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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2017 - Beitrag vom 19.10.2016

Eva Lezzi - Die Jagd nach dem Kidduschbecher
Stefanie Höpfner

Nach literaturwissenschaftlichen Büchern und den Kinderbüchern "Beni, Oma und ihr Geheimnis", "Chaos zu Pessach" und "Beni und die Bat Mitzwa" hat Eva Lezzi nun auch einen Krimi geschrieben: für Leser_Innen ab 12 über zwei starke Protagonistinnen, gelebte ...



... Interreligiosität und –kulturalität, über Freundschaft und Loyalität.

Samira und Rebekka sind 13 Jahre alt und beste Freundinnen. Seit der vierten Klasse schon sind sie unzertrennlich und halten fest zusammen – über tatsächlich, aber auch vermeintlich bestehende kulturell-religiöse Unterschiede hinweg, denn Rebekka ist Jüdin, Samira Muslima. Das mysteriöse Verschwinden des sich schon lange in Familienbesitz befindenden Kidduschbechers von Rebekkas Familie allerdings, stellt die Freundschaft der beiden auf eine harte Probe. Der Verdacht fällt schnell auf Samira – hat sie doch den Abend zuvor bei Familie Melcer verbracht und nun ist der Becher zur Segnung des Weins am Schabbatabend spurlos verschwunden.

Zusammen mit der Künstlerin Anna Adam hat Eva Lezzi mit dem Verlag Hentrich & Hentrich bereits die Trilogie rund um den Jungen Beni und dessen Kindheit in einer deutschen christlich-jüdischen Familie veröffentlicht. Diese richtet sich vor allem an junge Leser_Innen ab 6 beziehungsweise ab 8 Jahren. "Die Jagd nach dem Kidduschbecher" ist Lezzis erster Kriminalroman - diesmal für Leser_Innen ab 12 Jahren. Die Geschichte zweier Mädchen geht weit über einen bloßen Jugendkrimi und die Suche nach dem verschwundenen Kidduschbecher hinaus.

Die Erzählung spielt im Sommer 2014 – Israel und Gaza bombardieren sich gegenseitig und der Krieg betrifft auch das alltägliche Leben von Juden und Muslimen außerhalb des Nahen Ostens. Konkrete Auswirkungen zeigten sich unter anderem in Westeuropa in Form von Demonstrationen gegen den Staat Israel, wobei politische Kritik vielerorts verdrängt und durch antisemitische Hetze und judenfeindliche Stereotype und Parolen ersetzt wurde. Wie die Autorin Eva Lezzi gleich zu Beginn der gut besuchten Buchpremiere von "Die Jagd nach dem Kidduschbecher" im interkulturellen Familienzentrum tam. in Berlin Kreuzberg Ende September 2016 eindrücklich betonte, waren diese Auswirkungen des Gazakrieges ein besonders schmerzhafter Punkt für sie persönlich: "Eine Zeit, in der Freundeskreise nicht mehr zusammengebracht werden konnten und Meinungen plötzlich tabuisiert wurden".

Themen, wie das Leben von Minderheiten innerhalb einer Mehrheitsgesellschaft, Religion und deren mannigfaltige Formen der Ausübung finden sich bereits in den Büchern der Beni-Trilogie und bilden auch in diesem Roman einen Rahmen der Geschichte. Besonders besticht die Erzählung rund um Rebekka, ihren kleinen Bruder Moritz und Samira durch Vielschichtigkeit. Neben dem ersten Liebeskummer, Pubertät, inneren Auseinandersetzungen wie auch denen mit Eltern und Geschwistern, Freundschaft, Erwachsen werden und Schule, geht es in "Die Jagd nach dem Kidduschbecher" um gelebten interkulturellen und-religiösen Dialog zwischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, der nicht von außen inszeniert, sondern gelebte Wirklichkeit vieler Menschen ist.

Es geht um Rassismus, Antisemitismus, Ausgrenzung auf der Basis tradierter Vorurteile und aufgrund von Auswirkungen staatlicher Politik im Nahen Osten auf die Familien von Samira und Rebekka in Deutschland. Eva Lezzi beschreibt all jene Konflikte und Auseinandersetzungen weder einseitig, noch beurteilend. Sie entwirft hingegen anhand der erdachten Hauptfiguren ein breites Spektrum an Individualität. Da ist Samiras Familie: Der Vater, der in Gaza geboren ist und nun Angst um die Sicherheit jener Verwandten hat, die noch dort leben. Samiras Mutter ist in Tunesien geboren und aufgewachsen. Anders als ihr Mann betrachtet sie den Krieg im Nahen Osten aus einer objektiveren Sicht und bemüht sich um Differenzierung. Auf der anderen Seite Rebekkas Familie, deren Geschichte eng verknüpft ist mit den Verfolgungen und der Ermordung von Juden während der Shoa. Die Eltern, die in Sorge um Verwandte in Israel sind und die Samira beschuldigen, den Kidduschbecher gestohlen zu haben und dies in kausalen Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten bringen.

