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AVIVA-BERLIN.de im November 2021 - Beitrag vom 07.05.2014


Caroline Gille, Niels Schröder - I got rhythm. Das Leben der Jazzlegende Coco Schumann
Judith Kessler

"Unglaublich böse und entsetzlich schön". Coco Schumann, einer der wichtigsten deutschen Jazz- und Swinggitarristen, feiert am 14. Mai 2014 seinen 90. Geburtstag. Die AutorInnen haben ihm eine...




... Graphic Novel gewidmet, die das Überleben des Berufsoptimisten Schumann in Theresienstadt und Auschwitz und die Anfänge seiner bewegten Musikerkarriere erzählt.

"Unglaublich böse, aber auch entsetzlich schön", habe sich ihm das Leben gezeigt, sagt Coco (eigentlich Heinz) Schumann, der als Sohn einer Jüdin und eines zum Judentum konvertierten Christen seine Kindheit in der Weimarer Republik am Rosenthaler Platz und rund um die Schönhauser Allee verbracht hat.

Komprimiert in aussagekräftigen Episoden und Schlaglichtern erzählt die Graphic Novel auf 160 Seiten das Leben des jungen Mannes nach, nicht ohne Informationen mitzuliefern, die Schumanns individuelle Erinnerungen in den historischen Kontext betten.

Als "Mampe" (Halbjude) muss er in die Jüdische Reformschule wechseln, er boxt bei "Bar Kochba", spielt mit der illegalen Swing-Jugend in der "Rosita-Bar" oder in der "Rosendiele" und wird 1943 denunziert, weil er den "Judenstern nicht getragen, verbotene Musik gespielt und arische Frauen verführt" habe. Sein Vater, EK-I-Träger, kann seine Deportation nach Auschwitz verhindern und Coco kommt zunächst "nur" in das vermeintliche Privilegierten-KZ Theresienstadt, wo er sich als Schlagzeuger bei den "Ghetto-Swingers" betätigt. Hier trifft er seine Großeltern wieder, die kurz darauf nach Auschwitz weiterdeportiert und dort ermordet werden. Letztlich wird auch er nach Auschwitz geschickt. Das Versprechen der Nazis, die Mitwirkenden im Propagandafilm "Der Führer schenkt den Juden ein Stadt" freizulassen, ist natürlich eine Farce. Doch Cocos Schutzengel begleitet ihn auch hier. Er wird in die gerade gegründete Lagerkapelle aufgenommen, die unter anderem bei Gelagen der SS aufspielen muss, aber auch, wenn die Arbeitskolonnen und die zum Tod im Gas Bestimmten hinausmarschieren. Anfang 1945, die Rote Armee nähert sich, wird er in das Außenlager Kaufering bei Dachau geschickt, genannt das "Kalte Krematorium", weil hier so viele an Hunger, Kälte, Typhus und der Fronarbeit sterben. Ende April muss Coco auf den Todesmarsch Richtung Innsbruck. Bei Wolfratshausen wird er am 30. April von den Amerikanern befreit.... Noch im Sommer meldet er sich bei der Jüdischen Gemeinde in Berlin an, und er lernt Gertraud Goldschmidt kennen, ebenfalls eine Theresienstadt-Überlebende, mit der über 60 Jahre lang gemeinsam durchs Leben gehen wird.

Die Bildgeschichte reißt auch Schumanns weiteren Weg an, die Auftritte mit Marlene Dietrich im zerstörten Berlin, die Auswanderung nach Australien 1950, die Rückkehr nach Berlin 1954, die Gründung seines bis heute aktiven Coco Schumann Quartetts, die Filme, die über ihn gedreht werden und seinen ersten Besuch in Auschwitz seit 1945...
"Und er spielt weiter... lautet der letzte Satz des Buchs. Denn "die Musik kann alles heilen", sagt Coco noch heute, "sie hat mich gerettet" und »Ich bin Musiker. Ein Musiker, der im KZ gesessen hat, kein KZler, der Musik macht.«

AVIVA-Tipp: Caroline Gille und Niels Schröder ist mit "I got rhythm. Das Leben der Jazzlegende Coco Schumann" ein bemerkenswertes Buch gelungen, das nicht nur ComicfreundInnen erfreuen wird, sondern vor allem für Jugendliche (aber nicht für sie) Geschichte und Dilemmas hautnah und plastisch nachvollziehbar macht und das einen große Musiker und Menschen ehrt.

Zu den AutorInnen:

Caroline Gille
, geboren 1970, Studium der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft, Neueren deutschen Literatur und Philosophie in Berlin und Paris, von 1996 bis 2001 am Goethe-Nationalmuseum Weimar/Stiftung Weimarer Klassik, seit 2001 bei der Stiftung Schloss Neuhardenberg, Neuhardenberg und Berlin, tätig.

Niels Schröder, geboren 1970, Studium der Visuellen Kommunikation / Grafik-Design in Hamburg, Bremen und Berlin (Meisterschüler), seit 1996 freiberuflicher Illustrator für Zeitungen, Verlage, Unternehmen, 2004/2005 Professur in Vertretung an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein.

Caroline Gille, Niels Schröder
I got rhythm. Das Leben der Jazzlegende Coco Schumann

Bebraverlag, erschienen 2014
Paperback, 160 Seiten
ISBN 978-3-89809-111-4
19,95 Euro
www.bebraverlag.de








Literatur

Beitrag vom 07.05.2014

AVIVA-Redaktion 






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