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AVIVA-BERLIN.de 2/8/5787 - Beitrag vom 05.10.2026


Abschlussbericht zur bundesweiten Studie zu den Auswirkungen des terroristischen Anschlags am 7. Oktober 2023 auf jüdische und israelische Communities in Deutschland
AVIVA-Redaktion

Der Angriff auf Israel durch die Terrororganisation Hamas am 7.10.2023 markiert für die jüdischen und israelischen Communities in Deutschland einen tiefen Einschnitt.  Die von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes geförderte Studie am Forschungsbereich des Kompetenzzentrums antisemitismuskritische Bildung und Forschung (KOAS) und dem Arbeitsbereich Antisemitismusforschung am Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) der Universität Tübingen in Kooperation mit OFEK e.V. untersucht ab Februar 2024 …




… das Erleben der Phase seit dem 07.10.2023 aus den Perspektiven von Jüdinnen_Juden verschiedener Generationen und sozialer Hintergründe im urbanen und ländlichen Raum in Deutschland.


Studie: Jüdinnen und Juden berichten von Diskriminierung und Hass in Deutschland

Untersuchung zu den Auswirkungen des Hamas-Angriffs am 7. Oktober 2023 auf jüdische Communities zeigt: Misstrauen und Ausgrenzung halten an
Erstmals wurden auch Kinder und Jugendliche zu ihren Erfahrungen befragt
Unabhängige Bundesbeauftragte Ferda Ataman: "Jüdinnen und Juden müssen besser vor Diskriminierung im Alltag geschützt werden"

Der Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 hat Jüdinnen und Juden weltweit erschüttert. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat daraufhin die Studie zu den "Auswirkungen des terroristischen Anschlags am 7. Oktober 2023 auf jüdische und israelische Communities in Deutschland" gefördert. Für die Studie wurde am KOAS – Kompetenzzentrum antisemitismuskritische Bildung und Forschung – in Kooperation mit IRex der Universität Tübingen über einen Zeitraum von zwei Jahren untersucht, wie jüdische und israelische Menschen in Deutschland den Terrorangriff und die Zeit danach erlebt haben. Die Forscherinnen haben nun den Abschlussbericht vorgelegt. Erstmals wurden auch Jugendliche und Kinder ab 7 Jahren zu ihren Erfahrungen befragt.
"Die Studie offenbart das ganze Ausmaß antisemitischer Diskriminierungen. Wer offen zugibt, jüdisch zu sein oder aus Israel zu kommen, riskiert existenzielle Konsequenzen: von der Benachteiligung bei der Wohnungs- und Arbeitssuche über Verweigerung der Bedienung im Restaurant bis hin zu Mobbing in Kita und Klassenzimmer. Wer jüdisches Leben in Deutschland wirklich schützen will, muss auch die Rechte von Jüdinnen und Juden stärken, wenn sie sich gegen Diskriminierung wehren. Dafür muss der Schutz vor Diskriminierung verbessert werden, beispielsweise auch an Schulen und Hochschulen. Bislang klafft hier leider eine große Schutzlücke in der Gesetzgebung", sagte Ferda Ataman, Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, anlässlich des bevorstehenden Jahrestages des Terrorangriffs.

Die für die Studie befragten Jüdinnen und Juden berichten von einer "neuen antisemitischen Normalität": Misstrauen, Ausgrenzung und Diskriminierung durchziehen demnach den Alltag von Jüdinnen und Juden in Deutschland und kommen aus allen Teilen der Gesellschaft – auch in sicher geglaubten Räumen: Zum Beispiel, wenn ein Arzt eine Patientin zu politischen Bekenntnissen drängt oder Kollegen am Arbeitsplatz auf Distanz gehen.
Anfeindungen machen auch vor Jugendlichen und Kindern nicht halt. Die Studie zeigt, dass Kinder in Kitas und Grundschulen mit Hass konfrontiert und unfreiwillig in eine vermeintliche "Erklärrolle" gedrängt werden.
Der Druck, sich für die eigene Identität rechtfertigen zu müssen, führt bei Kindern wie Erwachsenen zu enormen psychischen Belastungen.

Das Erkenntnisinteresse der Studie betrifft folgende Forschungsfragen:
Wie wirken sich die Ereignisse auf das körperliche, psychische und soziale Wohlbefinden sowie den Alltag von Jüdinnen_Juden verschiedener Herkünfte und Altersgruppen in Deutschland aus?
Inwieweit machen Jüdinnen_Juden in Deutschland Diskriminierungserfahrungen im Zusammenhang mit den öffentlichen Reaktionen auf den Terror gegen Israel seit dem 7.10.2023 und den darauffolgenden Krieg in Israel und im Gazastreifen?
Welche Rolle spielen die transgenerativen Weitergaben der Shoah, frühere Erfahrungen mit Terror und Vertreibung und andere Kriege in der Wirkung und Verarbeitung der aktuellen Erfahrungen?

