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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2018 - Beitrag vom 04.10.2018

Isabel Allende - Ein unvergänglicher Sommer
Nora Rauschenbach

Ein Schneesturm in Brooklyn, ein Auffahrunfall und eine Leiche im Kofferraum: Diese drei Konstituenten bestimmen den weiteren Verlauf der Handlung des Romans der chilenischen Autorin und Journalistin Isabel Allende und stoßen damit eine Geschichte an, die gleichsam von traurigen wie von hoffnungsvollen Momenten geprägt ist.



Hoffnungsvoll ist die erste Begegnung der drei Protagonist*innen zunächst allerdings nicht: Richard, Professor für Lateinamerikanistik an der New York University, verursacht einen durch Schnee und Glätte begünstigten Unfall, wobei er den Lexus der Arbeitgeber*innen von Evelyn, einer guatemaltekischen Geflüchteten ohne Papiere, beschädigt. Als diese etwas später vor seiner Tür steht, jedoch kein Wort sagt, bittet Richard seine chilenische Untermieterin und Mitarbeiterin an der Universität Lucía um Hilfe.
Mit einiger Überzeugungsarbeit gelingt es ihr, aus der traumatisierten Evelyn herauszubekommen, dass sich im Kofferraum des Wagens eine nichtzuerklärende Leiche befindet. Aufgrund Evelyns Status und der Angst vor ihrem Arbeitgeber Frank Leroy sind sich alle einig: Die Leiche samt Wagen muss weg…

Die Reise beginnt

Und so begeben sich Richard, Lucía und Evelyn auf ein Abenteuer, bei dem sie sowohl einander als auch sich selbst besser kennenlernen.
Während wir als Leser*innen uns zusammen mit dieser Schicksalsgemeinschaft gen Norden der Vereinigten Staaten bewegen, erfahren wir viel über deren individuelle Wege:

Die illegal in den USA lebende Evelyn hat bereits eine lange Strecke zurückgelegt und schwelgt noch in den Erinnerungen an ihr Heimatdorf: "Grün, eine Welt aus Grün, Moskitosirren, Papageiengeschrei, Wispern von Schilf im Wind, klebriger Duft reifer Früchte, würziges Holzfeuer und gerösteter Kaffee, feuchte Hitze auf der Haut […]" Doch entsprechen diese Bilder nicht länger ihrer Realität, denn sie musste flüchten und sich vor der Bandenkriminalität der in großen Teilen Nord- und Mittelamerika regierenden Jugendgang "Mara" in Sicherheit bringen, wie Isabel Allende in drastischen Worten konstatiert: "Das Mädchen lag am anderen Ende des Raumes, ihr schmaler Leib entblößt, Blut im Gesicht, Blut auf ihren Beinen, Blut auf ihrem zerrissenen Baumwollkleid."

Für die ehemalige Redakteurin der ersten feministischen Zeitung Chiles und Aktivistin in der Frauenbewegung Allende stellte die Figur der Evelyn die Inspiration für ihr Buch dar, denn sie steht stellvertretend für viele Frauen. Um diese zu unterstützen und ihnen die Möglichkeit auf soziale und wirtschaftliche Unabhängigkeit und ein Leben frei von Gewalt zu bieten, hat Isabel Allende 1996 die Isabel Allende Foundation gegründet.
Mit ihrer Stiftung führt Isabel Allende das Werk ihrer Tochter Paula fort. Paula Frias hatte sich jahrelang ehrenamtlich in armen Gemeinden in Venezuela und Spanien engagiert. 1992 war sie im Alter von 28 Jahren aufgrund von falscher medikamentöser Behandlung gestorben.

Neben der Geschichte von Frauen wie Evelyn erhalten die Leser*innen auch Einblicke in die Familiengeschichte und Vergangenheit der Mitreisenden, der zweiundsechzig-jährigen Journalistin Lucía ("Für Lucía Maraz waren ihre Mutter Lena und ihr Bruder Enrique die beiden Pfeiler ihrer Kindheit und Jugend, ehe der Militärputsch ihr den Bruder nahm.") sowie des Professors Richard Bowmaster. ("Die Wochen und Monate nach dem Tod des kleinen Pablo waren ein böser Traum, aus dem weder Anita noch Richard zu erwachen vermochten.")
Isabel Allende gelingt es durch ihren eigenen poetischen Schreibstil, für die unterschiedlichen Charaktere ganz individuelle Bilder zu skizzieren: Von der verschüchterten, jungen Evelyn über die starke Lucía bis hin zum distanzierten Richard.

Der unvergängliche Sommer

Drei Schicksale, drei Menschen, die etwas Traumatisches in ihrem Leben erfahren mussten, drei Individuen, die sich auf etwas Neues einlassen und für immer eine Verbindung eingehen.

