Jami Attenberg - Saint Mazie. Lesung am 22. März 2017 in Frankfurt am Main
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AVIVA-BERLIN.de im September 2017 - Beitrag vom 06.02.2017

Jami Attenberg - Saint Mazie
Romina Wiegemann

Die "heilige Mazie" wurde durch die Wohltätigkeit, die sie ab den 1920er Jahren unzähligen bedürftigen Menschen in der Bowery, einem südlichen Stadtviertel Manhattans, zuteilwerden ließ, eine lokale Legende.



Die jüdisch-amerikanische Autorin Jami Attenberg hat sich auf die Spuren dieser beeindruckenden Frau gemacht. Sie mischt ihre Rechercheergebnisse mit fiktiven Tagebucheinträgen und Berichten verschiedener Zeitzeug_Innen. Was dabei entsteht, ist ein einfühlsames Portrait, das die "Queen of the Bowery" in vielen Facetten schimmern lässt.

Mazie Philips wächst als mittlere von drei Schwestern bei ihren Eltern in Boston auf. Der Vater ist gewalttätig, deshalb sucht Rosie, die älteste Schwester, bei der ersten Gelegenheit das Weite und zieht nach New York. Sie heiratet Louis Gordon, einen Geschäftsmann, und holt ihre beiden Schwestern nach einiger Zeit zu sich. Die beiden jungen Frauen leben fortan mit Rosie und Louis unter einem Dach. Zu den Eltern besteht ab diesem Zeitpunkt kein Kontakt mehr. Jeanie träumt davon, Tänzerin werden und verfolgt dieses Ziel mit großem Ehrgeiz. Mazie dagegen will ihr Leben zunächst in vollen Zügen genießen. Sie ist einem starken Drink genauso wenig abgeneigt wie losen Männerbekanntschaften. Menschen und ihre Geschichten faszinieren sie, vor allem die der "Stadtstreicher" haben es ihr angetan. Die Arbeit in ihrer "Zelle", dem Kartenhäuschen des "Venice", Louis´ Kino, über das die New Yorker U-Bahn hinwegbraust, fühlt sich für Mazie, die ihre Zeit am liebsten auf der Straße verbringt, zunächst wie die Höchststrafe an. Und doch wird ihr Arbeitsplatz zum idealen Ort, um das Straßengeschehen zu beobachten und um sich nach Feierabend direkt unters Volk zu mischen.

Im Zuge ihrer nächtlichen Streifzüge wird Mazie Zeugin großer Armut. Sie beginnt, zunächst im Kleinen, dann in immer größerem Rahmen, den Menschen auf der Straße zu helfen, unterstützt die Gestrandeten mit Geld, und verliert sie niemals aus den Augen. Die Wohltätigkeit wird zu Mazies Lebensinhalt, den sie bescheiden und ohne einen Anflug von Selbstgefälligkeit betrachtet. Ihr Engagement wird angesichts der Auswirkungen der Großen Depression wichtiger denn je. Mazie richtet auf den Namen ihrer Mutter einen Fonds ein, der bis zu ihrem Tod bedürftigen Frauen und Kindern zur Verfügung stehen sollte. Als Eigentümerin des Kinos, das Louis ihr mittlerweile überschrieben hat, muss sie sich gleichzeitig um das Überleben des Betriebs kümmern, der vor dem Bankrott steht. Trotz privater Sorgen und persönlicher Trauerfälle lässt Mazies Engagement auf den Straßen der Bowery niemals nach. Die Menschen, denen sie helfen kann, geben ihr viel zurück. Kein Wort zu viel verliert sie darüber, was sie tagtäglich leistet. Charakteristisch für diese Haltung sind insbesondere auch die letzten Zeilen "Mazies unveröffentlichter Autobiografie":"Irgendwer hat sie mal geliebt. Mehr braucht man nicht zu wissen."

AVIVA-Tipp: Wie schon in Jamie Attenbergs hochgelobten Roman "Die Middlesteins" machen auch in "Saint Mazie" die psychologisch fein gesponnenen Charaktere und der liebevolle Blick der Autorin auf ihre Figuren den Charme des Romans aus. Das gilt bei weitem nicht nur für die Protagonistin Mazie, die den Leser_Innen mit ihrer geradlinigen und unverblümten Art vergleichsweise mühelos ans Herz wächst, sondern auch für die vielen zu Wort kommenden Zeitzeug_Innen, die an Schrulligkeit häufig nicht zu überbieten sind. Hervorzuheben ist auch die ungewöhnliche Form des Romans, der sich aus der Verknüpfung verschiedener historischer und fiktiver Berichte ergibt. Diese Multiperspektivität ist es, die wohltuende Abwechslung schafft und das Interesse an Mazies Geschichte bis zur letzten Seite wachhält. Zusätzlich reizvoll ist das Stück New Yorker Stadtgeschichte, das ganz nebenbei erzählt wird, aber für die Autorin, die seit vielen Jahren in New York lebt, von spürbarer Bedeutung ist.

Zur Autorin: Jami Attenberg, geboren 1971 in Illinois, studierte an der John Hopkins University in Baltimore und lebt in Brooklyn, New York. Mit dem erfolgreichen Kurzgeschichtenband "Instant Love" gab sie im Jahr 2006 ihr schriftstellerisches Debut. Seither hat Jami Erzählungen und Romane veröffentlicht. Ihre Erzählstil bescherte ihr Vergleiche mit Margaret Atwood und Alice Munro. Als Journalistin verfasst sie Artikel und Reportagen für THE NEW YORK TIMES, VOGUE und THE WALL STREET JOURNAL. Sex, Design, Technologie, Bücher, TV und Stadtleben gehören dabei zu den Themenschwerpunkten. Für DIE MIDDLESTEINS, ihr viertes Buch, wurde Jami Attenberg vielfach ausgezeichnet. (Quelle: Verlagsinformationen und Website der Autorin)
Mehr Informationen unter: www.jamiattenberg.com

Zur Übersetzerin. Barbara Christ studierte Literatur- und Theaterwissenschaften und arbeitete als Dramaturgin und Verlagslektorin. Seit 1997 übersetzt sie Theaterstücke und erzählende Literatur aus Großbritannien, Kanada und den USA, unter anderem von David Greig, Doris Lessing, Rosamund Lupton, Anthony Neilson, Bruce Norris, Jane Smiley und Simon Stephens.

Jami Attenberg
Saint Mazie

Übersetzt aus dem Englischen von Barbara Christ
Schöffling & Co., erschienen im August 2016
384 Seiten, Hardcover, gebunden mit Lesebändchen
ISBN: 978-3-89561-203-9
24 Euro
www.schoeffling.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Jamie Attenberg – Die Middlesteins
Mit Empathie und Humor erzählt die jüdisch-amerikanische Autorin und Journalistin
von den Middlesteins, deren ganze Sorge ihrem Familienoberhaupt gilt. Die fettleibige Edie ist nämlich drauf und dran, sich buchstäblich zu Tode zu fressen. (2015)

Literatur > Jüdisches Leben Beitrag vom 06.02.2017 Romina Wiegemann 

   




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