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AVIVA-BERLIN.de im April 2018 - Beitrag vom 12.04.2018

Emma Glass - Peach. Buchrezension und Impressionen der Lesung am 20. März 2018 in der Kulturbrauerei Berlin
Lisa Goldberg

Peach ist etwas Unausprechliches zugestoßen. In ihrer packenden Novelle findet die Debütantin Emma Glass Worte für den gewaltsamen Übergriff, der Peach widerfahren ist. In starker und brutaler Sprache werden Bilder über das schmerzhafte Danach erschreckend greifbar erzeugt und lassen die Leserin nicht mehr los...



Anlässlich der Veröffentlichung ihres Debütromans "Peach" kam die britische Autorin Emma Glass zum vierten Literatur:BERLIN Festival nach Deutschland.
Kurz vor 20:00 Uhr und zu Beginn der Lesung mit der walisischen Autorin und ihrer Übersetzerin Sabine Kray, war die Stimmung in der Kulturbrauerei erwartungsvoll und gespannt. Der Maschinenraum, in welchem die Berlinpremiere stattfand, war in ein gedämpftes, rot-pinkfarbenes Licht getaucht. Die 30-jährige Autorin Emma Glass war bei ihrer dritten Lesung in Deutschland noch sichtlich nervös – nichtsdestotrotz kamen die beiden Frauen schnell zur Sache. Nach drei ausgewählten Passagen, die jeweils erst in englischer Sprache von der Autorin und anschließend auf deutsch von der Übersetzerin gelesen wurden, folgte jeweils ein kurzer Dialog zu den Textstellen mit Erläuterungen zum Hintergrund sowie der Entwicklung des Romans.

Die Autorin Emma Glass im lebhaften Gespräch mit Übersetzerin Sabine Kray
© Lisa Goldberg, AVIVA-Berlin. Die Autorin Emma Glass (rechts) im lebhaften Gespräch mit Übersetzerin Sabine Kray


Der Hintergrund

Es sei nicht ihre Absicht gewesen, eine Vergewaltigungsstory zu verfassen, so Emma Glass gleich zu Beginn der Lesung. Es war vielmehr so, dass die Studentin der Literatur und kreatives Schreiben Emma Glass, 2008, drei Tage vor Abgabe einer Seminararbeit an der University of Kent, überhaupt noch keinen blassen Schimmer hatte, worum es in ihrer Arbeit gehen sollte. Was Emma Glass jedoch ganz sicher wusste war zum einen, dass ihr Exposé für den "Creative Writing" Kurs etwa 4.000 Wörter umfassen sollte. Und zum anderen war sie sich sehr sicher, was sie nicht wollte: Teil einer Reihe von AutorInnen zu werden, die damals vor allem konzeptionell schrieben – und sich dabei am Stil von Joanne K. Rowlings´ Harry Potter orientierten.
Zu dieser Zeit las Emma hingegen insbesondere Gertrude Stein und James Joyce und ließ sich außerdem von Kate Bush and Justin Vernon (Bon Iver) inspirieren. Daraus entwickelte die Autorin ihre ganz eigenen Vorstellungen vom kreativen Schreiben – und sollte damit ihren ganz eigenen Weg gehen.

"Plötzlich war da Peach"

Frustriert, uninspiriert und müde, so sagte Emma, schloss sie für einige Sekunden die Augen. Das Licht der Nachttischlampe drang durch ihre geschlossenen Augenlider. Das Blut in ihnen wirkte wie ein roter Farbfilter. Emma Glass, eine passionierte Metal-Hörerin, ließ die Musik auf sich wirken und sah nur noch leuchtendes Rot: Auf einmal hatte sie "Peach" vor ihrem geistigen Auge. Peach war in ihren Vorstellungen weder ein "normales" Mädchen, noch sollte die Titelfigur in einer "normalen" Welt existieren. Der vollständige Plot um "Peach" entspann sich im Laufe der Arbeit an dem Exposé, doch der Literaturstudentin war klar: "this is pretty crazy to begin with, I may as well go the whole way."

