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AVIVA-BERLIN.de im November 2017 - Beitrag vom 03.11.2017

Die Welt sehen - Buch und Regie von Delphine und Muriel Coulin. Kinostart am 9.11.2017
Helga Egetenmeier

Für die Freundinnen Aurore und Marine gab es nach ihrer Schulzeit nur die Wahl zwischen Aushilfsjob und Militär. Nun kehren sie aus ihrem Afghanistaneinsatz zurück, müssen jedoch vorher zum Stressabbau mit ihrer Truppe drei Tage in einem 5-Sterne-Hotel auf Zypern verbringen. Dort lassen die Regisseurinnen Coulin gegensätzliche...



... Lebenswelten aufeinander prallen und entwickeln ihre thrillerartigen Spannungen aus den voneinander abweichenden Geschlechtererwartungen bei der Armee.

Mitten zwischen sonnen- und erlebnishungrigen Tourist*innen absolviert eine aus Afghanistan zurückkehrende französische Soldat*inneneinheit eine dreitägige Dekompression. Dabei sollen sie ihren Kriegseinsatz verarbeiten, so dass nach der Heimkehr keine Traumata entstehen. Die französischen Militärpsycholog*innen verstehen diese Maßnahme als Schleuse zwischen einem feindlichen und einem friedlichen Umfeld, bei dem die Rückkehrenden ein Gefühl dafür bekommen sollen, zuhause keine Waffe mehr tragen zu müssen.

Der NATO-Einsatz in Afghanistan und die Rückkehrer*innen

Der zwischen 2001 und 2013 in Afghanistan erfolgte ISAF-Einsatz unter Leitung der NATO war ein sogenannter friedenserzwingender Einsatz unter Verantwortung der beteiligten Staaten. Die USA, Großbritannien und Deutschland, später auch Italien, stellten vor Frankreich die meisten Soldat*innen. Jedes Land gestaltete ihre Rückkehrprogramme unterschiedlich. In Deutschland fand die Einsatznachbereitung vier bis sechs Wochen nach der Rückkehr statt, in den USA startete das Programm dreißig Tage danach und auch nur für einen Teil der Reservist*innen. Für die französischen Soldat*innen war die Dekompression vor der Heimkehr Pflicht. Alle Programme strebten damit an, Suizid, Drogenmissbrauch und häusliche Gewalt der Kriegsrückkehrenden so gering wie möglich zu halten.

Die männliche Institution Militär

In ihrem, an diesem Rückkehrer*innen-Programmen angelehnten Film, entwerfen Delphine und Muriel Coulin die Geschichte zweier befreundeter Soldatinnen und ihrer drei Tage auf Zypern. Dazu haben sie sich für ihre Protagonistinnen mit der Bodentruppe des Heeres den Teil des französischen Militärs mit dem geringsten Frauenanteil ausgesucht. Dieser Truppenteil gilt als der am stärksten durch ein aggressives Männlichkeitsbild geprägt, welches durch Kampfeinsätze im Ausland verstärkt zum Vorschein tritt.

Die facettenreiche Gefangenheit zwischen männlichen und weiblichen Verhaltenserwartungen zeigen die Regisseurinnen entlang der Konfrontation des vertrauten zivilen Verhaltens und dem erwarteten militärischen Korpsgeist. Deshalb nehmen Aurore und Marine die explizit feminin auftretende Krankenschwester Fanny nur widerwillig mit auf ihren unerlaubten Trip mit zwei Unbekannten über die Insel. Doch alle Drei wollen raus aus dem vor Bikinimädchen strotzenden Hotel, das die meisten ihrer männlichen Kollegen begeistert.

Überzeugende Regieleistung der Schwestern Coulin

Wie bereits "17 Mädchen", der erste Spielfilm der Schwestern Delphine und Muriel Coulin über junge Schwangere, besticht auch dieser durch seine Ruhe und die Zeit, die er den Zuschauer*innen lässt, ein Gefühl für die komplexe Situation zu entwickeln. Ausdrucksvoll verteilen sie die unterschiedlichen Verarbeitungsweisen der vergangenen Kriegserlebnisse auf ihre Figuren. Während Aurore und Marine sich verständlicherweise bedroht fühlen, wenn sie allein auf ihr Geschlecht reduziert werden, stellt das für Fanny kein Problem dar.

Dass es nicht nur eine friedliche Koexistenz der Geschlechter beim Militär gibt und das dies durchaus mit dieser männlichen Institution zu tun hat, zeigt der Film auch. Die Regisseurinnen hätten sich gern noch mehr Zeit nehmen können, die Vermischung und Fragilität weiblicher und männlicher Geschlechterrollen komplexer aufzuzeigen, bevor die Geschlechterordnung gegen Ende des Films brutal wieder hergestellt wird, ehe die Soldat*innen ihrem Zuhause entgegenfliegen dürfen.

