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AVIVA-BERLIN.de im November 2021 - Beitrag vom 13.05.2008


Barbara Knödler – Der Geruch des Meeres
Silvy Pommerenke

Die vielgereiste 74-jährige Protagonistin will endlich sesshaft werden – ihr schwebt eine Alters-WG in einer großräumigen Wohnanlage vor. Bevor sie jedoch den geeigneten Platz...




...für die Umsetzung ihrer Idee sucht und findet, macht sie einen Zwischenstopp in Paris und trifft überraschend auf die 25-jährige Kunststudentin Léa, die das Herz der alten Frau im Sturm erobert.

Barbara Knödler hat sich keine leichte Aufgabe gestellt, denn sie versucht die vierzig Jahre zwischen sich und ihrer Protagonistin zu überwinden und glaubwürdig die Figur einer knapp Achtzigjährigen aufzuzeichnen. Bisweilen gelingt ihr dies, vor allem durch die intensive Beschäftigung mit dem Alterungsprozess und den geschilderten "Wehwehchen" und Krankheiten - zwangsläufige Begleiterscheinungen des Alters. Manches Mal allerdings schimmert die Ahnungslosigkeit der Mittdreißigerin durch die Zeilen hindurch, aber wer will es ihr verübeln, weiß doch niemand in jungen Jahren, wie sich jede/r einzelne von uns im Herbst unseres Lebens fühlen wird.

Trotz allem ist es bemerkenswert, dass sich Knödler einer alternden Protagonistin annimmt und dieses in der Literatur viel zu selten behandelte Thema aufgreift. Dabei belässt sie es aber nicht, sondern beleuchtet ein weiteres in der Gesellschaft bestehendes Tabuthema, nämlich das von der Liebe zweier Frauen, die nahezu fünfzig Jahre trennen. Die eine könnte die Großmutter der anderen sein und fühlt sich selbst von ihren Gefühlen überrumpelt. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Für die jüngere scheinen diese Fragen weniger moralisch besetzt zu sein und nachdem sich beide Frauen behutsam angenähert haben, werden sie tatsächlich ein Liebespaar.

Dieser Plot ist aber nur ein Teil der gesamten Geschichte, denn die namenlose "alte Frau" - der Profession nach Fotografin und Schriftstellerin -, schlägt sich mit ihren verflossenen Liebsten herum, die sie bis zum heutigen Tag emotional begleiten, pflegt ihren knapp zehn Jahre älteren Freund Jean auf seinem Sterbebett und sinniert über ein Wohnprojekt nach, in dem sie mit Gleichgesinnten den Rest ihres Lebens verbringen möchte.

In weiträumig gestalteten inneren Monologen lässt Knödler die Leserin an den inneren Konflikten ihrer alten Frau teilhaben, die ein Szenario aufzeichnen, wie sich das Alter eventuell gestalten könnte. Dabei sind zwar die radikal-feministischen Gedankengänge der 74-Jährigen manchmal etwas störend, diese werden jedoch immer wieder von den warmherzigen Beschreibungen fremder Länder und Kulturen aufgehoben, so dass vor allem eines am Ende der Lektüre zurückbleibt: Keine Angst vorm Alter(n)!

Weiterlesen: Traude Bührmann "faltenweise - Lesben und Alter" und Kirsten Plötz "Lesbische ALTERnativen: Alltagsleben, Erwartungen, Wünsche"

AVIVA-Tipp: Barbara Knödler zeichnet ein Abbild des Alterns, mit all seinen positiven und negativen Eigenschaften. Dadurch, dass sich die Protagonistin in eine fünfzig Jahre jüngere Frau verliebt, bekommt das Thema eine noch stärkere Brisanz und regt in vielen Punkten zum Nachdenken an. Gleichzeitig wird dadurch aber auch deutlich, dass Vorurteile vor allem in unseren Köpfen entstehen. "Der Geruch des Meeres" ist quasi ein Mutmachbuch.

Zur Autorin: Barbara Knödler, geboren 1975 bei Tübingen. Aktivistin und Volontärin zur See bei einer Umweltschutzorganisation. Studium der Sozialarbeit in Frankfurt. Nach dem Studium Arbeit als Matrosin. Schiffseinsätze in Atlantik, Pazifik, Arktis, Amazonas und Antarktika. Derzeit Ausbildung zur Tierheilpraktikerin. "Der Geruch des Meeres" ist ihr erster Roman. (Quelle: Verlagsinformationen)

Barbara Knödler
Der Geruch des Meeres

Querverlag, erschienen März 2008
Broschiert, 184 Seiten
ISBN: 9783896561534
14,90 Euro


Literatur

Beitrag vom 13.05.2008

Silvy Pommerenke 






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