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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2018 - Beitrag vom 19.02.2018

Shumona Sinha - Staatenlos
Kristina Tencic

Wütend und atemlos schreibt die in Kalkutta geborene und seit 2001 in Frankreich lebende Autorin auch in diesem Roman gegen die Missstände ihres Heimatlandes und ihrer Wahlheimat an. Nach "Erschlagt die Armen", in dem sie ihre Arbeit in einer Asylbehörde beleuchtete (und für das sie in der Tat gekündigt wurde), begibt Shumona Sinha sich ...



... nun mittels dreier Frauenschicksale an die Front der Diskriminierung und Rechtlosigkeit von Frauen in Indien.

Drei Inderinnen, drei Schicksale, drei Zwischenwelten. Mina kämpft in ihrem Heimatdorf nahe Kalkutta gegen eine Autofabrik, die Gefahr läuft, ihren Eltern die Lebensgrundlage zu entziehen. Sie ist schwanger von ihrer Jugendliebe, aber die gesellschaftlichen Konventionen geben keiner Heirat statt und lässt sie somit zur Aussätzigen werden. Das französische Adoptivkind Marie ist auf der Suche nach ihren leiblichen Eltern und radikalisiert sich dabei zusehends. Esha unterrichtet Englisch in einer Pariser Vorortschule, wo sie tagtäglich mit ethnischen und religiösen Konflikten konfrontiert wird, und ihr Französischsein und Bleiberecht ständig in Frage gestellt wird. Ihre Hautfarbe passt nicht zu den vorgefertigten Rollenbildern, sie ist eine farbige, selbstbestimmte Singlefrau, die französische (Einwanderer-) Gesellschaft versucht sie in ihre Schranken zu weisen.

Erzählte Shumona Sinhas Roman "Erschlagt die Armen" von ihrer Zeit als Dolmetscherin in einer Asylbehörde und wie sie dazu kam, in einem Akt der inneren Verzweiflung einem Einwanderer in der Metro eine Weinflasche überzuschlagen, so verknüpft sie auch in ihrem neuen Roman Fiktion und Wirklichkeit, da sie selbst als Englischlehrerin in der Pariser Banlieu tätig war.

AVIVA-Tipp: Im Gegensatz zu "Erschlagt die Armen" ist "Staatenlos" ein verkopfter Roman, der die Missstände weniger erfühlbar, dabei weit mehr intellektuell zu Bändigen sucht. So gelingt es der Autorin leider nicht, an die poetische Sprache aus ihren Vorgängerromanen anzuknüpfen, oft bleiben ihre Sprachbilder seltsam flach. Dafür wird die LeserIn jedoch mit präzisen Beobachtungen belohnt, die noch lange nachhallen, wie etwa:

"Esha hatte verstanden, dass die Ordnung des Arbeitsmarkts keine Abweichung von der Norm zuließ. Klempner, Wachleute, Köche, Kassiererinnen, Prostituierte, Kindermädchen, Gastwirte, Gemüsehändler, Müllmänner kamen alle aus einem vorgegebenen Land, jedes Land der Welt schien, einer geheimen Übereinkunft folgend, diese oder jene Arbeitskraft zu liefern, und es kam nicht in Frage, diese Ordnung durcheinanderzubringen."

Zur Autorin: Shumona Sinha, geboren 1973 in Kalkutta, lebt seit 2001 in Paris. An der Sorbonne schloss sie ihren Magister in Literaturwissenschaft ab. Von 2001 bis 2008 arbeitete Sinha als Lehrerin für Englisch an weiterführenden Schulen. 2008 erschien ihr erster Roman "Fenêtre sur l´ Abîme" und ab 2009 war sie als Dolmetscherin für Asylsuchende tätig. Nach der Veröffentlichung ihres Romans Erschlagt die Armen! 2011 verlor sie ihre Arbeit bei der französischen Migrationsbehörde, jedoch wurde ihre Roman viel beachtet und erhielt mehrere Auszeichnungen. Ende 2013 erschien ihr dritter Roman "Kalkutta", ebenfalls vielfach ausgezeichnet. Sie veröffentlichte mehrere Gedichtbände auf Französisch und Bengalisch.

Shumona Sinha
Staatenlos

Originaltitel: Apatride
Aus dem Französischen von Lena Müller
Edition Nautilus, 2017
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 160 Seiten
ISBN: 978-3-96054-047-2
19,90 Euro
Mehr zum Buch und Bestellmöglichkeit unter: www.edition-nautilus.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Erschlagt die Armen! von Shumona Sinha
Die in Kalkutta geborene und seit 2001 in Frankreich lebende kontrovers diskutierte Autorin trifft mit ihrem lyrischen Roman direkt ins Herz der gegenwärtigen Asyldebatte, und verschafft uns einen persönlichen Einblick an die Front zwischen den verzweifelten AntragstellerInnen und den abgebrühten und oft inkompetenten Beamten, die quotenbasierte Bürokratie umsetzen. (2016)

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Literatur > Romane + Belletristik Beitrag vom 19.02.2018 Kristina Tencic 





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