"Once I knew that the girl was in trouble…"

"...my mind just kind of rolled out these kind of really sleep-deprived thoughts of a menacing figure," erinnert sich Emma Glass.
Es sollte beinahe acht Jahre dauern, bis das Buch komplett fertig geschrieben war. In der Zwischenzeit kehrte die Autorin in die Heimat nach Wales zurück und hatte mittlerweile ein Studium zur Krankenschwester abgeschlossen. Dabei konnte die Autorin einige Jahre praktische Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern sammeln. Vieles von dem, was sie gesehen, erlebt und reflektiert hat, ist in "Peach" mit eingeflossen. So sprach Emma in der Lesung an, dass es in Großbritannien ein Tabu sei, über körperliche Versehrtheit zu sprechen. Darüber hinaus sei der britischen Gesellschaft oftmals das Vokabular für körperliche Ausscheidungen grundsätzlich nicht geläufig. Auch Sexualaufklärung würde heute noch in der Erziehung viel zu kurz kommen.

Kurz und mitreißend

"Mir ist heiß und verfickte Frustration packt mich. [...] Und ich eh ich mich versehe, sitz ich mitten im Schnee. Papierflocken flattern, sie sengen und schmelzen in meiner brodelnden Wut."

Weder der Titel noch der Klappentext geben einen konkreten Hinweis darauf, was die Leserin bei der Lektüre erwartet. Aber das ist auch gut so und macht die Leseerfahrung umso intensiver.
Peach ist eine Vergewaltigungsgeschichte über Rache, die individuelle Verarbeitung von Gewalt und der Suche nach Erlösung. Sie beginnt mit der Protagonistin Peach, die nach dem Übergriff alleine in der Dunkelheit nach Hause kommt und nichts mehr ist, wie es zuvor war. Die Leserin folgt ihr bei ihrer Verarbeitung und Auseinandersetzung mit dem Alltag. Das traumatische Erlebte kumuliert sich zu einer surrealen Katharsis mit einem tragischen Höhe- und Endpunkt.
Zudem wird Peach konfrontiert mit ihrer Familie, in der Sexualität offen gelebt wird: Ihre Eltern können nach der Geburt ihres Babys die Finger nicht voneinander lassen und schwelgen dermaßen im Glück, dass sie keine Veränderung an Peach wahrnehmen. Währenddessen lässt ihr der Täter Maxe, der in englischen Version Lincoln heißt, keine Ruhe mehr: er schreibt ihr Briefe, verfolgt und terrorisiert sie. Emma Glass gelingt es, das Unaussprechliche in klare Worte zu fassen und in einen Plot einzubetten, in dem vor allem Gefühle dominieren. Die Grenzen zwischen dem was wahr sein kann und was in "Peach" fiktiv ist, bleiben dabei unscharf.

"Let´s pretend this never happened…"

"Ich denke, dass dies der Anfang vom Ende dieser schrecklichen Zeit sein muss. Ich schlucke, ich sage mir, Lass uns einfach so tun, als sei dies alles nicht geschehen. Ich will kein Opfer sein. Eines dieser Opfer…"
, sagt Peach. In der Lesung diskutieren Autorin und Übersetzerin die Herausforderung, Worte für das Unaussprechliche zu finden. Emma Glass stellt darüber hinaus das Narrativ in Frage, dass Opfer sprechen müssten, um Traumata verarbeiten zu können. Die beiden Frauen öffneten das thematische Spannungsfeld zwischen Schweigen und Sprechen und diskutierten, ob sexueller Missbrauch in seinem Ausmaß überhaupt in Worte gefasst werden könne, und wenn ja: wie es sprachlich umzusetzen sei. Auch die Rolle des Schweigens reflektierten sie am Beispiel von Frauen, die über erfahrene sexuelle Gewalt nicht sprechen wollen, sprechen können oder erst gar nicht gehört werden. Die studierte Krankenschwester zweifelt aber auch an, ob allein das Sprechen zum Erfolg führt – und ob in diesem Zusammenhang jemals über Erfolg gesprochen werden könne.

Mit ihrer intensiven, sinnlichen, rhythmischen Prosa leistet Emma Glass also in "Peach" einen weiteren wichtigen Beitrag zur "Metoo Debatte".

"Peach als Freundin der Schweigenden"

Nach dem Übergriff bleibt Peach mit einem morbiden Körpergefühl zurück. Sie wird konfrontiert mit der Brutalität des Alltags, in der das Erlebte widerhallt und sie immer wieder einholt während sie von innen "verschimmelt". Sie findet sich in einer Welt wieder, die sich unweigerlich weiterdreht, als sei nie etwas geschehen. Peach schweigt und verpflegt ihre Wunden ALLEINE, näht sich sogar selber auf dem Boden im Badezimmer wieder zu.
Schnipp. Jetzt nicht abrutschen. Schnipp. Bloß nicht abrutschen. Schnipp Schnipp. Rutschen heißt Reißen und Angst reißt. Die Angst, diese Angst. […], weil ich aussehe wie ein Kaktus. Ein Kaktus mit Beinen. Ein Kaktus, der sich auf ein Wesen mit Beinen gesetzt hat. Ein Wesen mit weit gespreizten Beinen und einer gerissenen Vagina, die jetzt hoffentlich verheilt ist, […]".

