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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2018 - Beitrag vom 24.11.2018

Matangi / Maya / M.I.A. - Dokumentarfilm über die Sängerin und Künstlerin. Kinostart: 22.11.2018
Helga Egetenmeier

Beim Sundance Filmfestival 2018 gewann dieses Portrait der weltweit erfolgreichen Sängerin und Künstlerin Matangi Arulpragasam, M.I.A., die als Neunjährige vor dem Bürger*innenkrieg in Sri Lanka nach England floh, den World Cinema Documentary Special Jury Award. Vom Time Magazine 2009 als eine der 100 einflussreichsten Menschen der Welt...



... geführt, setzt Regisseur Steve Loveridge den Fokus auf die persönliche und politische Seite ihrer Biografie und deren Umsetzung in ihrer Kunst.

Der detailreich und liebevoll gemachte Film lief bereits im Panorama der Berlinale 2018 und der Veranstaltungsreihe Wassermusik 2018 im Haus der Kulturen der Welt.

Matangi Arulpragasam - Tochter, Flüchtling, Künstlerin

Matangi Arulpragasam, Maya für ihre Freund*innen, Künstlerinname M.I.A, wurde 1975 in London geboren und wuchs in Sri Lanka auf. Als ihre Mutter, die ebenso wie ihr Vater der tamilischen Minderheit angehört, mit ihren Kindern vor dem bewaffneten Bürger*innenkrieg (1983 - 2009) floh, kam sie als Flüchtling wieder nach Großbritannien. Regisseur Loveridge puzzelt aus alten Filmaufnahmen und neuen Bildern ihre Familiengeschichte zusammen, die von Zuneigung und Harmonie geprägt ist und auch nicht zu zerbrechen scheint, als Maya ihren Vater als einen Terroristen bezeichnet, der die Familie zerstörte.

Musik wurde für sie zur Medizin, beim Einschlafen schottete sie sich abends mit Kopfhörern und Popsongs gegen die täglich erfahrenen rassistischen Ausgrenzungen ab. In England wurde sie als "Paki" beschimpft, vorher als Tamilin in Sri Lanka verachtet. Aus diesen Erfahrungen entwickelt sich die Künstlerin M.I.A., die auch während ihres Studiums als einzige Migrantin in der Klasse aufgefallen ist. Das bemerkt auch Regisseur Loveridge im Film, er ist seit dieser Zeit mit ihr befreundet.

Politisch und provokant - oder Radical Chic für die Kulturindustrie?

Eine drastische Medienerfahrung machte die Sängerin Jahre später, als sie 2012 neben Madonna in der Halbzeit des Endspiels der National Football League in Indianapolis auftrat. Als die Kamera groß auf M.I.A. schwenkte, reckte diese den Mittelfinger vor - ein "Skandal", der bei der Live-Übertragung für große Aufregung sorgte. Der Dokumentarfilm zeigt einige Vorbereitungen zur Show, die M.I.A.s feministische Erklärung für ihre Tat belegen: sie, die Madonna als starke Frau und Künstlerin bewundert, musste mit ansehen, wie die männlichen Verantwortlichen sie vor der Show herumkommandierten. Dafür gab es von ihr dieses öffentliche Statement. Einige US-Medien machten daraus einen rassistischen Vorwurf an Madonna, sie sei an dem Eklat Schuld, denn sie hätte sich eine "echte Amerikanerin" für ihre Show auswählen sollen.

Obwohl ihre Biografie nicht linear erzählt wird, schafft es Loveridge ausgezeichnet, eine stringente Entwicklungsgeschichte aufzubauen. Dazu gehört auch das erst im letzten Drittel des Films erwähnte Portrait "M.I.A.´s Agitprop Pop" von Lynn Hirschberg, das am 25. Mai 2010 im New York Times Magazine erschien. Dieser Artikel liest sich wie das inhaltliche Gegenteil des Dokumentarfilms und wirft der Sängerin vor, sich mit einem "Radical Chic" zu umgeben, jedoch kein aufrichtiges Interesse an politischen Vorgängen und der Armut der Welt zu haben. In diesem Kontext wirkt ihre Künstlerinbiografie wie eine Verteidigung ihrer Authentizität.

