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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 31.05.2017

Louise de Vilmorin - Der Brief im Taxi
Tina Schreck

Nach "Julietta" und "Madame de" erschien im August 2016 ein weiterer Roman der französischen Schriftstellerin in deutscher Neuübersetzung von Patricia Klobusiczky im Dörlemann Verlag. "Der Brief im Taxi" erzählt die Geschichte einer unkonventionellen...



... jungen Frau, die sich in der elitären Welt der französischen Bourgeoisie zu verlieren droht.

Cécilie Dalfort hat ihren eigenen Kopf. Anstatt bedingungslos gefallen zu wollen und sich den Gepflogenheiten der reichen Leute anzupassen, erobert sie die Herzen mit ihrem Witz und ihrem unvergleichlichen Charme. Selbst als Gattin eines erfolgreichen Bankiers lässt sie sich nicht beirren und geht ihren eigenen Weg.

Cécilie, die zwar das gutsituierte Leben an der Seite ihres Mannes Gustave zu schätzen weiß, kritisiert dessen Bedürfnis nach Geld und Ruhm sowie vor allem den Gehorsam, welchen er seinen Vorgesetzten entgegenbringt. Trotz dieser Diskrepanzen halten beide an ihrer Ehe fest und die Beziehung des ungleichen Paares wirkt nach außen hin intakt. Diese Idylle währt bis zu jenem schicksalhaften Tag, an dem Cécilie einen Brief an ihren Bruder in einem Taxi verliert. Als dann auch noch der Finder des Briefes auftaucht, gerät ihr Leben aus den Fugen.

"Sämtliche Geheimnisse, große, kleine, schwere, leichte, funkelnde, wirbelnde, schwirrende…"

Es sind Äußerungen wie diese, die es den LeserInnnen erlauben, zur Gänze in Cécilies Welt einzutauchen und mit ihr zu fühlen.
Louise de Vilmorin versteht es mittels der von ihr komplex angelegten Figuren, aus einem unspektakulären Handlungsstrang eine spannungsreiche Geschichte zu kreieren, in der Banalitäten zu scheinbar unlösbaren Problemen werden. Die lyrische Sprache und die mit ihr kontrastierende Spitzzüngigkeit verleihen dem Roman lebendige Frische.

Der kritische Blick der Autorin auf die Welt der Reichen und Schönen aus der sie selbst entstammt, ist stets mit einem Hauch von Ironie durchzogen. So klagen die feinen Damen weniger über allgemeinen Weltschmerz, als vielmehr über ihre Leber oder die ihrer Gatten. Geleitet von ihrem Hang zur Dramatik nimmt schließlich auch die Protagonistin vermehrt exzentrische Züge an. Beim Versuch, sich aus ihrer aussichtslosen Lage zu befreien, entpuppt sie sich zudem als wahre Lügenmeisterin. Verzweifelt ist sie um immer abstruser werdende Ausreden bemüht, was dem Roman seine einmalige Komik verleiht. Auch Gustaves bedingungslose Vertrauensseligkeit stellt eine amüsante Komponente dar, wobei es genau diese ihm anfänglich negativ zugeschriebene Eigenschaft ist, die sich am Ende als seine größte Stärke enthüllen wird.

Auch wenn der Roman auf den ersten Blick trivial erscheinen mag, setzt er sich mit elementaren Themen wie Verantwortung und Loyalität auseinander. Auf subtile Weise werden diese Werte hier auf die Probe gestellt. Es geht um tiefe Zerrissenheit und die Frage, ob es sich tatsächlich immer lohnt, den Vorhang zu lüften und die Wahrheit ans Licht zu bringen. Nicht mehr die Liebe steht im Zentrum des Geschehens, sondern die Ernüchterung, die mit all ihrer Härte zuzuschlagen droht.

Nach unzähligen Lügen und Verstrickungen endet Cécilies emotionale Fahrt dort, wo sie begonnen hat: in einem Taxi.