Niemand merkt etwas, niemand sieht etwas. Das Zugefügte bleibt Peachs´ Geheimnis: Sie geht weiterhin zum College. Dort trifft sie auf ihren Freund, Grün. Obwohl die beiden schon länger ein Paar sind, bemerkt auch er nichts und gerät später sogar selbst ins Visier des Stalkers.
Peachs Strategie ist klar: sie versucht zu ihrem vorherigen Leben und zu einer Normalität zurück zu gelangen. Einer heilen Normalität, die sie von ihren Eltern isoliert. "Bist du noch nicht angezogen? Sagte Mami. Nein. Ich muss noch ein Loch in meiner Jeans nähen. Das abgerissene Ding? Schmeiß sie einfach weg, Peach."

No happy book, no happy end

Die Autorin hat sich bewusst für ein offenes Ende entschieden. Dabei nimmt sie in Kauf, manch eine Leserin in Unruhe zurückzulassen. Der Ausgang der Geschichte Peachs ist nicht eindeutig – und schon gar nicht positiv! Aber auch hier ist die Realität eines Missbrauchsopfers wieder schriftstellerisch mit Peach verbunden: was kaputt ist, wächst nicht folgenlos wieder zusammen und wird erst recht nicht wieder einfach gut. Glass bringt eine Dichte und schreibt mit einer derartigen Furchtlosigkeit, dass die Leserin glatt vergessen könnte, dass es sich hierbei um die erste Veröffentlichung der jungen Frau aus Wales handle.

Literatur:Berlin. Der
© Lisa Goldberg, AVIVA-Berlin. Literatur:Berlin. Der "Maschinenraum" der Kulturbrauerei Berlin am Abend der Lesung


"Do you know the story about the sausages?!"

"I was looking for words to describe hate and horror, things that I detested. And, yes, at that time it was meat and in particular sausages."


Obwohl zu dem Zeitpunkt Vegetarierin, briet Emma Glass solange eine Packung Würstchen in der Pfanne, bis sie schwarz wurden – um sie im Anschluss zu sezieren und ihre angeekelten Beobachtungen in ihrem Buch zu verarbeiten. Ihre Wahrnehmungen zum Fleisch projizierte sie auf den Täter und versinnbildlichte damit die "Perverse Power" von Wurst-Maxe. "Dichtes Schwarz. Aufgedunsen. Meine Lider aufgedunsen. Geschwollen. Schwarz-geschwollen vom Schlag. Vollgeschmiert mit Fett von seinen [Maxes] schlüpfrig schleimigen Wurstfingern."

Emma Glass beschrieb sich selbst als "sonderbar", doch genau von diesen ungewöhnlichen Rechercheansätzen der experimentierfreudigen Krankenschwester profitiert die Leserin. Emma Glass´ Ansatz zeigt, welche Rolle Lebensmittel in der Literatur spielen können und wie alltägliche Gegenstände die Ambiguität der Charaktere des Romans auf surreale Weise verkörpern können. Zwar betonte Emma Glass bei der Lesung mehrfach, dass hinter allem kein festes Konzept oder eine Bedeutung stecken müsse, doch die Leserin begegnet neben der jungen Peach (zu Deutsch "Pfirsich") ihrem schwabbeligen und farblosen Lehrer, Herrn Pudding. Der merkt zwar, dass Peach traumatisiert ist, ihm fehlt allerdings das Format und die Stärke, etwas zu unternehmen und Peach zu unterstützen.

Die Übersetzung

Manch eine Leserin bevorzugt es, Werke in Originalsprache zu lesen, um bei der Lektüre ein Minimum an Authentizität einzubüßen. Doch im Fall "Peach" ist die Leistung, die die Übersetzerin vollbracht hat, bemerkenswert. Und zwar deshalb, weil die Sprache, derer sich Emma Glass bedient, nicht einfach zu übersetzen ist.
Sabine Kray ist es gelungen, Rhythmik und Intensität aus dem Englischen ins Deutsche zu übertragen. Dabei ist weder die Struktur oder das Besondere an Glass´ Stil verloren gegangen, noch fehlt es der Übersetzung an Kraft.

