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AVIVA-BERLIN.de im April 2017 - Beitrag vom 09.03.2017

Anne Holt - Ein kalter Fall
Silvy Pommerenke

Die ehemalige norwegische Justizministerin und AnwĂ€ltin/Juristin Anne Holt hat mit "Ein kalter Fall" den mittlerweile neunten Krimi um Hanne Wilhelmsen geschrieben. Selbst diejenigen, die ihre vergangenen BĂŒcher nicht gelesen haben sollten, können ohne große Schwierigkeiten in ...



... das Krimi-Geschehen einsteigen, da die Autorin genĂŒgend Hinweise ĂŒber die vergangenen Geschehnisse gibt, so dass das LesevergnĂŒgen nicht eingeschrĂ€nkt wird.

Das Buch erschien in Norwegen unter dem Titel "Offline". Was sich darauf bezieht, dass die Terrorgruppe nicht ĂŒber das Internet kommuniziert, sondern eben offline - per Brieftauben oder Snail Mail. Hingegen der deutsche Titel, "Ein kalter Fall", lenkt die Leserin in eine ganz andere Richtung, auf eine ganz andere Spur. Warum sich der Verlag zu diesem Titel entschlossen hat, bleibt dessen Geheimnis - wie so oft bei Buchtiteln...

"Alltagsrassismus gemischt mit Hysterie ... eine lebensgefÀhrliche Mischung"

Anne Holt steigt rasant ein in ihren Krimi "Ein kalter Fall". Sie hĂ€lt sich nicht unnötig mit einem Warm-up auf, sondern schleudert die Leserin bereits auf Seite siebzehn in das schreckliche Geschehen hinein. Also keine Zeit fĂŒr langatmige ErklĂ€rungen. Das Szenario - ein Bombenattentat auf den Islamischen Zentralrat Norwegens mit nahezu dreißig Todesopfern - entspricht den heute leider fast schon alltĂ€glichen AnschlĂ€gen von Terroristen und der blitzschnellen Übermittlung von diesen Untaten via Internet. Spannung also quasi von der ersten Seite an. Und, Anne Holt hĂ€lt dieses Tempo im Verlauf der folgenden vierhundert Seiten bei.

Die ehemalige norwegische Justizministerin und AnwÀltin/Juristin versteht es nach wie vor, packend/fesselnd und spannend zu schreiben und der Leserin wird mit keiner Minute langweilig, diesen Krimi zu lesen. Nebenbei versteht es Holt auch, mit gÀngigen Geschlechterrollen zu brechen, indem sie den höchsten Posten der Polizei, den des PrÀsidiums, einer Frau zuschreibt, die einen mÀnnlichen SekretÀr hat, der ohne zu murren Geschirr abrÀumt und ansonsten vor allem durch seine modische und gepflegte aber dezente/unauffÀllige Erscheinung glÀnzt. Die Welt ist bei Anne Holt auf den Kopf gestellt!

Und auch, wenn die Serienheldin Hanne Wilhelmsen kaum Sympathiepunkte bekommt (schroff, sozial inkompatibel, empathielos), so ist sie doch in ihrer Art einmalig in der Krimi-Landschaft: lesbisch, querschnittsgelĂ€hmt, mit einer tĂŒrkischen Muslima verpartnert und einer gemeinsamen zehnjĂ€hrigen Tochter. Außerdem, wer sagt denn, dass Krimi-Heldinnen sympathisch sein mĂŒssen...

"Das gesamte Spektrum von Bomben bis Extremismus"

Die Autorin hat gut recherchiert: der Leserin werden Begriffe wie Qamis, Jabador, Takke oder Umma vorgesetzt, ohne dass die Autorin ErklÀrungen dazu angibt. Sie setzt einfach voraus, dass diese Begriffe bekannt sind bzw. dass das Internet schon die richtige Lösung prÀsentiert. Tut es denn dann auch, und die Leserin bekommt - dank der Internet-Recherche - ein buntes Bild des Romans vermittelt.

