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AVIVA-BERLIN.de im April 2017 - Beitrag vom 09.04.2016

Deborah Feldman - Unorthodox
Sigrid Brinkmann

Die Literaturkritikerin und Autorin für Literatur- und Feature-Redaktionen des Hörfunks Sigrid Brinkmann hat sich mit der Frau getroffen, deren Autobiographie auf Anhieb zum New York Times-Bestseller mit einer Millionenauflage wurde. Deborah Feldman, in der ultraorthodoxen...



... Gemeinde in Brooklyn aufgewachsen, hat diese Erfahrungen in ihrer autobiographischen Erzählung "Unorthodox" verarbeitet.

In den letzten Jahren verwandelte sich das ärmliche Williamsburg in Brooklyn in ein hippes Viertel. Mittendrin wohnen etliche tausend Familien der ultraorthodoxen Satmar-Gemeinde. Ihr Gründer, der in Rumänien geborene Rabbiner Joel Teitelbaum, war der festen Überzeugung, der Holocaust sei eine gerechte Gottesstrafe für Juden gewesen, die weltlich gelebt und ihren Glauben verraten hätten. Um "Gott nicht noch einmal herauszufordern", begann er 1948, ein eigenes frommes "Ghetto" zu bilden, eines, in dem Familien und Rabbiner bis heute streng über die Einhaltung einer frommen Lebensweise wachen.

Deborah Feldman wuchs in einer Familie von Satmar-Chassiden in Williamsburg auf. 2009 - sie war gerade 23 Jahre alt geworden - kehrte sie ihrem Ehemann und der Gemeinde den Rücken. Ihre 2011 erschienene autobiographische Erzählung "Unorthodox" war in den USA ein riesiger Verkaufserfolg. Jetzt legt der Secession Verlag für Literatur die deutsche Übersetzung vor. Sigrid Brinkmann hat Deborah Feldman, die seit einem Jahr in Berlin lebt und begeistert Deutsch lernt, getroffen.

"Unorthodox" ist die Geschichte einer Selbstbefreiung. Deborah Feldman zeichnet die vielen kleinen Schritte nach, die zwangsläufig zum Bruch mit der sittenstrengen Satmar-Gemeinde führen mussten. Ihr Ton ist feinsinnig und präzise, manche Schilderungen schmerzen beim Lesen, so, wenn sie erzählt, warum ihre Eltern nicht imstande waren, sie aufzuziehen und die Großeltern diese Aufgabe übernehmen mussten. Dass ihr Schritt hinaus aus dem Satmar-"Ghetto" auch die Beziehung zu ihnen abreissen ließ, bleibt eine Wunde im Leben der jungen Frau. Deborah Feldmans Buch verkaufte sich binnen weniger Monate mehr als eine Million mal. Weltliche New Yorker erfuhren plötzlich, wie Satmar-Familien darüber wachen, dass keines ihrer Kinder sich jemals assimiliert und sich ein Leben außerhalb der Sekte auch nur vorstellen kann. Deborah Feldman erhielt Hassmails, sie wurde bedroht, und ihre Angehörigen taten, was in chassidischen Familien üblich ist, wenn ein Mitglied sich abwendet: Sie erklären es für tot.

"In dem Prozess, die Fragmente zusammenzustellen, habe ich mich zusammen gestellt, d.h. ich wusste auch nicht, wer ich bin, während ich dieses Buch geschrieben habe, und wer ich überhaupt später sein werde. Aber jedes Wort, das geschrieben wurde, hat mich kristallisiert, lebhaft gemacht, und was passiert ist, habe ich einen Strich gemacht zwischen meiner Vergangenheit und meiner Zukunft."

Mit dem Buch bannte die damals 25-jährige eine Vergangenheit, die aus einer Kette von willkürlichen Bevormundungen bestand. Am ärgsten befremdete sie der eklatante, gewollte Mangel an Bildung. Deborah Feldman rebellierte früh gegen Lehrerinnen, die die heranwachsenden Mädchen entmutigten. Sie ging heimlich in Bibliotheken und hörte nachts Radio.

"Bücher sind irgendwann für mich ein Ersatz für alles andere geworden. Ersatz für Freunde, Ersatz für Liebe, Ersatz für Geborgenheit, und manchmal heute ist es noch so. Wenn mir etwas fehlt, wende ich mich an Bücher, und das habe ich wahrscheinlich als Kind gelernt."

Unerträglich war es für die Heranwachsende, dass man sie für das Tragen eines drei Zentimeter zu kurzen Rocks wortreich maßregelte, während die Misshandlung von Kindern und pädophiler Missbrauch offensiv mit Schweigen bedacht wurden. Als das Gerücht vom Mord, den ein Vater an seinem bei der Onanie ertappten Sohn begangen haben soll, in der Gemeinde die Runde machte, war der verbliebene Rest an Gehorsam aufgezehrt. Die Verheiratung im Alter von 17 Jahren und der Wegzug in eine Kleinstadt im Norden von New York war unter diesen Umständen als etwas Rettendes empfunden worden. Mit dem Blick einer Ethnologin schildert Deborah Feldman die umständlichen Riten der Brautwerbung und die monatelange Vorbereitung auf die Eheschließung. Sie spricht von der Qual, schnell schwanger werden zu müssen, von der anfänglichen Beziehungslosigkeit zu ihrem Sohn und der heimlichen Aufnahme eines Literaturstudiums. Sie bedauert, dass keine tiefere Verbindung zu den neuen Bekannten erwuchs.