Auch übernahm Sabine Kray Begriffe sowie die Namen der Charaktere und Produkte nicht einfach nur, sondern griff deren Doppeldeutigkeit auf, indem sie diese durch äquivalente deutsche geografische Eigennamen ersetzte. Aus "Lincoln" (eine traditionelle britische Wurstspezialität) wurde "Maxe", in Anlehnung an die deutsche Marke "BRATMAXE".
Nebenbei sei bemerkt, dass der Titel des ins Spanische übersetzten Buches "La Carne" ("das Fleisch") lautet.

Ein intensiver Abend

Um kurz vor halb zehn war die Lesung vorbei. Die im Laufe des Abends entstandene gelöste Stimmung spiegelte die Harmonie zwischen den beiden Frauen wider und übertrug sich auf das Publikum. Dieses war sichtbar bewegt und dankbar für die Gelegenheit, die Autorin und ihre Gedanken zu dem Buch persönlich kennen gelernt zu haben.
Vor allem die Hintergrundinformationen zum Ursprung zu "Peach" lassen die Leserin das Buch anders und neu lesen. Auch wenn den ZuhörerInnen keine Möglichkeit für Fragen angeboten wurde, gab es anschließend die Gelegenheit, das Buch zu erwerben und sich von Emma Glass signieren zu lassen – und sich einen Moment mit der äußerst sympathischen Autorin zu unterhalten.

AVIVA-Tipp: Emma Glass´ Debutroman ist empfehlenswert. Er ist trotz seiner Kürze allerdings weder als Lektüre vor dem Schlafengehen noch für das das Lesen in der Bahn geeignet – denn das prosaisch und surreal Geschriebene möchte laut gelesen werden. Ein Sog von Rhythmus reißt die Leserin in die Welt von Peach hinein und lässt sie nicht mehr los. Die Worte hallen nach.

Zur Autorin: Emma Glass wurde 1987 in Swansea/Wales geboren. An der University of Kent studierte sie Englische Literatur und Kreatives Schreiben. Im Anschluss entschloss sie sich in die Heimat zurückzukehren und sich an der Swansea University zur Kinderkrankenschwester ausbilden zu lassen. Mittlerweile lebt sie im Norden Londons und arbeitet zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ihres ersten Buches bereits seit drei Jahren im Evelina London Children´s Hospital als Fachkinderkrankenschwester und betreut dort sowie für die St Thomas´ NHS Foundation unter anderem klinische Studien. Das Interesse für die Forschung entdeckte sie während der Arbeit im Bereich der Immunologie, Krebs und Infektionellen Krankheiten im Great Ormond Street Hospital, in welchem viele der zu behandelnden Kinder unter schlechten Bedingungen versorgt wurden und Testmedikationen erhielten. Sie ist nun Oberschwester für klinische Versuche und arbeitet mit Kindern mit Achondroplasia, einem seltenen genetischen Defekt, das Entwicklungsstörung bei der Skelettentwicklung hervorruft und zu Kleinwüchsigkeit führt.
Sie sagt heute, sie könne sich nicht entweder der Literatur oder nur der Tätigkeit im Krankenhaus verschreiben. Sie brauche den Ausgleich.
Mehr Infos zur Autorin: www.edition-nautilus.de
Twitter: @Emmas_Window
https://twitter.com/Emmas_Window

Zur Übersetzerin: Sabine Kray , geboren 1984 in Göttingen, absolvierte das Studium der Amerikanistik. Sie lebt als Autorin und Übersetzerin in Berlin und engagiert sich als Mentorin für Mädchen mit Migrationshintergrund bei der Bürgerstiftung Neukölln. Ihr Debüt "Diamanten Eddie" erschien 2014 bei der FVA, zuletzt erschien 2017 "Freiheit von der Pille – Eine Unabhängigkeitserklärung" bei Hoffmann & Campe. (Quelle: Verlagsinformationen)
Emma Glass
Peach

Originaltitel: Peach
Aus dem Englischen übersetzt von Sabine Kray
Deutsche Erstausgabe
Edition Nautilus, erschienen März 2018
Gebunden mit Schutzumschlag, 128 Seiten
ISBN 978-3-96054-064-9
19,90 Euro
Mehr Infos unter: www.edition-nautilus.de

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Literatur > Romane + Belletristik Beitrag vom 12.04.2018 AVIVA-Redaktion 

   




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