Ein kalter Fall, ĂŒbernommen aus dem englischen cold case, bedeutet, dass ein alter, unabgeschlossener Fall neu aufgerollt wird. Hanne, die vor elf Jahren bei einem Polizeieinsatz angeschossen wurde und seitdem im Rollstuhl sitzt, hatte den Polizeidienst als Hauptkommissarin quittiert und auch den Kontakt zu sĂ€mtlichen Kolleginnen und Freundinnen eingestellt. Nun wird sie aber von der Polizeidirektorin Silje SĂžrensen wieder ins Boot geholt, um sich um die cold cases zu kĂŒmmern. Zusammen mit dem neuen Kollegen Henrik Holme. Der ist aber nur ein (unzufriedener) Handlanger und wĂŒrde viel lieber am aktuellen Terrorfall arbeiten als sich mit verstaubten Altlasten abzugeben. Trotzdem entwickelt sich zwischen den beiden Outlaws eine sehr spezielle berufliche Beziehung, und sie ergĂ€nzen sich perfekt, um den Fall zu lösen. Und dann gibt es da noch Billy T., der ehemalige Kompagnon von Hanne, der so seine ganz eigenen Sorgen hat...

Beeindruckend auch, wie Anne Holt die vielen verschiedenen ErzĂ€hlstrĂ€nge am Ende zusammenfĂŒhrt, und wie vermeintlich UnzusammenhĂ€ngendes dann doch ineinander aufgeht. Und das Ende wurde von der Autorin so konstruiert, dass es förmlich nach einer Fortsetzung schreit. Wenn Anne Holt ihre bisherige Publikationsrate der Hanne Wilhelmsen Krimis beibehĂ€lt, dann mĂŒssen wir nur ein paar Jahre warten, bis wir sehen, wie und ob die Geschichte weitergeht...

AVIVA-Tipp: Anne Holt entwickelt auf unterschiedlichen ErzĂ€hlstrĂ€ngen einen packenden sozialkritischen Krimi, der ein wahrer Pageturner ist. Dank intensiver Recherche gibt sie so ein aktuelles Bild von Norwegen preis, das leicht ĂŒbertragbar auf ganz Europa ist: Rechtspopulismus, Rassismus, religiöser Wahn und Terror sind die großen Schlagworte dieses Krimis. Belletristik in ihrer schönsten und intelligentesten Form!

Zur Autorin: Anne Holt, geboren 1958 in Norwegen, arbeitete viele Jahre als Journalistin und RechtsanwĂ€ltin. Schließlich auch fĂŒr einige Monate als norwegische Justizministerin. Dass sie einmal ausschließlich als Schriftstellerin arbeiten wĂŒrde, hĂ€tte sie sich nicht ertrĂ€umt. Aber bereits ihr Debut "Blind Gudinne" (Blinde Göttin) von 1993 wurde ein voller Erfolg (zu diesem Zeitpunkt hatte sie noch einen Vollzeitjob als RechtsanwĂ€ltin und hat - eben mal so nebenbei - in den NĂ€chten ihr Erstlingswerk geschrieben). Ihr Verlag drĂ€ngte sie daraufhin, ein weiteres Buch zu schreiben. Und auch ihr zweites Buch sorgte fĂŒr Furore. Mittlerweile hat sie achtzehn Romane geschrieben. Sie versteht ihr Handwerk aufs Beste, und ihre Aussage, dass sie eigentlich nicht gerne schreiben wĂŒrde, mag frau ihr so gar nicht abnehmen...
Anne Holt im Netz: www.anneholt.no

Zur Übersetzerin: Dr. Gabriele Haefs studierte in Bonn und Hamburg Sprachwissenschaft. Seit 25 Jahren ĂŒbersetzt sie u.a. aus dem DĂ€nischen, Englischen, NiederlĂ€ndischen und Walisischen. Sie wurde dafĂŒr u.a. mit dem Gustav- Heinemann-Friedenspreis und dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet, zuletzt 2008 mit dem Sonderpreis fĂŒr ihr ĂŒbersetzerisches Gesamtwerk. Sie hat u.a. Werke von Jostein Gaarder, HĂ„kan Nesser und Anne Holt ĂŒbersetzt. Zusammen mit Dagmar Mißfeldt und Christel Hildebrandt hat sie schon mehrere Anthologien skandinavischer SchriftstellerInnen herausgegeben.

Anne Holt
Ein kalter Fall

Piper Verlag, erschienen MĂ€rz 2017
Gebunden mit Schutzumschlag, 432 Seiten
Übersetzt von: Gabriele Haefs
ISBN: 978-3-492-05471-3
Euro 22,00
www.piper.de

Literatur > Romane + Belletristik Beitrag vom 09.03.2017 Silvy Pommerenke 

   




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