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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2018 - Beitrag vom 01.12.2018

Die Erbinnen - Vierfacher Gewinner auf der Berlinale 2018, darunter der Alfred-Bauer-Preis und Silberne Bär für die Beste Darstellerin, Kinostart: 29.11.2018
Helga Egetenmeier

Im Februar 2018 verließ ich beschwingt und verzaubert das Berlinale-Kino und realisierte erst draußen, dass der Inhalt dieses paraguayischen Films gegen jedes internationale Verwertungsinteresse sprach. Doch die Geschichte um ein älteres lesbisches Paar...



...in einer Gesellschaft im Umbruch, für die das Drehbuch ausschließlich Frauenrollen vorsah, bekam vier Berlinale-Auszeichnungen.

Es ist der erste Film aus Paraguay, der für den Wettbewerb in der Berlinale aufgenommen wurde, auch weltweit erhielt "Die Erbinnen" große Aufmerksamkeit und viele Auszeichnungen.

Die ausschlaggebende Motivation, seinen Debütfilm dem "weiblichen Universum" zu widmen, erklärt Regisseur Marcelo Martinessi in einem Interview damit, dass er in einer von Frauen geprägten Welt - Mutter, Schwestern, Großmütter, Tanten und Nachbarinnen - aufwuchs und dann Fassbinder für sich entdeckte. Vor diesem Hintergrund schrieb er als Drehbuchautor seinen weiblichen Hauptfiguren die von Unfreiheit geprägte patriarchale Gesellschaft Paraguays auf den Leib.

Für "Die Erbinnen" Chela und Chiquita - großartig gespielt von Ana Brun (die dafür den Silbernen Bären erhielt) und Margarita Irún - weichen langsam die Grenzen ihres eng gesteckten Lebens auf. Sie sind in der Hauptstadt Asunción in gut bürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen, gingen nie arbeiten und sind jetzt fast Siebzig. Als junge Frauen mussten sie die von 1954 bis 1989 dauernde Rechte Diktatur von Alfredo Stroessner miterleben. Als dieser von seiner Partei, der rechtsgerichteten Partido Colorado, abgesetzt wurde, veränderte sich für die Menschen kaum etwas. Erst als die Rechten 2008 die Präsidentschaft an den Mitte-Links-gerichteten Kandidaten Fernando Lugo verloren, öffneten sich für kurze Zeit gesellschaftliche Möglichkeiten.

Obwohl die politische Entwicklung von Paraguay im Film nur als Subtext eine Rolle spielt, ist sie ein wichtiges Ereignis im Leben des jungen Regisseurs. Marcelo Martinessi war in der kurzen Zeit der demokratischen Öffnung, von 2010 bis 2012, Geschäftsführer des ersten öffentlichen Fernsehsenders. Im Jahr 2013 kam die Partido Colorado jedoch wieder an die Macht zurück, die sie bei den Wahlen im April 2018 knapp verteidigen konnte.

" (…) in erster Linie ist "Die Erbinnen" ein Film über Gefangenschaft", fasst der Drehbuchautor und Regisseur seine Intension zusammen, die sich in seinem realistisch und aktuell gehaltenen Film spiegelt. Denn obwohl Chela und Chiquita seit vielen Jahren im geerbten Haus von Chelas Familie als Paar zusammenleben, soll niemand von ihrer Liebesbeziehung wissen. Auch ihre zunehmende Geldknappheit versuchen sie vor ihren reichen Freundinnen geheim zu halten. Als die dominante Chiquita wegen Betrugs ins Gefängnis kommt, merkt Chela erst, wie sehr sie sich in ihrem gemeinsamen Haus mit den düsteren Räumen eingeigelt hat.

Bald jedoch öffnet der erzwungene Bruch mit dem Alltag und seinen unhinterfragten Ritualen für beide Frauen neue Perspektiven. Chiquita fühlt sich zunehmend wohl im Frauengefängnis und Chela beginnt, als Taxifahrerin Geld zu verdienen und verliebt sich neu. Beide Frauen blühen durch die Überwindung ihrer alten Strukturen auf - und dazu ist keine männliche Figur nötig. Dieser Film über "Gefangenschaft" ist damit auch einer über die unterschiedlichen Erscheinungsformen von Befreiung, die zwar in eine unsichere, aber glücklichere, weil freiere Zukunft führt.

