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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2021 - Beitrag vom 18.12.2007


Alleinflug – Mein Leben. Elly Beinhorn
Anna Tremper

Die erste Frau, die um die Welt flog, erzählt von den schwierigen Etappen ihrer Flugreisen und auch von denen ihres Lebens. Eine mitreißende Autobiographie über eine Frau und ihre Leidenschaft.




1928 bekam Ellys Leben in der hannoverschen Stadthalle eine neue Richtung. Hermann Köhl hielt dort einen Vortrag. Er war gerade mit der "Bremen" über den Ozean geflogen und berichtete an besagtem Abend von diesem gefährlichen Unterfangen. Elly Beinhorn war unter den ZuhörerInnen und wurde von seiner Rede inspiriert. Am folgenden Morgen suchte sie den hannoverschen Aeroklub auf, um mit dem Fliegen zu beginnen.

Die Worte des Präsidenten des Aeroklubs "Es gibt in Deutschland keine beruflichen Möglichkeiten für eine Fliegerin" konnten sie nicht abschrecken und sie verfolgte weiter ihr neu entdecktes Ziel. Auch als ihr Vater sie für verrückt erklärte und Elly zu einem Nervenarzt schicken wollte hielt sie weiterhin an ihrem Traum vom Fliegen fest und saß schließlich am 2. November 1928 zum ersten Mal in einem Flugzeug.

Die große Reise beginnt
Sie machte ihren Flugschein A – doch es sollte noch einige Zeit vergehen, bis sie die Möglichkeit bekam, lange Strecken abzufliegen. Zunächst erhielt sie als Frau keine Anstellung und musste erst einmal auf den Kunstflug ausweichen.
Eines Tages war es dann doch so weit, sie bekommt einen Flugauftrag. Sie soll den Frack eines Großindustriellen nach Rom fliegen. Ein recht eigenartiger Auftrag, aber immerhin ein Auftrag. Doch bei dem Flug treten einige Komplikationen auf und so endet das ganze Unterfangen mit einer Anekdote über einen verhinderten Frack und einen deswegen gar nicht mal enttäuschten Industriellen.

1500 Kilometer nach Rom waren zwar noch nicht die Welt, aber ein Anfang war gemacht. Durch ihre Tätigkeit als Kunstfliegerin bekam sie nun auch Aufträge als Reklamefliegerin und konnte so Geld für ihre Langstreckenprojekte sammeln.
Der von ihr erträumte Flug nach Afrika wurde schließlich Wirklichkeit und der Rückflug ein wirklicher Albtraum. Sah es zunächst noch so aus, als würde sie gar nicht erst über die Sahara fliegen dürfen, verbrachte sie dann doch viel mehr Zeit in diesen heißen Gefilden, als ihr lieb war. Nach einem Absturz lebte sie einige Zeit im Busch ehe sie wieder in die nächste Stadt gelangte und von dort, wegen ihres schlechten gesundheitlichen Zustandes mit dem Flugzeug wieder abgeholt wurde.

Während ihres unfreiwilligen Zwischenstopps in der Wüste füllten Artikel zu ihrem Verschwinden die Zeitungen und nach ihrer Ankunft gab es viele Berichte über ihre abenteuerliche Reise. 1935 lernte Elly Beinhorn den Rennfahrer Bernd Rosemeyer kennen. 1936 heiraten sie. Der Rennfahrer machte ihr einen sehr eigenen Antrag und ähnlich eigen war auch die etwas später folgende Hochzeitsreise. Bernd fuhr weiter seine Rennen und Elly schickte sich an, drei Kontinente an einem Tag zu überfliegen. Ihr Eheglück war nur von kurzer Dauer, denn nur zwei Monate nach der Geburt ihres Sohnes verunglückte Bernd 1938 auf der Autobahn bei Darmstadt bei einem Rekordversuch von mehr als 430 Kilometern pro Stunde tödlich.

Elly Beinhorns "Alleinflug" ist ein einziges großes Abenteuer. In ihrem Buch berichtet sie in 34 Kapiteln von so außergewöhnlichen Ereignissen, wie einer Notlandung am Persischen Golf oder einem Treffen mit dem König von Siam. Viele Etappen werden durch Fotos illustriert. Auch von ihrer viel zu kurzen Zeit mit ihrer großen Liebe Bernd Rosemeyer schreibt sie. Es hätten sicherlich noch mehr Kapitel werden können bei diesem spektakulären Leben einer spektakulären Frau.

Zur Autorin:
"Rekorde müssen sein wegen der ganzen Weiterentwicklung, zur Anregung für die Industrie, um für die Verkehrsfliegerei die Reklametrommel zu rühren. Aber mich interessiert das nicht. Ich möchte die Wunder der Welt erleben."
Danach lebte, die am 30. Mai 1907 in Hannover geborene Elly Beinhorn. Sie machte mit zwanzig Jahren ihren PilotInnenschein und startete bereits mit 23 Jahren zu ihrem ersten Flug nach Afrika. Im Jahre 1932 gelang ihr erstmalig die Umrundung der Erde im Alleinflug und sie schaffte es während dieser Reise, mit ihrer einmotorigen Maschine den Himalaya zu überfliegen. Für diese sportfliegerische Leistung wurde sie in Berlin mit dem Hindenburg-Pokal ausgezeichnet und erhielt 10.000 Reichsmark. Sie stellte in den 1930ern mehrere Langstreckenrekorde auf. Anders als ihre Flieger-Kollegin Hanna Reitsch, die dem "Dritten Reich" diente, kollaborierte Elly Beinhorn nicht offen mit Hitler-Deutschland, distanzierte sich aber auch später nicht: "Von Politik habe ich noch nie viel verstanden". Ihr Schulleiter Robert von Greim war der von Hitler ernannte, spätere Oberbefehlshaber der Luftwaffe. 1991 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Erst im Alter von 72 Jahren gab sie ihren PilotInnenschein wieder ab, nach 5.500 meist allein geflogenen Flugstunden. Neben ihrer Fliegerinnenkarriere war Elly als Reporterin unterwegs und verfasste zahlreiche Bücher und Hörspiele ("Mein Mann, der Rennfahrer. Der Lebensweg des Bernd Rosemeyer" und "Ein Mädchen fliegt um die Welt"). Am 30. Mai 2007 feierte Elly Beinhorn ihren 100. Geburtstag. Sie starb wenige Monate später, am 28. November 2007, in Ottobrunn.

AVIVA-Tipp: Elly Beinhorn berichtet authentisch aus ihrem ereignisreichen Leben. Viele kleinere und größere Katastrophen sind ihr auf ihren unzähligen Flugkilometern widerfahren: Notlandungen und andere Widrigkeiten waren bei ihren Reisen keine Seltenheit. Doch durch einen sehr pflichtbewussten Schutzengel an ihrer Seite und aus eigener Kraft kommt Elly immer wieder mit einem blauen Auge davon. Viele Fotos aus ihrer Fliegerinnenzeit machen den Einblick in ihr Leben noch persönlicher. Eine spannende Biographie, die einem Abenteuerroman gleicht und von einer willensstarken Frau erzählt.



Alleinflug – Mein Leben
Elly Beinhorn

Herbig Verlag, erschienen April 2007
382 Seiten mit 101 Fotos / Hardcover
ISBN 978-3-7766-2522-6
19,90 Euro


Literatur

Beitrag vom 18.12.2007

AVIVA-Redaktion 






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