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AVIVA-BERLIN.de im November 2020 - Beitrag vom 31.08.2020


Uferfrauen. Lesbisches L(i)eben in der DDR. Dokumentarfilm von Barbara Wallbraun. Kinostart: 03.09.2020
Helga Egetenmeier

Im dreißigsten Jahr nach der deutschen Einheit zeigt Barbara Wallbraun mit ihrem Dokumentarfilm, wie die Lebens- und Liebenserfahrungen von Lesben in der DDR bis heute nachwirken. Ihre Interviewpartnerinnen wurden in einer Zeit erwachsen...




...in der eine lesbische Identität offiziell nicht existierte und es deshalb für ihre Gefühle auch keine Worte gab. Meist in strahlendem Sonnenschein gedreht, blicken die Frauen heute erfrischend selbstsicher auf ihren nicht immer einfachen Lebensweg zurück.

Regisseurin Barbara Wallbraun erzählt in der Pressemitteilung, wie sie zum Thema ihres Dokumentarfilms kam. In Gesprächen mit über fünfzigjährigen Lesben sei ihr klar geworden, dass Frauen in der DDR einen Teil ihres Lebens mit einem Dilemma verbracht haben: Sie fühlten sich wie eine Frau, die Liebe zu Frauen empfindet, aber vermeintlich niemand existierte, der diese Gefühle erwiderte. Deshalb sei "die Vorstellung, Menschen ihr Lebensglück zu versagen, weil es den Regeln und Normen eines (politischen) Systems widersprach" ein Grund für sie gewesen, diese historische Episode der DDR-Geschichte filmisch aufzubereiten.

Zwischen familiären und staatlichen Repressionen

Als Zeitzeuginnen porträtiert Wallbraun sechs in der DDR geborene Frauen mit all ihren Unterschieden und Ähnlichkeiten in den Lebensgeschichten. Dass die lesbische Liebe eine Liebe wie jede andere ist, wurde keiner von ihnen durch die Eltern oder schulische Bildung vermittelt. Doch durch unterschiedliche Ansichten in den Elternhäusern konnten Christiane und Elke ihre Sexualität entdecken, während Carola und Pat ihr lesbisches Begehren als "falsch" abgesprochen wurde.

Gemeinsam - mit dem ebenfalls porträtierten Langzeit-Paar Sabine und Gisela - haben sie alle, dass es in ihrer Zeit als Jugendliche und junge Erwachsene keine Lesben als Role-Models gab. Barbara Wallbraun fängt dies ein, indem sie sie abwechselnd von ihrer Kindheit, Jugend und den Schwierigkeiten des Lebens als gesellschaftskritische Frau in der DDR erzählen lässt. Dadurch verlief das Coming-Out ihrer Protagonistinnen auch sehr verschieden. Einer Frau war bereits als Jugendlicher klar, dass sie Frauen liebt, während zwei andere zueinander fanden, als sie in festen Partnerschaften mit Männern waren.

Für die Sichtbarkeit von Lesben

Wallbraun lässt ihre Protagonistinnen hauptsächlich zu ihrem Leben in der DDR reflektieren, bevor sie zum Schluss von ihrer aktuellen Lebenssituation erzählen. So berichten Sabine und Gisela, die als einziges Paar im Porträt vorkommen, von ihren Schwierigkeiten beim Hausbau, während die anderen von Aufenthalten in der Psychiatrie und Verhören durch die Staatssicherheit erzählen. Einig sind sie sich, dass im Laufe der siebziger Jahre das lesbische Leben gesellschaftlich sichtbarer wurde. Die evangelische Kirche öffnete ihre Räume, wodurch Treffen unter Gleichgesinnten möglich wurden. Und Christiane, die als "Mutter" der Homosexuellen Interessengemeinschaft Berlin (HIB) gilt, gründete in ihrer Wohnung im Berliner Prenzlauer Berg den Sonntags-Club, eine Institution, die heute noch Bestand hat.