Anders als bei "Madame de" lassen sich in "Der Brief im Taxi" Parallelen zwischen Autorin und Protagonistin herstellen, nicht zuletzt, weil beide Frauen eine große Liebe zur Literatur hegen. Genau wie Louise de Vilmorin widmet sich auch Cécilie leidenschaftlich der Schriftstellerei und zieht sich in schweren Situationen in ihre Bücherkammer - zärtlich Ali Baba genannt - zurück, die ihr Kraft und Ruhe gibt. Doch auch das im Roman dargestellte Frauenbild stimmt insofern mit dem der Schriftstellerin überein, da beide schon in frühen Jahren selbstbestimmt handeln und sich gegen jegliche Konventionen stellen.

AVIVA-Tipp: "Der Brief im Taxi" ist ein herrlich erfrischender Roman, der sich durch viel Humor und Raffinesse auszeichnet. Die bildreiche blumige Sprache der Autorin, die ein wichtiges Stilmittel der damaligen Zeit repräsentiert, entführt die Leserin in eine vergangene Epoche des französischen GroßbürgerInnentums, für die Perfektion, Konvention und schöner Schein an erster Stelle stand. Louise de Vilmorin dechiffriert in ihren Gesellschaftsromanen diese Welt klug und unterhaltsam gleichermaßen.

Zur Autorin: Louise de Vilmorin wurde am 4. April 1902 in Verrières-le-Buisson bei Paris als einziges Kind von Phillippe Lévèque de Vilmorin und Mélanie de Gaufridy geboren. Zu ihren Lebensgefährten zählten unter anderem Antoine de Saint-Exupéry, der durch seinen Roman "Der kleine Prinz" bekannt wurde, André Malraux, der sie zum Schreiben anregte sowie Charles de Gaulles, späterer Ministerpräsident Frankreichs und Anführer der Streitkräfte für ein freies Frankreich, die im Zweiten Weltkrieg Widerstand gegen die deutsche Besatzung leisteten. Auch Jean Cocteau und Coco Chanel waren ihr wichtige BegleiterInnen. Die Autorin bewegte sich Zeit ihres Lebens in aristokratischen und künstlerischen Kreisen, was sie in all ihren Werken zum Ausdruck brachte. Der internationale Durchbruch gelang ihr mit dem Roman "Madame de", der 1953 von Max Ophüls (eigentlich: Max Oppenheimer) mit Vittorio de Sica, Danielle Darrieux und Charles Boyer verfilmt wurde. Ihren ersten Roman "Sainte-Unefois" veröffentlichte Vilmorin 1934. Weitere Veröffentlichungen: "Histoire d´aimer", "Julietta", "La lettre dans un taxi" und "Les belles amours" sowie mehrere Gedichtbände. Louise de Vilmorin starb am 26. Dezember 1969 in ihrem Geburtsort.

Zur Übersetzerin: Patricia Klobusiczky, geboren am 3. April 1968 in Berlin, studierte Literaturübersetzen an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf, arbeitete lange Jahre als Lektorin für Rowohlt und ist seit 2006 freie Übersetzerin, Moderatorin und Lektorin. Im Dörlemann Verlag sind bisher in ihrer Übersetzung "Julietta" und "Madame de" von Louise de Vilmorin erschienen.
(Quelle: Verlagsinformationen)

Louise de Vilmorin
Der Brief im Taxi

Originaltitel: La lettre dans un taxi
Dörlemann Verlag, Zürich 2016, erschienen am 17. August 2016
Deutsche Übersetzung: Patricia Klobusiczky
Gebunden, 208 Seiten, Lesebändchen
ISBN: 978-3-03820-033-8
Euro 18,00
doerlemann.com

Weiterlesen auf AIVIVA-Berlin:

Louise de Vilmorin - Madame de
Anlässlich des 110. Geburtstags der französischen Autorin erschien ihr bekanntestes Werk in der deutschen Übersetzung von Patricia Klobusiczky. Madame de, eine obskure Liebesgeschichte innerhalb der gesellschaftlichen Strukturen des französischen Adels. (2012)

Louise de Vilmorin - Julietta
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Irène Némirovsky - Jesabel und Der Ball
Das Werk der jüdischen Autorin wird nun auch in Deutschland postum wiederentdeckt. Die Verfasserin von "Suite française" und "Die Hunde und die Wölfe" war Ende der zwanziger Jahre der Star der Pariser Literaturszene, bis sie 1942 nach Auschwitz deportiert wurde und dort wenige Wochen später starb. (2008)

Literatur > Romane + Belletristik Beitrag vom 31.05.2017 AVIVA-Redaktion 

   




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