Die Studie beruht auf 118 qualitativen Forschungsinterviews mit Jüdinnen und Juden in ganz Deutschland. Sie wurde von Marina Chernivsky, Psychologin und Leiterin des Kompetenzzentrums für antisemitismuskritische Bildung und Forschung (KOAS) und Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai vom Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) in Potsdam durchgeführt. Die Autorinnen: "Der 7. Oktober wirkt für die Studienteilnehmenden als ein ´Einbruch´ in ihr Leben – sowohl durch die Überwältigung angesichts der entfesselten Gewalt der Massaker als auch durch den Bruch in der Gewissheit, Teil einer Gesellschaft zu sein, die trägt und Schutz bietet. Die antisemitische Mobilisierung und die gesellschaftlichen Reaktionen darauf haben die soziale Atmosphäre und damit auch die Sicherheitslage der jüdischen und israelischen Community nachhaltig verändert. Die Auswirkungen reichen in nahezu alle Bereiche des Alltags hinein. Die Erfahrung eines passiven wie auch übergriffigen Umfeldes führt zur Neuordnung von Zugehörigkeiten, Sicherheitsüberzeugungen, Abwägen von Lebensentscheidungen und Zukunftsperspektiven und schränkt ein in der gesellschaftlichen Teilhabe."

Den Abschlussbericht zu der bundesweiten "Studie zu den Auswirkungen des terroristischen Anschlags am 7. Oktober 2023 auf jüdische und israelische Communities in Deutschland" finden Sie unter: koas-bildungundforschung.de

Ansprechpartnerin: forschung[at]koas-bildungundforschung.de



Das Kompetenzzentrum antisemitismuskritische Bildung und Forschung (KOAS) ist ein bundesweit tätiges Institut mit Sitz in Berlin, das Projekte und Programme im Bereich antisemitismuskritischer Bildung und Forschung entwickelt und umsetzt. Hervorgegangen aus einer 2007 gegründeten Fachstelle in Thüringen, wurde das KOAS 2014 als Institut in Trägerschaft der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V. in Berlin etabliert.
Seit der Gründung koordiniert und konzipiert das KOAS Bildungsprojekte und Netzwerke, entwickelt innovative Bildungsprogramme, fördert fachlichen Austausch, qualifiziert und begleitet Prozesse der antisemitismuskritischen Organisationsentwicklung und berät fachpolitische Entscheidungsträger*innen. Seit 2017 forscht das KOAS zu Antisemitismus in institutionellen und gesellschaftlichen Kontexten.
Mit dem Dreiklang »Bildung, Forschung und Diskurs« verfolgt das KOAS das Ziel, die Antisemitismuskritik als wissenschaftliches, pädagogisches und gesellschaftliches Handlungsfeld weiterzuentwickeln, fachliche Debatten anzuregen, und den wechselseitigen Transfer zwischen Wissenschaft, Bildungspraxis und Zivilgesellschaft zu fördern. Die Verbindung zwischen Bildung, Forschung und Transfer bildet dabei nicht nur einen inhaltlichen, sondern einen methodischen Leitgedanken des KOAS. Erkenntnisse aus Praxis und empirischer Forschung werden systematisch aufgearbeitet und über Fachkonferenzen, Studienberichte, Publikationen sowie zielgruppenspezifische Bildungs-, Transfer und Diskursformate in Fachdebatten, institutionelle Kontexte und die pädagogische Praxis eingebracht.
Die seit 2021 bestehende Forschungskooperation mit der Fachhochschule Potsdam wurde 2026 in eine Zusammenarbeit mit dem Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) an der Universität Tübingen überführt. Damit werden die Forschungsaktivitäten am KOAS weiter gestärkt und zugleich die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Lehre gezielt ausgebaut.
Seit 2025 ist das KOAS zudem Partner im Kooperationsverbund Antisemitismus (KOVA), der im Rahmen des Bundesprogramms »Demokratie leben!« gefördert wird.
Mehr Infos: koas-bildungundforschung.de

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) ist 2006 mit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) gegründet worden. Ziel des Gesetzes ist es, Diskriminierung aus rassistischen oder antisemitischen Gründen, wegen des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen. Die ADS berät rechtlich, kann Stellungnahmen einholen und gütliche Einigungen vermitteln. Sie betreibt Forschung und Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Diskriminierung. Seit 2022 wird die Leitung der Stelle als Unabhängige Bundesbeauftrage für Antidiskriminierung vom Deutschen Bundestag gewählt.
Mehr Infos: www.bmbfsfj.bund.de

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Pressemitteilung Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), Berlin, 05. Oktober 2026


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Beitrag vom 05.10.2026

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