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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2017 - Beitrag vom 26.12.2016

Elke-Vera Kotowski, Anna-Dorothea Ludewig, Hannah Lotte Lund - Zweisamkeiten. 12 außergewöhnliche Paare in Berlin
Sharon Adler

Sie waren Schriftstellerin oder Frauenrechtlerin, Künstlerin oder Muse, politische Kämpferin ebenso wie Salondame und Intellektuelle. In ihren biographischen Portraits beleuchten die Wissenschaftlerinnen neue und wenig bekannte Aspekte ...



... dieser bemerkenswerten Frauen.

Vor dem Hintergrund der wechselvollen Kulisse dieser Stadt Berlins erforschen die Autorinnen Elke-Vera Kotowski, Anna-Dorothea Ludewig und Hannah Lotte Lund in zwölf Beiträgen (Januar bis Dezember) die glücklichen oder auch unglücklichen Lieben in all ihren Höhen und Tiefen.

In einem Fall ist das Gegenüber ein Hassobjekt: Ilse Koch.
Die Berliner Lyrikerin, Charakterdarstellerin, Kabarett- und Barbesitzerin Valeska Gert, am 11. Januar 1892 als Gertrud Valesca Samosch geboren, hatte Deutschland Anfang der 1930er Jahre als "entartete Künstlerin" verlassen. Ihre Flucht führte sie nach Frankreich, in die USA und nach England. In den USA verdiente sich die Künstlerin kurzzeitig ihr Geld als Tellerwäscherin, bis sie 1941 in New York die Beggar Bar eröffnete. 1946 eröffnete Gert in Provincetown für einen Sommer das Kabarett Valeska´s, bis sie schließlich 1947 nach Europa zurückkehrte. Dort eröffnete sie zunächst in Zürich, anschließend in Berlin das Kabarett "Hexenküche", in dem sie u.a. in die Rolle der "KZ-Kommandeuse Ilse Koch" schlüpfte, jene für ihre Grausamkeit bekannte und 1951 verurteilte Frau des Lagerkommandanten des KZ Buchenwald, die "Hexe von Buchenwald" und hielt damit Deutschland den Spiegel vor.

Ein Portrait aus einer anderen Epoche skizziert der Beitrag über Charlotte Berend-Corinth und Lovis Corinth. Die Malerin, am 25. Mai 1880 in Berlin in eine säkulare jüdische Familie geboren, war vor allem Muse und Modell für ihren wesentlich älteren Ehemann, den Maler und Begründer der "Malschule für Weiber", Lovis Corinth, für den sie trotz ihres großen Talents ihre eigene Karriere zurückstellte. Autorin Anna-Dorothea Ludewig zitiert neben sorgfältig recherchierten Informationen auch autobiographische Aufzeichnungen, in denen Charlotte Berend-Corinth betont "weder ein Opfer gewesen zu sein noch eines gebracht zu haben". Das im Buch abgedruckte Ölgemälde "Selbstbildnis mit Rückenakt" von Lovis Corinth aus dem Jahr 1903 zeigt ein anderes Bild – während er, angezogen, selbstbewusst mit Pinsel und Palette posiert, ist den BetrachterInnen Charlotte Berend-Corinths nackter Rücken zugewandt, die Hand liebend auf seine Brust gelegt.
Erst nach seinem Tod 1925 konnte sie ihr künstlerisches Talent ausleben und beweisen. Grob skizziert wird die Zeit im amerikanischen Exil, in das sie 1939 über die Schweiz emigrieren konnte – der Fokus liegt auf der Beziehung des Paares. Zuletzt wurden ihre Arbeiten in der Ausstellung "Berlin - Stadt der Frauen" gezeigt.

Bekannteste Vertreterin der Berliner "Jüdischen Salons", die von intellektuellen Jüdinnen geführt wurden, ist Rahel Varnhagen. Eingang in "Zweisamkeiten" gefunden hat die nicht weniger engagierte, 1764 in Berlin geborene Schriftstellerin Henriette Herz und ihre Beziehung mit dem Arzt und Schriftsteller Marcus Herz. Autorin Dr. Hannah Lotte Lund hat sich bereits in ihrem 2012 bei DE GRUYTER erschienen Buch "Der Berliner ´jüdische Salon´ um 1800" diesem Ort des Austauschs, der Vernetzung und hohen Gesprächskultur ebenso wie dem emanzipatorischen Aspekt der Salons der Frauen und der Jüdinnen sowie dem deutsch-jüdischen Dialog im Besonderen gewidmet.