Der Film zeigt seine Protagonistinnen auf ausgesprochen angenehme Weise mit einem entspannten Lächeln und den Falten der Erfahrungen im Gesicht, die Mut machen. Die Interviewpartnerinnen erwähnen, mehr oder weniger explizit, dass der politische Kampf für freie Entfaltung und gegen Rechts ein Teil ihres Lebens geworden ist. Ihr Glück, dort angekommen zu sein, wo sie sich für ihr Leben als Lesbe nicht mehr in Frage stellen lassen müssen, sondern selbst Role-Model sein können, sieht frau ihren strahlenden Gesichtern an. So erzählt Elke Prinz ganz begeistert von ihrer Arbeit beim Frauenzentrum Dornrosa e.V. in Halle und gehört zum Frauenpolitischen Runden Tisch der Stadt.

AVIVA-Tipp:Die Regisseurin hat für ihr Porträt lesbischen Lebens und Liebens in der DDR sechs überaus sympathische Frauen gefunden. Sie erzählen ohne Scheu von ihren mehr und weniger guten Erfahrungen mit Freundinnen, Familie und den gesellschaftlichen Institutionen. Ein gesellschaftlich vielschichtiger Film, der von seinen warmherzigen Protagonistinnen getragen wird.

Auszeichnungen
2019 Publikumspreis "Dokula" bei den Lesbisch Schwulen Filmtagen, Hamburg

Zur Regisseurin: Barbara Wallbraun, geboren 1983 im thüringischen Eichsfeld, lebt seit ihrem zwanzigsten Lebensjahr offen lesbisch. Seit ihrem Diplom-Studium der Kultur- und Medienpädagogik an der Hochschule Merseburg produziert sie eigene dokumentarische Filmprojekte und absolvierte ein Auslandssemester in Finnland an der University of Lapland in Rovaniemi am Fachbereich Media Culture. Seit über 15 Jahren arbeitet sie überregional als freiberufliche Film- und Medienpädagogin und sammelte Erfahrungen als Studioaufnahmeleiterin beim MDR, als Produktionsassistenz einer Leipziger Produktionsfirma oder als Setrunnerin bei diversen Filmproduktionen. Ebenso arbeitet sie als Referentin zu den Themen "Lesben im Visier der Staatssicherheit" und "Wie ein Dokumentarfilm entsteht". Ehrenamtlich war sie Initiatorin und Organisatorin des Leipziger Kurzfilmwanderkinos "Mauerstreifen" (2005-2013) und dem queeren Leipziger Filmfestival "Paranoid Paradise #2" (2011). Sie ist Mitbegründerin des Netzwerks Medienpädagogik Sachsen.
Für die Arbeit zu ihrem Dokumentarfilm erhielt Barbara Wallbraun Einsicht in die Akten der Staatssicherheit. Über das Studium der Akten entwickelte sie einen eigenen wissenschaftlichen Ansatz zu der Frage, ob homosexuelle Frauen in der DDR interessant für eine Überwachung durch die Staatssicherheit waren. Ihren daraus entstandenen Vortrag "Lesben im Visier der Staatssicherheit" referiert sie auf Fachtagungen und auf bei Anfrage auch bei interessierten Einrichtungen.

Uferfrauen. Lesbisches L(i)eben in der DDR
Deutschland 2019
Regie: Barbara Wallbraun
Protagonistinnen: Pat Wunderlich, Christiane Seefeld, Carola Güldner, Elke Prinz, Sabine Schulze, Gisela Häntsch
Verleih: déjà-vu Film
Lauflänge: 115 Minuten
Kinostart: 03.09.2020

Mehr zum Film unter:

www.uferfrauen.de
www.facebook.com/uferfrauen

Weitere Informationen unter:

www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de
Das Thema dieser Seiten des Digitalen Deutschen Frauenarchivs (DFF) ist "Stirn zeigen, lesbischer Aktivismus der DDR in den 1970er und 1980er Jahren". Das DFF ist ein Fachportal zur Geschichte der deutschen Frauenbewegungen und macht ausgewählte Quellen der Frauenbewegungsgeschichte in digitalisierter Form für die Öffentlichkeit im Internet zugänglich.

Online-Zeitschrift Viertelrausch
Interview der Online-Zeitschrift Viertelrausch mit Maria Bühner, die an der Universität Leipzig zum Thema "Lesbische Subjektwerdung in der DDR" forscht. Sie beschreibt, dass es für Lesben in der DDR nochmal schwieriger war, sichtbar zu sein, da es über lange Zeit keine Versammlungs-, Vereinigungs- und Veröffentlichungsfreiheit gab.

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Kunst + Kultur

Beitrag vom 31.08.2020

Helga Egetenmeier 






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