Jeder der Charaktere durchlebt also seinen eigenen emotionalen Winter, wie Allende in einem Verlagsstatement konstatierte. Dennoch ist ihr Buch keineswegs ein trauriges. Im Gegenteil ist es von einer Hoffnung bestimmt. Einer Hoffnung auf Freundschaft, auf Solidarität und auch auf Liebe, denn: "Nicht die Schwerkraft hält unser Universum im Gleichgewicht, sondern die Liebe", so Allende.
Auch die Autorin selbst habe aufgrund ihrer Scheidung 2015 einen "emotionalen Winter" durchgemacht, wie sie im Statement erzählt. So stellt sie ihrem Roman ein Zitat des französischen Schriftstellers und Philosophen Albert Camus voran ("Mitten im Winter erfuhr ich endlich, dass in mir ein unvergänglicher Sommer ist.") und macht damit einmal mehr deutlich, wie sich eine aussichtslose Situation in eine positive wandeln kann.

AVIVA-Tipp: Isabel Allendes Roman "Ein unvergänglicher Sommer" ist eine sehr berührende Geschichte von aus unterschiedlichen Sozialisationen stammenden Menschen, die sich durch ihre individuellen traumatischen Erfahrungen verbunden fühlen, und das Gefühl, das damit einhergeht: Angst.

Zur Autorin: Isabel Allende wurde am 2. August 1942 in Peru geboren. In ihrer Jugend arbeitete sie als Journalistin in Chile und war in der Frauenbewegung aktiv. So war sie Redakteurin der ersten feministischen Zeitung Chiles "Paula" und Moderatorin mehrerer Fernsehsendungen wie "Conversando con Isabel Allende". Nach Pinochets Militärputsch war Allende 1973 gezwungen, Chile zu verlassen. Ihren ersten Roman "Das Geisterhaus" schrieb sie mit vierzig Jahren im Exil in Venezuela. Weitere Werke sind unter anderem "Fortunas Tochter" (1998), "Die Stadt der wilden Götter" (2002), "Im Reich des Goldenen Drachen" (2003), "Inés meines Herzens" (2006), "Das Siegel der Tage" (2007), "Mayas Tagebuch" (2011), und "Amandas Suche" (2013).
Heute lebt sie in Kalifornien und beginnt jedes Jahr am 8. Januar, ein neues Buch zu schreiben.
Weitere Informationen zu Isabel Allende unter: www.isabelallende.com

Zur Übersetzerin: Svenja Becker wurde 1967 in Kusel (Pfalz) geboren und hat nach einigen Jahren als Steinmetzgesellin und Kneipenkollektivistin VWL und Spanische Sprach- und Literaturwissenschaft studiert. Seit 2000 arbeitet sie freiberuflich als Übersetzerin von Literatur aus dem Spanischen.

Isabel Allende
Ein unvergänglicher Sommer

Originaltitel: Más allá del invierno
Aus dem Spanischen von Svenja Becker
Suhrkamp Verlag, erschienen: 13. August 2018
Gebunden, 350 Seiten
ISBN: 978-3-518-42830-6
24,00 Euro
Mehr zum Buch unter: www.suhrkamp.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Isabel Allende - Amandas Suche
Kriminologie ist die Leidenschaft der introvertierten Highschoolschülerin Amanda. Dann beginnt ein Serienkiller sein Unwesen zu treiben, der in Verbindung mit Amandas Mutter steht. Die 16jährige Amanda Martín ist in ihrem Internat als eher verschlossenes, unzugängliches Mädchen bekannt. (2015)

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Das Familienleben von Isabel Allende geht nach dem Tod ihrer Tochter Paula dramatisch bis amüsant, aber stets überraschend weiter. Ein streckenweise gelungenes Portrait einer Großfamilie. (2008)

Isabel Allende - Inés meines Herzens
Bestseller-Autorin Isabel Allende setzt der fast vergessenen Conquistadora Inés Suárez ein Denkmal. Die Stimme verleiht im Hörbuch ihr Hannelore Hoger. AVIVA traf die Autorin auf ihrer Lesereise. (2007)

Isabel Allende im Gespräch mit AVIVA-Berlin
AVIVA-Berlin traf Bestseller-Autorin Isabel Allende, sprach mit ihr über die Entstehung ihres Romans "Inés meines Herzens" und über die politische Utopie einer umfassenden Frauen-Bewegung (2007)

Isabel Allende - Im Reich des Goldenen Drachens
Eine atemberaubende Geschichte über buddhistische Mönche im Himalaya, über entführte Könige, Mädchen und Drachen und darüber, wie man mit dem Herzen hören kann (2003)

"Die Stadt der wilden Götter"
Ein großes mythisches Abenteuer in den Tiefen des Amazonas (2002)

Literatur > Romane + Belletristik Beitrag vom 04.10.2018 AVIVA-Redaktion 





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