AVIVA-Tipp: Der Film erzählt liebevoll und mit Humor, wie sich Routinen einschleichen, oder von der Gesellschaft gefordert werden, die die Gefangenschaft im eigenen Leben verschleiern und Angst vor Veränderungen vorgaukeln. Er ermutigt dazu, Mauern einzureißen und sich eine lebenswerte Welt zu schaffen, da konservative oder ideologische Gesellschaftsformen nicht glücklich machten. Diese Botschaft hat der Film unaufdringlich und wunderbar in die Geschichte eines älteren lesbischen Paares verpackt.

Auszeichnungen:
Berlinale 2018: Silberner Bär Beste Darstellerin für Ana Brun, Silberner Bär/Alfred Bauer Preis, FIPRESCI Preis Internationaler Wettbewerb, Teddy Award der LeserInnenjury von "Mannschaft"
Sydney Film Festival 2018: Gewinner Bester Film
22. Lima Filmfestival Peru: Beste Darstellerin Ana Brun, Bester Debüt-Film
14. Internationales Filmfestival Santiago de Chile: Bester Regisseur Marcelo Martinessi
Internationales Filmfestival Gramado (Brasilien), sechs Preise: Bester internationales Film, Bestes Drehbuch, Beste Regie, Beste Darstellerinnen für die drei Hauptdarstellerinnen, Publikumspreis, Preis der Filmkritik
World Cinema Festival Amsterdam 2018: Bester Film
San Sebastian Film Festival 2018: Bester Latein-Amerikanischer Film
Transilvania International Film Festival 2018: Bester Film
Filmfest Athen 2018 - Bester Film

Regie und Drehbuch: Marcelo Martinessi, geboren 1973 in Asunción, Paraguay, studierte dort an der Katholischen Universität Kommunikationswissenschaft, später Film an der London Film School. Seine Kurzfilme, die sich mit Literatur und dem Thema Erinnerungen beschäftigen, wurden auf der Berlinale, auf dem Kurzfilmfestival in Clermont-Ferrand und weiteren Festivals gezeigt. Von 2010 bis zum Staatsstreich 2012 war er Geschäftsführer des ersten öffentlichen Fernsehsenders in Paraguay. Seine Verarbeitung des folgenden politischen Chaos setzte er in dem Kurzfilm "La Voz Perdida" um, der 2016 als bester Kurzfilm auf dem Filmfestival in Venedig ausgezeichnet wurde. Mit seinem Film "Die Erbinnen" wurde 2018 erstmals das Werk eines paraguayischen Regisseurs in den Wettbewerb der Berlinale eingeladen.

Zu den drei Hauptdarstellerinnen:

In Paraguay gibt es keine nennenswerte Filmindustrie und bis Juli 2018 gabe es auch keine öffentliche Film-Förderung. Es entstanden trotzdem um die fünf Filme im Jahr, wie Marcelo Martinessi im Interview "In Paraguay gibt es eine große Homophobie" dem Magazin choises im November 2018 erzählte. Er schildert darin auch die politische und gesellschaftliche Situation des Landes und erklärt, wo er seine drei Hauptdarstellerinnen gefunden hat: auf den Theaterbühnen.

Ana Brun ist der Künstlerinname von Patricia Abente, den sich die Theaterschauspielerin für ihr Filmdebüt auswählte, er setzt sich aus ihrem ersten Vornamen und dem Nachnamen ihrer Mutter zusammen. Die heute 68jährige arbeitet hauptsächlich als Rechtsanwältin in Paraguays Hauptstadt Asunción und tritt nebenbei im Theater auf, ihr Debüt gab sie 1970 in "Das Tagebuch der Anne Frank".
Ana Patricia Abente Brun auf Twitter

Margarita Irún ist eine bekannte paraguayische Bühnenschauspielerin mit einer über 50 Jahre umspannenden Karriere. Dieser Film ist ihr zweiter Leinwandauftritt.

Ana Ivanova, geboren 1973, ist in der Theaterszene von Asunción eine bekannte Schauspielerin und arbeitete bereits für viele Theaterstücke, Kurzfilme und Kunstinstallationen.

Die Erbinnen
Originaltitel: Las Herederas
Paraguay, Uruguay, Brasilien, Deutschland, Frankreich 2018
Regie und Drehbuch: Marcelo Martinessi
Darsteller*nnen: Ana Brun, Margarita Irún, Ana Ivanova, u.a.
Verleih: Grandfilm
Lauflänge: 95 Minuten
Kinostart: 29.11.2018

Weitere Informationen unter:
www.grandfilm.de

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Kultur > Kino Beitrag vom 01.12.2018 Helga Egetenmeier 





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