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Chanukka 5782




AVIVA-BERLIN.de 4/16/5782 - Beitrag vom 01.06.2020


AVIVA-Interview- + Fotoprojekt JETZT ERST RECHT: Meron
Sharon Adler, Meron Mendel

"Du Jude", Hassmails, Rechte Hetze im Rap oder faschistoide Verschwörungsideologien in der Corona-Krise. Das Attentat in Halle. Um die Gedanken und Erfahrungen, Perspektiven und Forderungen jüdischer Menschen zu Antisemitismus in Deutschland sichtbar zu machen und ihnen abseits der Statistiken ein Gesicht und eine Stimme zu geben, hat die jüdische Fotografin und Journalistin, Herausgeberin von AVIVA-Berlin, Sharon Adler ihr neues Projekt JETZT ERST RECHT! initiiert, das von der Amadeu Antonio Stiftung gefördert wird. Eine der Teilnehmer*innen ist Dr. Meron Mendel. Sein Slogan lautet: JETZT ERST RECHT! - "Gegen Verschwörungsmythen und die Instrumentalisierung der Shoah!"




AVIVA: Thema Antisemitismus in Deutschland heute: Der am 06.05.2020 veröffentlichte Jahresbericht 2019 des Bundesverbands der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Bundesverband RIAS) e.V. dokumentiert 1.253 antisemitische Vorfälle in vier Bundesländern. Aktuell wurde auf einer der sogenannten "Hygiene"-Demo das Opfer des Holocaust Anne Frank instrumentalisiert und verhöhnt. Kannst Du in dem aktuellen Kontext bitte einmal genauer erläutern, was Du mit Deinem Statement "Gegen Verschwörungsmythen und die Instrumentalisierung der Shoah" auf unserem Demo-Plakat meinst, und welche Message Du damit transportieren willst?



Meron Mendel: Es hat mich erschreckt, dass die Verhöhnung von Shoah-Opfern in vielen deutschen Städten verbreitet war – und von Polizei und Passant*innen einfach so hingenommen wurde. Die sogenannten Hygiene-Demos markieren eindeutig einen Tiefpunkt in der öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus.

AVIVA: Synagogen, Schulen und jüdische Einrichtungen in Deutschland stehen unter Polizeischutz. Und dennoch: Am 9. Oktober 2019, zu Yom Kippur, dem höchsten Feiertag im jüdischen Kalender, hat ein rechtsextremistischer, antisemitischer 27-jähriger Attentäter einen Mordanschlag auf die Synagoge in Halle verübt und am 4. Oktober desselben Jahres versuchte ein Mann in Berlin, mit einem Messer in die Synagoge in der Oranienburger Straße einzudringen…
Wie sicher fühlst Du Dich in Deutschland?

Meron Mendel:
Ich persönlich mache mir weniger Sorgen um meine Sicherheit. Rassistische und antisemitische Kräfte werden immer stärker. Gerade in solchen Krisensituationen steigt die Attraktivität menschenfeindlicher Ideologien. Mich beunruhigt daher die Gefahr für unsere Gesamtgesellschaft und mich beschäftigt die Frage, wohin diese Entwicklungen führen.

AVIVA: Warum, denkst Du, kommt es sogar schon unter Kindern und Jugendlichen zu antisemitischem Denken und Gewaltbereitschaft?

Meron Mendel: Kinder und Jugendlichen wachsen nicht im luftleeren Raum auf. Antisemitische und rassistische Stereotype werden in Schulbüchern, in Medien und Politik reproduziert. Ich kenne viele Erzieher*innen und Lehrkräfte, die sensibilisiert sind und sich weiterbilden. Trotzdem gibt es hier noch viel Bedarf.

AVIVA: Seit 2010 bist Du Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main. Welche Strategien verfolgt die Bildungsstätte im Bereich Jugend- und Erwachsenenbildung, um Rechten Ideologien entgegenzutreten? Wie, denkst Du, könnten die traditionellen Strukturen rechtsextremer Familien in Deutschland aufgebrochen werden?

Meron Mendel: In der Bildungsstätte arbeiten wir mit Jugendlichen und Erwachsenen präventiv. Wir versuchen, Menschen für Demokratie und Menschenrechte zu stärken. Dabei erreichen wir sie in ihren jeweiligen Lebenswelten: in der Schule, im Jugendhaus oder am Arbeitsplatz. Aktuell arbeiten wir beispielsweise mit Gamern zusammen für die Entwicklung eines Spiels für Jugendliche. Es geht darum, Verschwörungsmythen und andere Gefahren im Netz zu erkennen – gerade in den sozialen Medien kursieren solche Mythen und sind ein Nährboden für Radikalisierung.

AVIVA: Wie kann eine nachhaltige Bildungs- und Präventionsarbeit aussehen, um Hate Speech, Hetze und Vorurteile vor allem im Netz, auf Facebook, Twitter, Instagram oder in Messenger-Diensten abzubauen?

Meron Mendel: In unserer Bildungsarbeit vermitteln wir Medienkompetenzen. Es ist wichtig, dass Jugendliche und Erwachsene kritisch mit Nachrichten und Meldungen umgehen. Wir sprechen auch darüber, was für Möglichkeiten im Netz da sind, die Solidarität möglich machen: Gerade für Betroffene von Antisemitismus und Rassismus ist es wichtig, dass ihre Perspektiven gehört und geteilt werden.