"Ich habe in meine alte Welt nicht gepasst, und meine neue Welt hat mich als Theater angeschaut. Sie waren an den Geheimnissen der Gemeinde sehr interessiert, aber sie konnten mich nicht als Mensch und als Individuum wahrnehmen, weil sie die Chassiden in ihrer komischen Kleidung angeschaut und gedacht haben, die sind nicht wie uns und die können nie wie uns werden."

Souverän eröffnet Deborah Feldman den Leserinnen und Lesern sowohl Einblicke in eine Gesellschaft, die jeden Hunger auf weltläufiges Leben bestraft, wie ihre Sicht auf smarte New Yorker, die ihr nicht wirklich zutrauten, dass sie dauerhaft unorthodox leben könne und eine von ihnen würde. Nach einem Unfall, den sie als Zeichen Gottes ansah, entschied Deborah Feldman, ihren Mann und die Satmar-Sekte endgütig zu verlassen. Zwei Jahre später veröffentlichte sie ihr Memoir "Unorthodox", sie wurde geschieden und erhielt das Sorgerecht für ihren Sohn. Recherchen für ihr zweites Buch "Exodus" führten sie quer durch Europa. Nach Berlin kam sie mehrmals. Nun lebt sie in der Stadt, hat Freunde, fühlt sich ihren Großeltern näher als in New York und widerlegt die Überzeugung, Deutschland sei für Juden "verbrannte Erde".

"Jedes Mal wurde mir klarer, dass Berlin eine Art Heimat ist für Wurzellose, heimatlose Leute. Ich wohne hier jetzt ein bisschen mehr als ein Jahr und "wow" wirklich, Schock, dass ich höre mich das sagen, es ist mir jetzt klar, dass gegen all meine Ängste und Befürchtungen es möglich ist, wieder Wurzeln zu schlagen."

Zur Autorin: Deborah Feldman, geboren 1986 in New York, wuchs in der chassidischen Satmar-Gemeinde in Williamsburg, New York, auf. Ihre Muttersprache ist Jiddisch. Sie studierte am Sarah Lawrence CollegeLiteratur. Ihre autobiographische Erzählung "Unorthodox" erschien 2012 bei Simon & Schuster und war auf Anhieb ein spektakulärer New York Times-Bestseller mit einer Millionenauflage. 2014 folgte ebenso Aufsehen erregend "Exodus" bei Pinguin. Heute lebt die Autorin als Schriftstellerin mit ihrem Sohn in Berlin, wo sie im Jahr 2015 für die Realisierung ihres Dokumentarfilms "The Female Touch" über weibliche Identität und weibliche Sexualität vor dem Hintergrund ultraorthodoxer und fundamentalistischer Kulturen und Religionen von der Stiftung ZURÜCKGEBEN gefördert wurde.
Mehr Informationen zu Deborah Feldman unter:
www.deborahfeldman.com

Für das Bayern 2-Büchermagazin "Diwan" hat Sigrid Brinkmann "Unorthodox" von Deborah Feldman gelesen. Zu hören ist ihre Besprechung in der Sendung unter: www.br.de

Deborah Feldman
Unorthodox

Originaltitel: The Scandalous Rejection of My Hasidic Roots
Aus dem amerikanischen Englisch von Christian Ruzicska
Gebunden ohne Schutzumschlag, 319 Seiten
€ (D) 22,00 I CHF 25,00 I € (A) 22,60
ISBN 978-3-905951-79-0
ISBN 978-3-905951-80-8 (E-BOOK)
Auch als E-Book erhältlich
Secession Verlag, erschienen 29. Februar 2016
www.secession-verlag.com

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In ihrem preisgekrönten Spielfilmdebut gewährt die Regisseurin und Autorin einen intimen Einblick in die Welt einer ultra-orthodoxen chassidischen Familie in Tel Aviv. Selbst Teil dieser Gemeinde, erzählt sie aus der Perspektive der Insiderin eine Geschichte von Liebe, Heirat und Pflichtgefühl, in dessen Mittelpunkt die Selbstfindung einer jungen Frau steht.

GET - Der Prozess der Viviane Amsalem
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Ungehorsam. Der Debutroman von Naomi Alderman
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Anouk Markovits - Ich bin verboten
1939. Eine chassidische Gemeinde des Szatmarer Rebben in Siebenbürgen. Der 5jährige Josef Lichtenstein sieht, unter dem Küchentisch sitzend, zu, wie seine Mutter und seine kleine Schwester von einem Anhänger der rumänischen Eisernen Garde gemeuchelt werden. Florina, das rumänische Dienstmädchen, nimmt ihn zu sich, schneidet ihm die Schläfenlocken ab, nennt ihn Anghel und gibt ihn als ihren Sohn aus. Er lernt beten wie die Christen, Ochsen vor den Pflug zu spannen, den Acker zu pflügen und seine neue Mutter zu lieben. (2014)


Literatur > Juedisches Leben Beitrag vom 09.04.2016 AVIVA-Redaktion 

   




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