Wie Dr. Türkân Kanbiçak, Mitarbeiterin des Pädagogischen Zentrums des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt am Main und am Abend der Buchpremiere Co-Leserin neben Eva Lezzi betonte, liegt die große Bedeutung des Buches darin, dass es gängige Stereotype auf keine Weise bestätigt und/oder produziert. Ganz im Gegenteil " […] füllt das Buch eine Lücke, […]" die bisher in für Schulen konzipiertem Lehrmaterial vorhanden ist: Diese bedienen, laut Kanbiçak, bislang vor allem gängige interkulturelle Muster und Zuschreibungen. Dagegen bietet Lezzi mit Hilfe ihrer Protagonist_Innen ein breites Feld von Identifikationsmöglichkeiten, die die Heterogenität der Leser_Innen spiegelt und Zuschreibungen eines vermeintlichen Kollektivs negiert.

In einem altersgerechten Glossar werden Begriffe aus dem jeweiligen religiösen Kontext, sowie Sätze auf Hebräisch und Arabisch, die sich im Fließtext immer wieder finden, erklärt. "Die Jagd nach dem Kidduschbecher" ist ein überaus gelungener Krimi mit einer thematisch großen Bandbreite, die vor allem gelebte Interkulturalität und -religiösität in all ihrer Vielfalt und fernab von vorgefertigten Zuschreibungen thematisiert und somit eben auch Individualität der Leser_Innen mitdenkt.

AVIVA-Tipp: "Die Jagd nach dem Kidduschbecher" – ein Jugendkrimi mit zwei starken Protagonist_Innen, die trotz bestehender Konflikte zusammenhalten und letztlich mit einer gewachsenen Freundschaft belohnt werden. Vor allem ist dieses Buch jedoch ein Plädoyer für gelebten Dialog - für ein mögliches und nötiges Miteinander fernab von religiös-kulturellen Stereotypen und Zuschreibungen innerhalb einer heterogenen Gesellschaft.

Zur Autorin: Eva Lezzi, geboren in New York und aufgewachsen in Zürich, Studium und Promotion in Berlin, Habilitation (Germanistische Literaturwissenschaft und Kulturwissenschaft) in Potsdam. Eva Lezzi arbeitet am Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk für jüdische Begabtenförderung und ist dort Projektleiterin von DAGESH. KunstLAB ELES. Sie hat mehrere literaturwissenschaftliche Bücher veröffentlicht, unter anderem erschien 2001 im Böhlau Verlag "Zerstörte Kindheit. Literarische Autobiografien zur Shoah", 2013 im Wallstein Verlag "Liebe ist meine Religion. Eros und Ehe zwischen Juden und Christen in der Literatur des 19. Jahrhunderts". Bei Hentrich & Hentrich erschienen von ihr die Kinderbücher "Beni, Oma und ihr Geheimnis" (2010), "Chaos zu Pessach" (2012) und "Beni und die Bat Mitzwa" (2015). Eva Lezzi lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Berlin.

Eva Lezzi
Die Jagd nach dem Kidduschbecher

124 Seiten, Broschur
Ab 12 Jahren
11, 90 Euro
Hentrich & Hentrich Verlag, Berlin, erschienen September 2016
www.hentrichhentrich.de

Mehr Infos zu DAGESH. KunstLAB ELES sowie zum Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES) unter:
www.dagesh.de

www.eles-studienwerk.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Eva Lezzi und Anna Adam – Beni und die Bat Mitzwa (2015)
Nach "Beni, Oma und ihr Geheimnis" und "Chaos zu Pessach" ist dies bereits das dritte Kinderbuch, das die Autorin Eva Lezzi und die Illustratorin und Künstlerin Anna Adam gemeinsam herausgeben.

Eva Lezzi und Anna Adam - Chaos zu Pessach (2012)

"Beni, Oma und ihr Geheimnis" von Eva Lezzi und Anna Adam (2010)

Literatur > Juedisches Leben Beitrag vom 19.10.2016 AVIVA-Redaktion 

   




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