AVIVA-Tipp: Ein gut komponierter und kluger Film, der langsam in die Brutalität von Krieg und Sexismus innerhalb der Institution Militär hinein führt. Spannungsreich und machtvoll zeigt er, dass diese von Männern dominierte Organisation nur zeitweise in der Lage ist, eine formale Gleichstellung der Geschlechter aufrecht zu erhalten. Die Regisseurinnen nutzen eine beeindruckende Bildsprache, um diese institutionalisierten Geschlechtsidentitäten zur Diskussion zu stellen.

Auszeichnungen
Internationale Filmfestspiele von Cannes 2016: Un Certain Regard für das beste Drehbuch
Internationales Frauenfilmfestival Dortmund Köln 2017: Gewinner des Spielfilmpreises

Zu den Regisseurinnen und Drehbuchautorinnen: Delphine und Muriel Coulin: drehten zusammen bereits die Kurzfilme und Dokumentationen "Seydou" (2009), "Roue libre" (2002), "Germain" (2002), "Souffle" (2000) und "Il faut imaginer Sisyphe heureux" (1997). "17 Mädchen" war ihr erster gemeinsamer Spielfilm, der 2011 in Cannes auf den Internationalen Filmfestspielen lief und auf dem Internationalen FrauenFilmFestival Dortmund-Köln 2012 eine Lobende Erwähnung erhielt.

Zur Hauptdarstellerin: Soko, in Bordeaux als Stéphanie Sokolinski geboren, ist international sowohl als Sängerin, wie auch als Schauspielerin bekannt. Sie erhielt 2008 als Beste Nachwuchsdarstellerin eine César-Nominierung für ihre Rolle in "À l´origine", 2012 erschien ihr erstes Album "I Thought I Was an Alien". Beim Filmfestival in Cannes war sie 2016 gleich zweimal vertreten, als Loie Fuller in "Die Tänzerin" und für "Die Welt sehen".

Zur Hauptdarstellerin: Ariane Labed, Tochter französischer Eltern, verbrachte Teile ihrer Kindheit in Griechenland und ihrer Jugend in Deutschland, studierte zehn Jahre Tanz und machte ein Kunststudium an der Universität der Provence in Marseille. Für ihre erste Filmrolle, die der Marina in "Attenberg", erhielt sie bei den 67. Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2010 die Coppa Volpi als beste Darstellerin. Den internationalen Durchbruch schaffte sie 2016 in der Videospiele-Verfilmung "Assassin´s Creed", 2017 war sie in einer Inszenierung bei den Salzburger Festspielen zu sehen.

Zur Hauptdarstellerin: Ginger Romàn, geboren als Ginger Ringer im Jahr 1984, ist die Tochter von Catherine Ringer und Frédéric Chichin, die als Musikgruppe Les Rita Mitsouko bekannt wurden. Als Schauspielerin war sie bis jetzt hauptsächlich in TV-Serien und Kurzfilmen zu sehen, eine Nebenrolle hatte sie 2014 in "Zu Ende ist alles erst am Schluss" und 2017 in dem Spielfilm "Der Klang von Paris".

Die Welt sehen
Originaltitel: Voir du pays
Frankreich/Griechenland 2016, franz. OmU
Buch und Regie: Delphine und Muriel Coulin
Darsteller*innen: Soko, Ariane Label, Ginger Romàn, Karim Leklou, Andreas Konstantinou, u. a.
Kamera: Jean-Louis Vialard, Benoit Dervaux
Schnitt: Laurence Briaud
Verleih: Peripher
Lauflänge: 102 Minuten
Kinostart: 09.11.2017
www.fsk-kino.peripherfilm.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Frauen in der Roten Armee
Als "vertierte Flintenweiber" hat sie die NS-Propaganda denunziert, als "Feldmatratzen" wurden sie von den eigenen Landsleuten verhöhnt - weibliche Angehörige der sowjetischen Armee. Circa eine Million Frauen haben im Zweiten Weltkrieg in der Roten Armee gedient. (2015)

17 Mädchen - ein Film von Delphine und Muriel Coulin.
Camille (Louise Grinberg) ist siebzehn Jahre alt und schwanger. Der Erzeuger ist desinteressiert, ihre Mutter (Florence Thomassin) überfordert und ihr Abitur gefährdet - trotzdem beschließt sie, das Kind zu bekommen. (2012)

Ute Scheub - Heldendämmerung. Die Krise der Männer und warum sie auch für Frauen gefährlich ist.
"Die männliche Identität ist fragiler als die weibliche!", so die zentrale Aussage der Journalistin und Autorin Ute Scheub. In ihrem Buch eröffnet sie uns eine wahrhaft provokante These, die in Kontrast zu allem steht, was die Geschichte uns bisher über die Konstruktion von "Männlichkeit" gelehrt hat, oder nicht? (2010)

Kultur > Kino Beitrag vom 03.11.2017 Helga Egetenmeier 

   




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