor sie ihren ersten Roman schrieb. Nach zunächst über zwanzig Ablehnungen von Agenturen und Verlagen gewann sie mit Was mit Kate geschah auf Anhieb den First Novel Prize beim Costa Book Award 2008 und andere wichtige Literaturpreise; ihr Buch wurde in 24 Sprachen übersetzt. Nach einigen Jahren in Barcelona lebt Catherine O`Flynn wieder in Birmingham. (Quelle: Verlagsinformationen)

AVIVA-Tipp: Spätestens beim zweiten Lesen erschließt sich die volle Bandbreite dieses stellenweise bedrückenden Romans, der eine Mixtur aus Phantasy, Thriller, Krimi und psychologischem Roman ist. Die Themen von Einsamkeit, Verlust und Schmerz werden von der Autorin in einer sachlich-nüchternen Sprache beschrieben, die nicht passender hätte ausgewählt werden können. Allerdings braucht man wirklich Muße für diese 270 Seiten, und ein wenig Geduld, um den bisweilen sehr gestörten Figuren in ihre eigene Welt zu folgen.

Catherine O`Flynn
Was mit Kate geschah

Aus dem Englischen von Cornelia Holfelder-von der Tann
Verlag: Atrium-Verlag, März 2009
Gebunden, 270 Seiten
ISBN: 978-3855355808
19,90 Euro


Literatur

Beitrag vom 17.05.2009

Silvy Pommerenke 






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