Gezeichnet wird auch ein lebendiges Bild der politischen Denkerin Rosa Luxemburg und ihrer "rechten Hand" Mathilde Jacob. Die Marxistin und Pazifistin Luxemburg, die sich eher als "Internationalistin" denn als Jüdin verstand, hatte im Frühjahr 1915 der jüdischen Sozialistin Mathilde Jacob die Vollmacht "über ihre Angelegenheiten" erteilt, ein Wendepunkt in ihrer Freundschaft, die Hannah Lotte Lund akribisch recherchiert hat.
Die als "Der blaue Engel" 1930 unsterblich gewordene Marlene Dietrich überschrieb ihre Memoiren mit "Ich bin, Gott sei Dank, Berlinerin". Die Liebesgeschichte mit ihrem "Entdecker", dem aus Wien nach Hollywood emigrierten Josef von Sternberg liefert viele neue Aspekte auf das Traumpaar, das sich künstlerisch gegenseitig befruchtete.

Auserlesene Berliner Paare unterschiedlichster Epochen und Konstellationen

Der Melting-Pot Berlin hat verschiedenste Menschen hervorgebracht oder angezogen. Manche kamen nur auf der Durchreise, um lange zu bleiben, viele mussten die Stadt auf der Flucht vor den Nazis verlassen. So mannigfaltig wie die in "Zweisamkeiten" portraitierten Paare sind auch ihre Beziehungen. Manche waren von Dauer, einige hielten nur für eine kurze Zeit, prägend aber waren sie für alle. Doch nicht nur im Privaten waren diese Paare außergewöhnlich – jede/r von ihnen war maßgeblich an der historischen Entwicklung der Stadt beteiligt. Die gelungene und sorgfältige Auswahl der Paare offenbart die große Vielfalt ihres künstlerischen oder gesellschaftlich-politischen Wirkens und die Impulse, die von diesen Menschen ausgingen. In fesselnden, lebendigen Portraits skizzieren die Autorinnen in ihren Forschungen ihre Lebens- und Liegegeschichten, analysieren das jeweilige Beziehungsgeflecht und stellen sie in den Kontext ihrer Zeit sowie ihre Beziehungen darüberhinaus.

Die Paare im Überblick

Henriette und Marcus Herz
Valeska Gert und Ilse Koch
Charlotte Berend-Corinth und Lovis Corinth
Gabriele Tergit und Georg Käsebier
Rosa Luxemburg und Mathilde Jacob
Hedwig und Ernst Dohm
Margarete Oppenheim und Paul Cézanne
Else Lasker-Schuler und Prinz Jussuf von Theben
Franz und Helen Hessel
Melitta von Stauffenberg und die Sturzkampfbomber
Lotte Laserstein und Traute Rose
Marlene Dietrich und Josef von Sternberg

AVIVA-Tipp: So unterschiedlich die in "Zweisamkeiten" beschriebenen Paare und ihre Beziehungen auch waren – eines ist ihnen gemeinsam: Ihre Verbundenheit zu dieser besonderen Stadt, Berlin, die sie mitgeprägt haben und von der sie geprägt wurden. In diesem Sinne ist dieses Büchlein ein inspirierendes (jüdisches) Berlin-Lesebuch und Liebeserklärung an die Liebe in Einem.

Zu den Autorinnen:

Hannah Lotte Lund

geboren 1971, studierte in Berlin, Amsterdam und Oxford und promovierte zum Berliner "jüdischen Salon" um 1800. Als Historikerin arbeitet sie an der Schnittstelle von jüdischer Geschichte und Geschlechtergeschichte mit einem besonderen Interesse für die Geschichte der Bildung und des Wissens, intellektuelle Netzwerke und "Arbeitspaare" über die Jahrhunderte. Seit 2016 ist sie Direktorin des Kleist-Museums Frankfurt/Oder. Veröffentlichungen u.a.: "Der Berliner ´jüdische Salon´ um 1800".

