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AVIVA-BERLIN.de 11/21/5784 - Beitrag vom 16.12.2023


Neuer Podcast der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb in Kooperation mit dem Leo Baeck Institut New York | Berlin: "Exil"
Sharon Adler

"Wenn einem alles genommen wird, was dann?". 12 unbekannte Geschichten deutschsprachiger Jüdinnen und Juden zur Zeit des Nationalsozialismus, gesprochen von Iris Berben. Ab dem 7. Dezember 2023 wöchentlich in der bpb-Mediathek und auf allen gängigen Plattformen abrufbar.




Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb veröffentlicht in Kooperation mit dem Leo Baeck Institut New York | Berlin den Podcast "Exil". Unter der Leitfrage "Wenn einem alles genommen wird, was dann?" erzählt der von Iris Berben gesprochene Podcast zwölf sehr persönliche und meist bislang unbekannte Geschichten deutschsprachiger Jüdinnen und Juden zur Zeit des Nationalsozialismus. Die Folgen basieren auf persönlichen Briefen, Tagebüchern, Interviews und Dokumenten aus dem Archiv des Leo Baeck Instituts.

Der Podcast "EXIL" ist die deutsche Version des preisgekrönten englischsprachigen Podcast "Exile" des Leo Baeck Institut New York | Berlin. Er beleuchtet bisher wenig bekannte Aspekte berühmter Geschichten – wie etwa Albert Einsteins Suche nach Zuflucht vor seinem eigenen Ruhm an den Ufern eines ruhigen Sees außerhalb Berlins in Caputh. Andere Episoden porträtieren eher unbekannte Protagonist:innen und ihre außergewöhnlichen Taten wie die Geschichte von Florence Mendheim. ("Das Doppelleben der Florence Mendheim… jüdische Bibliothekarin bei Tag, Anti-Nazi-Spionin bei Nacht"). Die junge, alleinstehende, jüdische Bibliothekarin in New York fasste den gefährlichen Entschluss, die in den 1930er Jahren erstarkenden nationalsozialistischen Bewegungen in den USA auszuspionieren, während im Nazi-Deutschland die Entrechtung und Verfolgung von Jüdinnen und Juden immer größere Ausmaße annahm. Florence Mendheim etwa schrieb in ihren Erinnerungen: "Um überhaupt leben zu können, muss man offenbar gefährlich leben." Sie war in regelmäßigem Austausch mit ihrer jüdischen Tante Hulda in Berlin, die sich am Ende vergeblich um die Ausreise bemühte, sie wurde deportiert und ermordet.

Eine Überlebende war die 1925 in Wien geborene Eva Kollisch. Sie konnte 1938 mit dem Kindertransport nach England entkommen und gelangte 1940 in die USA. Seit den 1960er Jahren war sie Schriftstellerin, Pazifistin und politische Aktivistin, setzte sich gemeinsam mit der Schriftstellerin Grace Paley gegen den Vietnamkrieg ein und veröffentlichte mehrere Bücher, darunter den autobiografischen Roman "Der Boden unter meinen Füßen" ("The Ground Under My Feet"). Eva Kollisch lehrte 30 Jahre lang als Professorin am Sarah Lawrence College in New York Literatur und war mit Gerda Lerner Mitgründerin der ersten Studiengänge für Frauenforschung in den USA. Eva Kollisch, die seit den 1970er Jahren offen lesbisch lebte, war über 40 Jahre lang mit der Lyrikerin Naomi Replansky liiert. Die Tochter russisch-jüdischer Einwanderer starb im Alter von 103 Jahren am 7. Januar 2023. Am 10. Oktober 2023 starb Eva Kollisch im Alter von 98 Jahren. Ihr Nachlass ist Teil der Sammlungen des Leo Baeck Instituts.

