Ein Platz für Eva Mamlok: Umbenennung des Blücherplatzes in Berlin-Kreuzberg - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Juedisches Leben



AVIVA-BERLIN.de 3/4/5787 - Beitrag vom 01.11.2026


Ein Platz für Eva Mamlok: Umbenennung des Blücherplatzes in Berlin-Kreuzberg
AVIVA-Redaktion

Eva Mamlok (1918-1944) war eine Kreuzberger Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus. Mit der Straßenumbenennung am 16. Oktober 2026 ehrte der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg Eva Mamlok und würdigt ihren antifaschistischen Widerstand in Zusammenhang mit einem Netzwerk jüdischer Frauen.




Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Friedrichshain-Kreuzberg hat am 25. Juni 2025 beschlossen (DS/1448/VI), den Blücherplatz in Eva-Mamlok-Platz umzubenennen.

Eva Mamlok (1918-1944) war eine Kreuzberger Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus. Mit der Straßenumbenennung ehrt der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg Eva Mamlok und würdigt ihren antifaschistischen Widerstand in Zusammenhang mit einem Netzwerk jüdischer Frauen.

Eva Mamlok engagierte sich bereits als Jugendliche im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Laut der Zeitzeugin Inge Gerson (später Berner) schrieb Mamlok vermutlich 1932 am Halleschen Tor auf das Dach des Kaufhauses Tietz "Nieder mit Hitler!", wofür sie inhaftiert, aber vermutlich wegen ihres Alters nach ein paar Tagen freigelassen wurde. 1934 legte sie mit anderen Widerständigen Blumen am Grab von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ab. Dafür wurde sie zwischen 1934 und 1935 für fünf Monate im Konzentrationslager Moringen eingesperrt. Nach der Freilassung und Rückkehr nach Berlin engagierte sie sich weiter in sozialistischen Widerstandskreisen.

Als Jüdin musste Eva Mamlok ab 1940 Zwangsarbeit in der Fabrik der F. Butzke Schrauben-Industrie und Fassondreherei GmbH leisten. Dort lernte sie andere widerständige junge Frauen kennen und bildete mit ihnen ein Netzwerk für widerständige Aktionen: Sie verliehen z. B. verbotene Bücher, verteilten Flugblätter und schrieben widerständige Parolen an Hauswände. Nachdem die geheime Bibliothek von Mamlok und ihren Mitstreiterinnen im September 1941 aufflog, wurde sie verhaftet, verurteilt und 1942 in das Ghetto Riga deportiert. In der Nähe der lettischen Hauptstadt war sie in verschiedenen Arbeitskommandos. Trotzdem blieb sie widerständig und schmuggelte beispielsweise für lokale Widerstandsgruppen eine Kamera ins Ghetto, um NS-Verbrechen heimlich zu dokumentieren. 1944 wurde Eva Mamlok in das Konzentrations- und Vernichtungslager Stutthof in der Nähe von Danzig gebracht. Dort starb sie am 23. Dezember 1944 mit nur 26 Jahren – nach offiziellen Angaben eines SS-Arztes an "allgemeiner Körperschwäche", was oftmals eine Umschreibung für Mord durch Gewalt oder durch extrem harte Arbeit und Lebensbedingungen war.


Bei der Gedenktafeleinweihung und Straßenumbenennung vor der Zentral- und Landesbibliothek (ehemals Blücherplatz, dann Eva-Mamlok- Platz) gab es Beiträge des Bezirksamtes, der ZLB, der Initiative Eva-Mamlok-Platz (UpStadt e.V. / GLOX) und der Forschungsinitiative zur Gruppe Eva Mamlok, moderiert von Nora Hogrefe (Leitung Koordinierungsstelle Historische Stadtmarkierungen im Aktiven Museum).



Mehr Informationen über Eva Mamlok:

www.berlin.de

www.fhxb-museum.de

Für Eva Mamlok und ihre Familie wurden zwischen 2011 und 2024 Stolpersteine an ihrem ehemaligen Wohnort in Neuenburger Straße verlegt. Weitere biografische Informationen: www.stolpersteine-berlin.de

Das FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum hat 2024 die Ausstellung "Gruppe Eva Mamlok – Widerstandsgeschichten" gezeigt. www.fhxb-museum.de

Im Mai 2026 wurde eine Briefmarke (Sonderpostwertzeichen) zu Eva Mamlok aus der Serie "Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus" vom Bundesministerium für Finanzen herausgegeben. www.bundesfinanzministerium.de

Eva Mamlok – Widerstandsgeschichten evamamlok.de



Fotos: Sharon Adler


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