Multikulturelle Kunst und Kritik

Über viele Jahre hinweg experimentierte M.I.A. mit der Kamera und übergab dem Regisseur an die 700 Stunden Filmmaterial. Aus diesem Fundus wählte er auch Bilder aus ihrer ersten Ausstellung als gestaltende Künstlerin aus. Bereits dafür verband sie ihre unterschiedlichen kulturellen Hintergründe und mischte knallbunte Airbrush-Bilder mit Zeichnungen von tamilischen Bürgerkriegskämpfer*innen.

Neben den Anfängen ihrer Karriere zeigt der Film die Entstehungsgeschichten zu einigen ihrer Musikvideos, die durch ihre farbenfrohe Bildsprache und einen beatlastigen Sound beeindrucken. Darunter ist auch das Video zu dem kontrovers diskutierten, israelfeindlichen und gewaltverherrlichenden Song "Sunshowers", der von MTV zensiert wurde. Erschienen auf ihrem Debüt-Album "Arular" (2005) endet die erste Strophe mit der Zeile "You wanna go? You wanna win the war? Like P.LO. I won´t surrender". Lynn Hirschberg schreibt in ihrem bereits erwähnten Portrait dazu "In contrast to, say, Bono or John Lennon, with their peacenik messages, Maya taps into her rage at the persecution of Tamils in Sri Lanka to espouse violence...". Der Film gibt leider zu der Kritik an dieser Textzeile keine Auskunft. Auf Wikipedia befindet sich jedoch eine Hintergrundinformation zu diesem Song, gezeichnet mit M.I.A., in der sie die vereinfachte "Teilung der Welt in Gut und Böse" kritisiert und fragt, wie damit eine Diskussion über Waffenkulturen möglich sein soll.

Politische Popmusik

M.I.A.s Video zum ihrem Song "Born Free", der bei You Tube nur nach vorheriger Anmeldung gezeigt wird, ist wegen dem Vorwurf der Gewaltverherrlichung besonders stark von Zensur betroffen. Im Film verteidigt sie die bildliche Umsetzung des Songs als ihre Anklage gegen Ausgrenzung und Brutalität. Dieses beeindruckend beängstigende Video über die rassistische Verfolgung von Rothaarigen, ist mit kurzen Ausschnitten im Film zu sehen. Seine Entstehung erklärt sie als Kritik an You Tube, denen sie ein Enthauptungsvideo gemeldet hatte, doch ihre Forderung nach einem Herausnehmen der Aufnahme wurde von dem Videoportal ignoriert. Ein weiterer, direkt an die heutige Tagespolitik anknüpfender Song und Video ist mit "Borders" ein für erfolgreiche Popmusiker*innen ungewöhnlich intensives Statement, Flüchtlingen zu helfen anstatt menschenunwürdige Grenzen gegen sie aufzustellen.

Wie die schwedische Rapperin Silvana, erscheint auch M.I.A. als eine Powerfrau, die ihre Auseinandersetzung mit ihren Ausgrenzungserfahrungen und ihrer migrantischen Identität in politische Kunst und aussagekräftige Musik verwandeln kann. Beide stehen zu der Authentizität ihres kulturellen Ausdrucks, unterscheiden sich jedoch in ihrem kommerziellen Erfolg. Sich gegen Unterdrückung in jeglicher Form zu wenden, egal wie viel Geld damit verdient wird, ist dennoch immer richtig. Für die durchaus berechtigte Diskussion über das Verhältnis der kritischen Kultur zur sie ernährenden Kulturindustrie bringt der Film einige Anregungen.

AVIVA-Tipp: Dem Regisseur ist es überzeugend gelungen, aus einer Fülle an Material einen spannenden, unterhaltsamen, wie auch sensiblen und politisch aktuellen Dokumentarfilm zu entwickeln. Dieses Mosaik aus Bildern präsentiert nicht nur eine detailreiche Biografie von M.I.A., deren Energie manchmal sprachlos macht, sondern auch eine weltweit populäre Künstlerin, die mit ihrer Musik auf eingängige und provokante Weise globale Probleme und Demokratiedefizite anspricht.