Bisher gibt es eine Staffel mit 12 Episoden (im englischen aufgeteilt auf zwei Teile mit je 6 Episoden)

Episode 01 Florence Mendheim
Episode 02 Alice Urbach
Episode 03 Albert Einstein
Episode 04 Kurt Hirschfeld
Episode 05 Lene Schneider-Kainer
Episode 06 Wilhelm Nussbaum
Episode 07 Kurt Kleinmann
Episode 08 Hans Jacoby
Episode 09 Hans Lachmann-Mosse
Episode 10 Eva Kollisch
Episode 11 Stefan Zweig und Joseph Roth
Episode 12 Ruth Westheimer

Wie gelang diesen zwölf Menschen die Flucht vor dem Faschismus, wie das Leben nach dem Überleben? Was bedeutete Exil für die jüdische Gemeinschaft, für das Kollektiv, aber auch für die und den Einzelnen?
Die Geschichten der 12 Episoden erzählen von ihrer erzwungenen Emigration, oft in letzter Minute, den harten Bedingungen für das Asyl der vertriebenen und entrechteten Jüdinnen und Juden Europas in den Aufnahmeländern, ihrem Ankommen und das Leben im Exil, den Verlust von Heimat und Familie, von Sprache, und Kultur, und nicht zuletzt von wirtschaftlicher Existenz.
Die Rückgabe geraubten jüdischen Eigentums an die Überlebenden oder ihre Nachkommen erfolgte nur in den seltensten Fällen und nach oft langwierigen und entwürdigenden Verhandlungen. Und: Die Ausraubung fand auch noch nach 1945 statt. Zwei Episoden des Podcast "EXIL" widmen sich diesem Thema: Der Podcast um Alice Urbach, deren Buch, der Bestseller "So kocht man in Wien! Ein Koch- und Haushaltungsbuch der gut bürgerlichen Küche", von den Nazis "arisiert" und unter einem anderen Autorennamen veröffentlicht wurde. Der Verlag brachte auf diese Weise bis 1966 Auflagen des Buches heraus, ohne Alice Urbach jemals an den Einkünften zu beteiligen. Sowie der Podcast um Hans Lachmann-Mosse ("Die Familie Mosse und der Kampf um ihr Erbe.")

Die Folgen erscheinen ab dem 7. Dezember 2023 wöchentlich und sind in der bpb Mediathek unter www.bpb.de/543131 und sind auf den gängigen Podcastplattformen wie Spotify, Apple Music, YouTube oder Deezer abrufbar. Der Trailer ist online unter: www.bpb.de

Das Launch-Event zum neuen bpb-Podcast "Exil" fand auf Einladung der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb gemeinsam mit dem Leo Baeck Institut New York | Berlin im Rahmen eines Podiumsgesprächs am 7. Dezember 2023 im Tagungszentrum der Bundespressekonferenz in Berlin statt. An dem Gespräch nahmen neben der Sprecherin des Podcasts Iris Berben (Die Schauspielerin spielt aktuell in der Serie "Deutsches Haus" als Dr. Rachel Cohn eine der Zeug*innen im Auschwitz-Prozess. Iris Berben ist Botschafterin für den RAUM DER NAMEN im Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin sowie für die Initiative GESICHT ZEIGEN! 2016 wurde sie zudem mit der Honorary Fellowship als Ehrensenatorin von der Hebräischen Universität Jerusalem ausgezeichnet.), die Historiker:innen Dr. David Jünger (Universität Rostock) und Dr. Juliane Wetzel (Technische Universität Berlin) teil. Beide beschäftigen sich auf wissenschaftlicher Ebene seit vielen Jahren mit den Themen der deutsch-jüdische und amerikanisch-jüdische Geschichte vor und nach 1945. Das Podiumsgespräch wurde von der Journalistin Sharon Adler moderiert.

Neben Hintergründen zum Format wurden im Gespräch grundlegende Fragen zu den Themen Flucht, Exil und Ankommen in den Aufnahmeländern der deutschsprachigen Jüdinnen und Juden erörtert: Fragen der Emigration mit Blick auch auf die Situation der Juden und Jüdinnen VOR der NS-Zeit, die Zäsur des Jahres 1938, das Dilemma der Ausreiseentscheidungen und -bemühungen, die Haupthindernisse der Emigration und Wartelisten der Konsulate, Einreisequota, wie sich die Menschen auf die erzwungene Emigration im Klima des sich zunehmend radikalisierenden nationalsozialistischen Regimes vorbereitet haben. Aber auch über die Zeit nach 1945 im Nachkriegsdeutschland wurde gesprochen, darunter: die Situation der jüdischen DPs (Displaced Persons).

Der Stream der Veranstaltung ist auf dem YouTube-Kanal der bpb abrufbar unter: www.youtube.com/live



Quelle: Pressemitteilung Bundeszentrale für politische Bildung/bpb in Kooperation mit dem Leo Baeck Institut New York | Berlin


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Beitrag vom 16.12.2023

Sharon Adler