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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2021 - Beitrag vom 24.02.2014


Dorothy Iannone - This Sweetness Outside of Time. Retrospektive der Gemälde, Objekte, Bücher und Filme 1959-2014
Sharon Adler

Bis zum 2. Juni 2014 zeigte die Berlinische Galerie die Arbeiten der Ausnahmekünstlerin. Der Katalog vertieft in Text-Beiträgen, Statements und Abbildungen den Blick Iannones auf Sexualität, ...




... die Kunst, die Liebe, aber auch (Selbst-)Zensur im Kunstbetrieb. Dorothy Iannone, die mit unterschiedlichsten Materialien und Mitteln experimentierte und niemals eine Akademie von innen gesehen hat, steht als Künstlerin und als Frau vor allem für den Kampf gegen Zensur, für freie Liebe und weibliche Sexualität.



Die 1933 als Tochter der Künstlerin Sarah Pucci in Boston geborene US-Amerikanerin Dorothy Iannone hat zu einer Zeit angefangen, Gegenwartskunst zu machen, als es vor allem darum ging, die minimalistische Geste zu kultivieren. Anregen und inspirieren ließ sich die Malerin, Grafikerin, Objekt- und Videokünstlerin von verschiedenen Kulturen, darunter traditioneller japanischer Papierkunst, orientalischen Elementen und der Malerei der New York School. Die praktizierende Buddhistin stellt in ihren sowohl reduzierten, als auch überbordend ornamental angelegten Arbeiten – Gemälde, Bilderzählungen, Texte, Videos, autobiografisches Schreiben und Bücher - Sexualität und Erotik prominent in den Fokus, nimmt ihre Figuren stets als geschlechtliche Wesen wahr.

"Um 1966 stellte ich hunderte von ausgeschnittenen Holzfiguren von allen möglichen Persönlichkeiten her, die mir einfielen: wirkliche Menschen, mythologische Figuren, erfundene Personen und immer zeigte ich ihre Geschlechtsteile auch wenn sie vollständig bekleidet waren." (Dorothy Iannone im Gespräch mit Massimiliano Gioni, "Foxy Lady. Leben und Worte von Dorothy Iannone)



Ihre Darstellungen von übergroßen Genitalien galten als obszön und wurden zensiert, auch von FreundInnen, die im Vorfeld einer gemeinsamen Ausstellung erklärten: "Your work will cause trouble. You will have to put fig leaves." Diese Geschehnisse verarbeitete Iannone in ihrer grafischen Schwarz-Weiß-Bildgeschichte "The Story of Bern" (1970), die in einer Auflage von 500 Stück erschien.

Die Autodidaktin Dorothy Iannone kam 1976 als DAAD-Studentin nach Berlin, wo sie heute noch lebt. In den Off-Spaces war sie präsent, doch die großen Häuser interessierten sich nicht für sie, auch in von Frauen initiierten bzw. kuratierten Ausstellungen wurde sie nicht berücksichtigt. Ebenso wurde ihr Werk nur isoliert betrachtet, nie jedoch ausführlich und im Kontext seiner Gesamtheit.



Der Berlinischen Galerie und dem Kerber Verlag ist es nun zu verdanken, dass dieser faszinierenden Künstlerin die (öffentliche) Würdigung zukommt, die sie verdient. Buch und Retrospektive zeigen anhand von rund 200 Abbildungen einen detaillierten Abriss zum Gesamtwerk (Malerei, Arbeiten auf Papier, Grafiken, Objekte, Multiples) von Dorothy Iannone und stellen erstmalig auch die ersten, abstrakten Werke der 1960er Jahre vor. Doch Buch und Retrospektive liefern nicht nur visuelle Inspirationen: Die Beiträge verschiedener AutorInnen (darunter der Kuratorin Annelie Lütgens) und Statements von WeggefährtInnen und FreundInnen, setzen sich intensiv mit der Philosophie dieser malenden Dichterin auseinander, etwa dem Verhältnis von Schrift und Bild, ihrem Kampf gegen die Zensur oder der künstlerischen Verknüpfung con Sprache, Gesang und Text. Eine Biographie der Künstlerin in Text und Bild, Werkliste, Ausstellungsverzeichnis und Bibliographie sowie Kurzbiographien der AutorInnen runden die Werkschau ab.

AVIVA-Tipp: Es wäre vermessen, das Werk von Dorothy Iannone im Rahmen einer einzelnen Rezension zusammenfassen zu wollen, denn es lässt sich, ebenso wie die Künstlerin selbst, nicht kategorisieren oder einordnen. Es bleibt, sie und die Facetten ihres Oeuvres (neu) zu entdecken und so geht diese Empfehlung an alle LeserInnen, eben dies zu tun – durch den Besuch der Ausstellung und das Studieren des Katalogs.



Ausstellung: "Dorothy Iannone - This Sweetness Outside of Time. Retrospektive der Gemälde, Objekte, Bücher und Filme 1959-2014"
21.02.-02.06.2014
Veranstaltungsort: Berlinische Galerie
Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur
Alte Jakobstraße 124-128
10969 Berlin
www.berlinischegalerie.de

Dorothy Iannone - This Sweetness Outside of Time
Herausgegeben von
Berlinische Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur
AutorInnen: Jan-Frederik Bandel, Michael Glasmeier, Annelie Lütgens, Susanne Rennert, Trinie Dalton
Gestaltung: Uta Grundmann, Berlin
23,00 × 27,00 cm, 184 Seiten, 205 farbige und 55 s/w Abbildungen, Klappenbroschur, gebunden
Deutsch
ISBN 978-3-86678-923-4
38,00 Euro (49,40 CHF)
www.kerberverlag.com

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Copyright Fotos: Sharon Adler




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Beitrag vom 24.02.2014

Sharon Adler 






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