Auszeichnungen
Sundance Film Festival 2018: Special Jury Prize World Cinema - Documentary und Nominierung für den Grand Jury Prize
IndieLisboa International Independent Film Festival 2018: Indiemusic Schweppes Award

Matangi Arulpragasam wurde im Juli 1975 in London geboren und als sie sechs Monate alt war, zog ihre Familie zurück nach Sri Lanka, wo sie als Kind tamilischer Eltern aufwuchs. Ohne den Vater flüchtete die Familie zu Beginn des Bürger*innenkriegs nach England. Ihr Vater war Teil einer tamilischen Befreiungsbewegung, zog jedoch später zu seiner Familie nach Großbritannien. Sie studierte an der Londoner Central Saint Martins Art School Fine Art, Film and Video. Im Jahr 2000 begann ihre Karriere als Videokünstlerin, Filmemacherin und Designerin in West-London, im Jahr 2002 startete ihre Musikkarriere. Mit "Arular" veröffentlichte sie 2005 ihr erstes Album, das zweite, "Kala", folgte 2007, beide wurden weltweit Erfolge in den Albumcharts und die Single-Auskoppelung "Paper Planes" erreichte die Nummer vier in den Billboard Hot 100. 2008 gründete sie ihr Plattenlabel N.E.E.T. Recordings und wurde zusammen mit A.R. Rahman für den Song "O Saya" zu dem Spielfilm "Slumdog Millionaire" 2009 für einen Oscar in der Kategorie "Best Achievement in Music Written for Motion Pictures, Original Song" nominiert. Da sie kurz vor der Oscar-Nacht ihren Sohn gebar (Vater ist der Musiker und Unternehmer Benjamin Zachary Bronfman), konnte sie ihren dafür vorgesehenen Auftritt nicht wahrnehmen. Ihre nachfolgenden Alben "Maya" (2010), "Matangi" (2013) und "AIM" (2016) kamen ebenfalls weltweit auf die vorderen Plätze in den Charts.
Mehr Infos unter: www.twitter.com/miauniverse

Regisseur und Produzenten: Steve Loveridge, geboren in London, studierte ab 1995 an der Kunsthochschule Central St. Martins in London Film- und Videokunst. Danach spezialisierte er sich auf Animation und arbeitet als Digitalkünstler und Filmemacher und seit kurzem auch an Computerspielen und 3-D-Animationen. Nach Mayas Plattenvertrag fing er an, für sie an ihren Videos, Webseiten und Plattencovern zu arbeiten. "Matangi / Maya / M.I.A." ist sein erster langer Dokumentarfilm.

Matang / Maya / M.I.A.
Dokumentarfilm
USA/Großbritannien/Sri Lanka, 2018
Regie, Produktion: Steve Loveridge
Mit: Maya Arulpragasam, Diplo, Justine Frischmann, u.a.
Kamera: Graham Boonzaaier, Catherine Goldsmith, Matt Wainwright
Schnitt: Marina Katz, Gabriel Rhodes
Musik: Dhani Harrison, Paul Hicks
Music Supervisor: Tracy McKnight
Sound Design: Ron Bochar
Produzent*innen: Lori Cheatle, Andrew Goldman, Paul Mezey
Ausführende Produzenten: Philipp Engelhorn, Michael Raisler
Ko-Produzent: Joshua Rappaport
Produktion: Hard Working Movies und Cinereach
Verleih: Rapid Eye Movies
Lauflänge: 95 Minuten, OmdU
Kinostart: 22.11.2018
Mehr zum Film unter: rapideyemovies.de/matangimayam-i-a und www.facebook.com/MIAdocumentary

Weitere Informationen unter:

www.nytimes.com
New York Times Magazine-Artikel von Lynn Hirschberg "M.I.A.´s Agitprop Pop" vom 25. Mai 2010

www.nofilmschool.com
Interview mit dem Filmemacher Steve Loveridge über seine Arbeiten als Künstler und seinen ersten Dokumentarfilm zur Frage "How to Make a Documentary About a Subject You´re Close To: Steve Loveridge on ´Matangi / Maya / M.I.A.´" (Oktober 2018)

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