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AVIVA-BERLIN.de im November 2017 - Beitrag vom 27.10.2017

Toni Morrison - Gott, hilf dem Kind
Bärbel Gerdes

Die Nobelpreisträgerin und Professorin für afroamerikanische Literatur Toni Morrison greift in ihrem aktuellen Roman den Rassismus in den USA auf und was er mit den Betroffenen macht: eine Geschichte von internem Rassismus und dem Weg hinaus.



Seit Jahrzehnten zeigt die mittlerweile 86jährige Toni Morrison den Rassismus in den Vereinigten Staaten auf, der auch 150 Jahre nach Abschaffung der Sklaverei weiter besteht. Aktueller denn je ist dieses Thema, gerade auch durch die Politik des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump.

Dass Rassismus zum eigenen Internen werden kann, erlebt die Protagonistin des Romans am eigenen Leib. Ihre Mutter sieht entsetzt auf das kleine Bündel, das da zwischen ihren Beinen zur Welt kommt. "Sie war so schwarz, dass sie mir Angst machte. Mitternachtsschwarz, sudanesisch schwarz … Teer ist der beste Vergleich, der mir einfällt." Lula Anns Mutter Sweetness zählt sich zu den Weißen, wie es bereits ihre Mutter tat: je heller desto besser.
Schnell wird klar, dass Lula Ann so keine Chance hat. Ihre Mutter lehnt sie ab. "...vielleicht habe ich meinem einzigen Kind ein paar schmerzhafte Dinge zugemutet, weil ich es schützen musste... Weil Hautfarbe eben nicht gleich Hautfarbe ist. Erst konnte ich unter all dem Schwarz nicht erkennen, wer sie eigentlich war, und konnte sie einfach nicht liebhaben." Sie berührt ihre Tochter so wenig wie möglich.

Lula Ann kehrt diese vermeintlichen Gegebenheiten um: sie arbeitet sich nach oben, legt ihren Geburtsnamen ab und nennt sich künftig Bride, sie wird Chefin eines Kosmetikunternehmens. Auf den Rat eines befreundeten Modeberaters trägt sie nur weiß: "Du solltest immer Weiß tragen … schwarz ist das neue Schwarz. Lässt die Leute an Schlagsahne und an Schokoladensoufflé denken."
Ihre Schönheit ist ihre Rache. "Ich wurde eine tiefschwarze Schönheit … Ich verkaufe meine schwarze Eleganz an all die Plagegeister meiner Kindheit, und sie bezahlen mich teuer... Und ich muss zugeben, dass es mehr als eine Entschädigung ist, all jene, die mich gequält haben … heute vor Neid sabbern zu sehen, wenn sie mir begegnen."

Dann begegnet ihr Booker. Booker leidet unter dem Tod seines Bruders, der von einem pädophilen Mörder umgebracht wurde. Booker und Bride verlieben sich ineinander, doch Booker kann in ihre Seele sehen und sieht darin das kleine vereinsamte Mädchen, das von der Mutter statt mit Liebe mit Strenge und Liebesentzug erzogen wurde und das trotz Brides großem Erfolg immer noch existiert. Booker verlässt Bride, deren Leben in eine Krise gerät. Sie steigt in ihren Jaguar, um sich auf die Spuren ihrer Kindheit zu begeben.

Toni Morrison beschreibt diesen inneren Prozess als einen Äußeren: konfrontiert mit dem kleinen Mädchen in sich, verliert Bride zeitweilig Schamhaar, Brüste und Körperfülle und wird konfrontiert mit einem dunklen Geheimnis: damit sie einmal Beachtung und Zuwendung seitens ihrer Mutter erhält, entscheidet sich das Mädchen für eine fatale Falschaussage.

Toni Morrisons schmaler Roman beginnt vielversprechend und spannend, driftet dann aber in zahllose Nebenschauplätze und -entwicklungen ab, die nicht aufgelöst werden. Dabei geht ihr eigentliches Sujet fast unter. Sie überfrachtet den Roman – das aber mit einer meisterinnenhaften und stilsicheren Sprache.
Die wechselnde Perspektiven der Erzählerinnen und Erzähler bringen die Leserin zwar dazu, sich in unterschiedlichen Dilemmata und Wahrheiten zu bewegen, was anregend ist – es entsteht aber der Eindruck, als sei dieser Roman eher Grundlage eines größeren, weiteren und elaborierteren Werkes.

AVIVA-Tipp: Lose Enden, Widersprüche und thematische Überfrachtung lassen die Leserin von Morrisons neuem Roman trotz der großartigen Sprache eher ratlos zurück.

Zur Autorin: Toni Morrison wurde am 18.2.1931 in Lorain, Ohio, USA geboren. Nach dem Besuch örtlicher Schulen 1949 Beginn des Studiums an der Howard University in Washington, DC. Erste Erfahrungen mit dem Südstaaten-Rassismus während einer Tournee als Mitglied der Universitätstheatergruppe. Ab 1953 Anglistikstudium an der renommierten Cornell University bis zum Magisterabschluss 1955. Lehrtätigkeit, zunächst an der Texas Southern University (1955-1957), danach an der Howard University (1957-1964).
1965 Umzug nach New York und Lektorinnentätigkeit beim Verlag Random House. Zu ihren bedeutendsten Werken zählen u.a. "Sehr blaue Augen", "Solomons Lied" "Menschenkind", "Jazz", "Paradies", "Teerbaby", "Sula" und die Essaysammlung "Im Dunkeln spielen" über die Antinomien von weißer und schwarzer Kultur. Seit 1989 Professorin für afroamerikanische Literatur an der Princeton University, NJ. Auszeichnungen: National Book Critics´ Circle Award (1978), American-Academy-and-Institute-of-Arts-and-Letters Award für Erzählliteratur (1980), Cleveland Arts Award für Literatur (1980), Robert F. Kennedy Book Award (1988), Melcher Book Award (1988), Unitarian Universalist Award (1988), Nobelpreis für Literatur (1993), Commandeur des Arts et des Lettres, Frankreich (1993). (Verlagsinformation)

Zum Übersetzer: Thomas Piltz geboren 1949 in München. Freier Fotograf und Übersetzer von u.a. Thomas Pynchon, Jonathan Franzen und John Updike. Ausgezeichnet mit dem Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Übersetzerpreis.

Toni Morrison
Gott, hilf dem Kind

Originaltitel: God Help The Child
Aus dem Englischen von Thomas Piltz
Rowohlt Verlag, erschienen im Mai 2017
Hardcover, 203 Seiten
19,95 Euro
ISBN: 978-3-498-04531-9
www.rowohlt.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Toni Morrison - Gnade
Wer die Inhaltsangabe des neuen Romans von Toni Morrison liest, hat sofort Nina Simones Hit "Four Women" im Ohr. Hier wie dort geht es um die Schicksale von vier Frauen. Bei Simone sind alle vier schwarz. Ihr Song thematisiert die Stereotypisierung und Unterdrückung schwarzer Frauen durch eine weiß dominierte Gesellschaft. (2010)

Toni Morrison - Liebe
Das Buch handelt von der Liebe zwischen den Geschlechtern und zeigt auf, dass Frauen einfach anders lieben als Männer. (2005)



Literatur > Romane + Belletristik Beitrag vom 27.10.2017 Bärbel Gerdes 

   




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