Patricia Hempel - Metrofolklore. Lesung am 20. Oktober 2017, 20 Uhr, in Berlin - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

Happy End AVIVA_gegen_AFD
Aviva-Berlin > Literatur > Romane + Belletristik
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   J├╝disches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 
  Hier suchen, oder zur Sucheseite!


AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
 


AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2017




Happy Birthday AVIVA




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild f├╝r das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



<< Kleine Suche
Nutzen Sie gern unsere Suche in gr├Â├čerer Schrift!

TIPP: ├╝ber den Zur├╝ck-Button Ihres Browsers kommen Sie erneut zur Suche.




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 12.10.2017

Patricia Hempel - Metrofolklore. Lesung am 20. Oktober 2017, 20 Uhr, in Berlin
Ahima Beerlage

L├Ąsst sich heillose Romantik mit bei├čendem Sarkasmus verbinden? Die freie Journalistin (Politikressort bei Forum - Das Wochenmagazin) Patricia Hempel schafft diesen Spagat in ihrem Erstlingsroman ├╝ber eine Arch├Ąologiestudentin, die ihre unerreichbare Traumfrau mit Minnesang und antiken Idealen anschmachtet, w├Ąhrend sie gleichzeitig ihr Umfeld mit spitzer Feder aufspie├čt. Dabei schert sich die Geschichte...



... aus dem Berliner Student_innenleben einen feuchten Kehricht um Political Correctness.

Dichtung und Drogen

Die Handlung des Romans ist auf den ersten Blick schnell erz├Ąhlt. Die lesbische Ich-Erz├Ąhlerin, der die Autorin bei der Buchpremiere attestierte, autobiografisch inspiriert zu sein, studiert Arch├Ąologie in Berlin und arbeitet wenig euphorisch in den Semesterferien auf Ur- und fr├╝hgeschichtlichen Ausgrabungen. "Generell ist es egal, was ich in meinem Leben ausgrabe. Es l├Ąuft in der Regel glatt, weil ich die Dinge nicht zu ernst nehme. Falls doch, dann nur als Teil situativer Selbstinszenierung. Das bringt mir den Vorteil einer Existenz mit Zufriedenheitsfaktor, ohne in ein akademisches Lesbenpunk-Image abdriften zu m├╝ssen."

Sie wohnt in einer WG mit Julie, die in einem emotional anstrengenden BDSM-On-Off-Verh├Ąltnis mit Carsten verstrickt ist, und mit Julek, einem Schwulen mit wechselhaftem Sexleben. "Ich habe die Eigentumswohnung meiner Mutter am Savignyplatz ungern aufgegeben, um mit Julie dieses Dreizimmerloch am Tempelhofer Flugfeld zu beziehen. Nach vier Jahren Internat f├╝r Wohlstandsjunkies und schwererziehbare Bildungsb├╝rger hatte ich in Charlottenburg zum ersten Mal das Gef├╝hl, eine Privatsph├Ąre zu besitzen."

Ihr Alltagsverh├Ąltnis hei├čt Anika. Die Liebe ist nicht gro├č, aber Anika ist eben da. Nur Anikas Kinderwunsch ist der Heldin mehr als unheimlich. Trotz aller Abgebr├╝htheit ist sie auf der Suche nach der absoluten Sch├Ânheit, der sie mit Minnegesang und Dichtung ihre Liebe vor die edlen F├╝├če legen kann. Doch in ihrem studentischen Alltag ist dazu wenig Gelegenheit. "Es ist hart, lesbisch zu sein, wenn die Weiber um einen herum aussehen wie Walk├╝ren mit stark erh├Âhten Cholesterinwerten.2 Deshalb konzentriert sie ihre libidin├Âsen Sehns├╝chte auf die makellos erscheinende Assistentin des ebenso makellosen Professor Baumann. Die Angebetete hei├čt ÔÇô welch Zufall ÔÇô Helena. In jeder Vorlesung schmachtet sie die Unerreichbare an, die ihrerseits den Professor anschmachtet. Als die Sehnsucht, Helena zu erobern, immer gr├Â├čer wird, macht sie sich an die ├╝bergewichtige, aber durchaus sinnliche Romy, die beste Freundin von Helena heran. Da aber sowohl Helena als auch Romy hetero sind, wird die Eroberung nicht leichter. Ihren Alltag aus Partys, Barbesuchen und Studium balanciert sie virtuos mit unterschiedlichen Drogen von THC bis Pillen. Soweit, so Berlin. Ein nicht wirklich spannender Plot, ÔÇŽ