Meron Mendel, geboren 1976 in Ramat Gan, Israel, ist Autor, Kolumnist und seit 2010 Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt/Main. Er ist Mitherausgeber von "Fragiler Konsens" über Antisemitismus in der Migrationsgesellschaft, "Trigger Warnung" (www.verbrecherverlag.de) über die Kritik der Identitätspolitik und "100 Jahre Leugnung" über den Völkermord an den Armeniern und Armenierinnen.
Meron Mendel ist im Kibbutz Mashabei Sade in der Negev Wüste aufgewachsen. Nach seinem Wehrdienst hat er in Haifa und München Geschichte und Erziehungswissenschaften studiert. Seine Doktorarbeit "Jüdische Jugendliche in Deutschland. Eine biographisch-narrative Analyse zur Identitätsfindung" hat er in Frankfurt am Main geschrieben. Er lehrte an der LMU Universität in München und der Goethe Universität in Frankfurt.
Als Gastautor schreibt er für die taz, Jüdische Allgemeine Wochenzeitung und für die Frankfurter Rundschau und beteiligt sich regelmäßig in tagesaktuellen Debatten um Antisemitismus, Rassismus und Rechtspopulismus.

Mehr Infos zu Dr. Meron Mendel und seinem Engagement unter: www.bs-anne-frank.de und www.ardaudiothek.de und twitter.com/MeronMendel

JETZT ERST RECHT!
Um die Erfahrungen, Perspektiven und Forderungen von jüdischen Menschen in Deutschland sichtbar zu machen und ihnen abseits der Statistiken ein Gesicht und eine Stimme zu geben, hat die jüdische Fotografin und Journalistin, Herausgeberin von AVIVA-Berlin Sharon Adler ihr neues Projekt JETZT ERST RECHT! initiiert.



Mitmachen

Wenn Du auch Interesse hast, an dem Interview- + Fotoprojekt JETZT ERST RECHT! teilzunehmen, kannst Du Dich per eMail mit Sharon Adler unter sharon@aviva-berlin.de in Verbindung setzen. Bitte sende in dieser eMail Deine Motivation und einige biographische Informationen.

Gefördert wurde das Interview- + Fotoprojekt von der Amadeu Antonio Stiftung.



Copyright: Gestaltet wurde das Signet JETZT ERST RECHT! von der israelischen Künstlerin Shlomit Lehavi. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich nach vorheriger schriftlicher Anfrage und Genehmigung durch AVIVA-Berlin.





Copyright Foto von Meron Mendel: Meron Mendel


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Beitrag vom 01.06.2020

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PLAN A – Was würdest du tun?
1945 plant eine Gruppe Holocaust-Überlebender die größte Racheaktion der Geschichte: Für jeden jede/n ermordete/n Jüdin/Juden soll ein/e Deutsche/r sterben. Doch kurz bevor der erste Giftanschlag ausgeführt werden kann, wird der Plan aufgedeckt.
Mehr zum Film, Kinotour mit Filmgespräch, den teilnehmenden Kinos und der Trailer unter: www.camino-film.com/filme/plan-a

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KINDER DER HOFFNUNG. Kinostart 4. November 2021

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KINDER DER HOFFNUNG von Yael Reuveny
Seit zehn Jahren lebt die israelische Regisseurin Yael Reuveny (SCHNEE VON GESTERN) in Berlin. In Super-8-Aufnahmen aus ihrer Kindheit und Kurzporträts ihrer Mitschüler*innen in Israel heute dokumentiert sie, was aus den Träumen und Idealen ihrer Generation geworden ist. KINDER DER HOFFNUNG kommt zum Jahrestag der Ermordung von Jitzchak Rabin im Jahr 1995 ins Kino.
Mehr zum Film, der Trailer und Kinotour unter: www.filmkinotext.de/kinder-der-hoffnung.html

Never forget. 9. November 1938

9. November 1938
Der 9. November 1938 war erst der Anfang... Zentralrat der Juden: 9. November soll Schoa-Gedenktag werden

Esther Dischereit - Mama, darf ich das Deutschlandlied singen. Politische Texte

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Esther Dischereit - Mama, darf ich das Deutschlandlied singen. Politische Texte
Jüdisch. Solidarisch. Antirassistisch. Der Essayband mit einem Vorwort von Aleida Assmann knüpft an die beiden Aufsatzbände "Übungen jüdisch zu sein" und "Mit Eichmann an der Börse" an.
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Alle Infos, der Trailer und Termine unter: www.walterkaufmannfilm.de

Das Glück zu leben - The euphoria of being. Ab 30.09.2021 im Kino

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Das Glück zu leben - The euphoria of being
Dokumentarfilm von Réka Szabó über die Entstehung einer Tanzperformance, in der die 90-jährige Éva Fahidi im getanzten Dialog mit einer jungen Tänzerin über ihr Leben und Schicksal erzählt, als einzige ihrer Familie das KZ Auschwitz überlebt zu haben.
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.filmkinotext.de/das-glueck-zu-leben

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Rosh HaShana 5782 - Shana tova u-metuka!

AVIVA wishes you a sweet, healthy and happy Rosh HaShana!
AVIVA wünscht ein süßes, glückliches, friedliches und gesundes Neues Jahr 5782!

Online: Die Videoaufzeichnung der Panel-Diskussion "Fragmented Narratives"

Erinnerungspolitiken im Spiegel von Rassismus und Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart.
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Ich bin noch nie einem Juden begegnet …

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»Das Geschichtenerzählen ist Teil der jüdischen DNA«, meint Peninnah Schram, Literaturprofessorin und eine der Protagonistinnen in Haase-Hindenbergs neuem Buch. In einem außergewöhnlichen literarischen Stil erzählt er von den Lebensgeschichten jüdischer Menschen in Deutschland.
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