Elke-Vera Kotowski
geboren 1961, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien, Potsdam, und Dozentin an der Universität Potsdam (Geschichte, Jüdische Studien, Kultur und Medien), forscht derzeitig zum deutsch-jüdischen Kulturerbe im In- und Ausland. Veröffentlichungen u.a.: Das biografische Lexikon "Juden in Berlin – Biografien" und "Valeska Gert. Ein Leben in Tanz, Film und Kabarett".

Anna-Dorothea Ludewig
geboren 1976, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien, Potsdam, und Dozentin an der Universität Potsdam sowie Redaktionsmitglied von MEDAON – Online-Magazin für Jüdisches Leben in Forschung und Bildung. Veröffentlichungen u.a.: "Eine Debatte ohne Ende - Raubkunst und Restitution im deutschsprachigen Raum", herausgegeben von Anna-Dorothea Ludewig und Julius H. Schoeps.

Zweisamkeiten. 12 außergewöhnliche Paare in Berlin
Elke-Vera Kotowski, Anna-Dorothea Ludewig, Hannah Lotte Lund

Hentrich & Hentrich Verlag Berlin, erschienen 2016
Sprache: Deutsch
262 Seiten, Klappenbroschur, 54 Abbildungen
ISBN: 978-3-95565-135-0
19,90 €
www.hentrichhentrich.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Hedwig Dohm - Feuilletons 1877-1903. Herausgegeben von Nikola Müller und Isabel Rohner
1873 forderte Hedwig Dohm das Stimmrecht für Frauen und setzte sich in ihrem umfangreichen Gesamtwerk Zeit ihres Lebens für die politische, soziale und ökonomische Gleichstellung von Männern und Frauen ein: Brillante Texte, die bis heute nichts von ihrer Frische und Aktualität verloren haben. (2016)

Gabriele Tergit - Käsebier erobert den Kurfürstendamm
Als der Volkssänger Käsebier 1931 zum Megastar wird, ist Berlin ist eine aufregende und dynamische Stadt, eine Stadt vieler Kulturen und Identitäten. Der satirische Gesellschaftsroman der als Elise Hirschmann geborenen Schriftstellerin und Gerichtsreporterin erschien 1931 erstmals im Rowohlt Verlag. In den Folgejahren wurde das Werk über das Berlin der späten Weimarer Republik in verschiedensten Verlagen veröffentlicht, geriet schließlich in Vergessenheit, bevor er im Frühjahr 2016 im Schöffling Verlag von Nicole Henneberg herausgegeben und mit einem Nachwort versehen wurde. (2016)

Der blaue Reiter ist gefallen. Else-Lasker-Schüler-Jubiläumsalmanach
Zu ihrem 25-jährigen Bestehen hat die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft ihren elften Almanach herausgebracht. Er versammelt die Beiträge vom XX. ELS-Forum, das 2014, zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren stattgefunden hat. (2015)

Birgit Haustedt - Die wilden Jahre in Berlin. Eine Klatsch- und Kulturgeschichte der Frauen
Salonnières, Rennfahrerinnen, Künstlerinnen und Provokateurinnen aus Überzeugung prägten die weibliche Topografie Berlins in den 1920er Jahren. Valeska Gert, Vicki Baum, Dora Benjamin und andere Freigeister dekonstruierten gängige Frauenbilder - bis der Nationalsozialismus sie von der Bühne verbannte. (2013)

Elke-Vera Kotowski - Valeska Gert. Ein Leben in Tanz, Film und Kabarett
Zum 120. Geburtstag einer der wichtigsten Vertreterinnen des avantgardistischen Tanzes in den 1920er Jahren, die darüberhinaus in Filmen von Ottinger, Fellini, Fassbinder und Schlöndorff zu sehen war. Auch als Lyrikerin, Kabarett- und Barbesitzerin schaffte sich die am 11. Januar 1892 geborene Berlinerin eine Fangemeinde. (2012)

Anna Havemann - Gertrude Sandmann. Künstlerin und Frauenrechtlerin
Havemann ist nicht nur Kuratorin der aktuellen Gertrude Sandmann-Ausstellung und verwaltet deren Nachlass. In der Reihe "Jüdische Miniaturen" veröffentlichte sie nun zusätzlich eine Kurzbiographie zu der faszinierenden Malerin, die viel zu lange aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwunden war. (2011)

Literatur > Biographien Beitrag vom 26.12.2016 Sharon Adler 

   




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