#Seneca

ÔÇŽw├Ąre da nicht die messerscharfe Beobachtungsgabe, gepaart mit Sarkasmus und unerschrockener Schnodderigkeit. In Zeiten von Buchstabensalaten wie LGBTQI+, Unterstrichen und Sternchen, korrektem Gendern und Aufhebung der Geschlechter kommt dieser Roman sprachlich ultimativ politisch unkorrekt daher. Da wird sich munter ├╝ber ├ťbergewichtige ausgelassen und die eigenen Geschlechtsgenossinnen durch den Kakao gezogen. "Aber Homophobie hat viele Gesichter und kommt manchmal sogar aus den eigenen Reihen. Es gibt viele Frauen, die auf Frauen stehen und es lieber anders h├Ątten. Das gilt vor allem f├╝r die Damen Ende 20, Mitte 30, die auf leeren Nestern sitzen und nichts au├čer Reisepl├Ąne und grippale Infekte ausbr├╝ten. Der Tenor: Alles w├Ąre einfacher, w├╝rde man wie jede andere auf M├Ąnner stehen. Unterbewusst f├╝hlt man sich vom System verarscht, aber nat├╝rlich geht nur die Minderheit der Minderheit auf die Stra├če und k├Ąmpft gezielt f├╝r nachhaltige RechteÔÇŽMan kann sich seine Sexualit├Ąt nat├╝rlich nicht aussuchen, aber in unseren Breitengraden ist Lesbischsein mit fortschreitendem Alter eine politische Entscheidung und bed├╝rfte mehr Aktionismus.2

Was wie die ungefilterten Gedanken einer st├Ąndig Zugedr├Âhnten daherkommt, ist formal streng gegliedert. Ihre in Kapitel gegossene Beobachtungen m├╝nden immer in einem sarkastischen Fazit, garniert mit in Hashtags gekleideten lateinischen Zitaten gro├čer antiker Dichter, eingestreuten mittelalterlichen Gedichten im Original und in der ├ťbersetzung und Auflistungen von W├╝nschen, Zielen oder Beobachtungen.

Verr├Ąterisches Vergn├╝gen

Erstlingswerke kommen h├Ąufig mit angezogener Bremse daher. Die Schreibenden wollen eine breite Zielgruppe ansprechen und wollen erst einmal beweisen, dass die Verfasser_innen im Schreiben sattelfest sind. Daher sind oftmals sehr formal und eher vorsichtig. Patricia Hempel interessiert eine solche Vorsicht gar nicht. Wie ein politischer Caspar Hauser l├Ąsst sie alle feministisch eingef├╝hrten Schreibregeln au├čen vor, l├Ąsst sich abf├Ąllig ├╝ber Dicke und Behinderte aus und zieht ihre eigene sexuelle Minderheit der Lesben durch den Dreck. Da sie dabei aber nie die Selbstironie ausl├Ąsst, wirkt ihre spitze Zunge weniger ├╝berheblich. Auf der Stelle m├╝sste jede Leserin politisch und pers├Ânlich beleidigt oder emp├Ârt sein. Doch das ist nicht m├Âglich. Der trockene Sprachwitz der Autorin, ihre brillante Beobachtungsgabe und Belesenheit machen das Buch zu einem gro├čen Vergn├╝gen.

AVIVA-Tipp: Patricia Hempel l├Ąsst in ihrem Erstlingsroman unerschrocken kein politisch korrektes Fettn├Ąpfchen aus. Deshalb ist das Buch auf keinen Fall geeignet f├╝r die Beteiligten im Kampf lesbisches Establishment gegen queere non-bin├Ąre Befreiungsfront oder die, die gerne einen verletzungsfreien Schutzraum h├Ątten. Die Protagonistin des Romans lebt jenseits jeder Szene ihre schr├Ągen lesbischen Gel├╝ste aus und reflektiert mit spitzer Zunge den nur durch Drogen bunten Berliner Alltag der Hipster. Ein Lesevergn├╝gen f├╝r die, die ein bisschen intellektuelles Posing und viel (Selbst)ironie am├╝sant finden ÔÇô und die mal eine Pause brauchen von aller Rechthaberei und auch einmal h├Ąssliche Wahrheiten vertragen.

Zur Autorin Patricia Hempel:, geboren 1983 in Berlin, studierte erst Ur- und Fr├╝hgeschichte, bis es sie von Berlin nach Hildesheim und von der Arch├Ąologie zum literarischen Schreiben zog. Es folgten Ver├Âffentlichungen in Zeitschriften, Magazinen und Anthologien und 2014 die Ernennung zur Wolfsburger Stadtschreiberin. Heute arbeitet Patricia Hempel als freie Journalistin (Politikressort bei Forum - Das Wochenmagazin) und Autorin in Berlin. "Metrofolklore" ist ihr erster Roman. (Quelle: Klett-Cotta Verlag)



Lesung
20. Oktober 2017, 20 Uhr

ORI Berlin
Leseb├╝hne Neuk├Âlln
Friedelstra├če 8
12047 Berlin

Patricia Hempel
Metrofolklore

Verlag: Tropen, Deutsche Erstausgabe 9.9. 2017
ISBN: 978-3608503814
Gebundene Ausgabe: 207 Seiten
20.00 Euro
Mehr Info zum Buch und den Lesungsterminen unter: www.klett-cotta.de



Copyright Foto von Patricia Hempel: Ahima Beerlage

Literatur > Romane + Belletristik Beitrag vom 12.10.2017 Ahima Beerlage 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken