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AVIVA-BERLIN.de im Juli 2017 - Beitrag vom 29.06.2017

Ihre beste Stunde. Drehbuch einer Heldin. Regie Lone Scherfig. Kinostart am 6. Juli 2017. Verlosung
Helga Egetenmeier

Basierend auf dem Roman "Their Finest Hour and a Half" von Lissa Evans. Catrin Cole bekommt 1940 in London ein ungew├Âhnliches Jobangebot: als Drehbuchautorin in einen Propagandafilm die weibliche Perspektive hineinzuschreiben. Regisseurin Lone Scherfig macht daraus...AVIVA verlost 2x2 Kinotickets



...einen facettenreichen Film, der durch trockenen britischen Humor, brillante Dialoge und beeindruckende Schauspieler*innen besticht und in dem dennoch die Schrecken des Zweiten Weltkrieges allgegenw├Ąrtig sind.

F├╝r Catrin Cole (Gemma Arterton) ist es ein Leben zwischen zwei Welten und zwei M├Ąnnern. In ihrer kleinen Wohnung lebt sie mit ihrem Mann, einem depressiven K├╝nstler und enterbtem Adligen, f├╝r den es unter seiner m├Ąnnlichen W├╝rde ist, dass sie als Frau das Geld f├╝r die Miete verdient. Doch ihr neuer Job als Drehbuchautorin f├╝r das Informationsministerium macht Catrin selbstsicher. ├ťber die spr├╝hende Streitgespr├Ąche mit ihrem wortgewandten Kollegen, dem brillanten Autor Buckley, erkennt sie ihre eigenen F├Ąhigkeiten und entdeckt ihre gro├če Leidenschaft f├╝r die Entwicklung von Geschichten.

Zwei beeindruckende Schauspielerinnen, Helen McCroy als Sophie Smith und Rachael Stirling als Phyl Morre, stehen der jungen Drehbuchautorin als emanzipierte Frauenfiguren zur Seite. Sophie Smith ist die neue Agentin des selbstverliebten Ambrose Hilliard, dem sie seine zeitgerechten F├Ąhigkeiten als alternder Schauspieler bewusst macht.

Die leider etwas im Hintergrund bleibende Figur der scharfsinnigen und k├╝hlen Phyl Moore besticht durch ihre feministischen Statements. Dabei erinnert sie an die unvergessliche Emma Peel und wurde passender Weise mit Rachael Stirling besetzt, der Tochter von Diana Rigg. Sie wendet sich immer wieder unterst├╝tzend an Catrin: "They┬┤re afraid they won┬┤t be able to put us back in the box when this is over, and it makes them belligerent."

Die Drehbuchautorinnen vor und hinter der Kamera

Der Drehbuchschreiberin Gaby Chiappe ist es zu verdanken, dass diese Vielzahl der Figuren und Handlungsstr├Ąnge - dem durch deutsche Bombenangriffe angstbesetzten London, den Dreharbeiten an der englischen K├╝ste und der sich emanzipierenden Autorin - nachvollziehbar bleiben. Die Geschichte basiert auf dem 2009 erschienenen Roman "Their Finest Hour and a Half" von Lissa Evans, das diesen kaum bekannten Abschnitt der britischen Filmgeschichte in den Mittelpunkt nimmt.

Evans lehnte den Charakter von Catrin Cole an die walisische Drehbuchautorin und Dramatikerin Diana Morgan (1908 - 1996) an, die w├Ąhrend der 1940er Jahre in den Ealing Studios arbeitete. Sie war daf├╝r eingestellt, die "Ekel"- und "Kitsch"-Passagen f├╝r die Frauenfiguren in die von M├Ąnnern dominierten Filme zu schreiben. Daraus entstanden dann im Laufe der Zeit mehr Filme mit st├Ąrkerer weiblicher Perspektive.

Das britische Kino w├Ąhrend des Zweiten Weltkriegs

In der Sepia-F├Ąrbung der Produktionen aus den 1940er Jahren gehalten, spielt der Film in dem durch Bombardierungen der deutschen Luftwaffe bedrohten und zerst├Ârten London. Zwischen dem 7. September 1939 und dem 16. Mai 1941 fielen "The Blitz" 43.000 Zivilist*innen zum Opfer und ├╝ber eine Million H├Ąuser wurden besch├Ądigt oder zerst├Ârt. So schlossen alle britischen Kinos in den ersten Kriegswochen aus Angst vor Angriffen. Doch f├╝r die Bev├Âlkerung war die Bedeutung der Kinobesuche gerade in dieser Zeit sehr hoch, so dass die Kinos wieder ├Âffneten. Damals gingen um die 30 Millionen Brit*innen, davon mehrheitlich Frauen, jede Woche ins Kino.

1942 erschien mit "We Serve" (1942) ein Film, der zur Rekrutierung von Frauen produziert worden war. Regie f├╝hrte Carol Reed, damals Offizier der britischen Streitkr├Ąfte, der auch mit "Der dritte Mann" (1949) bekannt wurde. Nur in Amerika gezeigt wurde sein dokumentarischer Kurzfilm "A Letter From Home" (1941), der als Appell an die Amerikaner*innen galt, die eigene Regierung zum Kriegseintritt zu motivieren. Dies ist auch ein thematischer Strang in "The Nancy Starling", dem Film im Film, mit dem sich das auftraggebende Informationsministerium an ein britisches, wie ein amerikanisches Publikum wendet.

AVIVA-Tipp: Wer den feinen und hintergr├╝ndigen englischen Humor liebt, der auch ernste Themen ausgezeichnet erfasst, ist in diesem Film genau richtig. Die Bedeutung der Kulturindustrie, wie auch der weiblichen Arbeitskr├Ąfte w├Ąhrend des Zweiten Weltkriegs wird durch die Schauspieler*innen bestens ins Gleichgewicht gebracht zwischen der D├╝sternis des Krieges und der kom├Âdiantischen Vermittlung einer Filmproduktion.

Zur Regisseurin: Lone Scherfig studierte Filmwissenschaft an der Universit├Ąt Kopenhagen und an der Sorbonne in Paris, sowie Regie an der Danske Filmskole und wurde durch den Dogma-Film "Italienisch f├╝r Anf├Ąnger" (2000) bekannt, f├╝r den sie 2001 den Silbernen B├Ąren auf der Berlinale erhielt. Bei dem 2003 erschienen "Wilbur wants to kill himself", schrieb sie am Drehbuch mit.

Zur Hauptdarstellerin: Gemma Arterton studierte an der Royal Academy of Dramatic Art und arbeitet auf der B├╝hne und f├╝r den Film. Ihren Durchbruch hatte sie 2008 als Bondgirl in "Ein Quantum Trost", daf├╝r gewann sie 2009 den Empire Award als Beste Newcomerin. Neben anderen Filmen spielte sie 2010 in Stephen Frears "Immer Drama mit Tamara" und 2016 neben Glenn Close in "The Girl with All the Gifts". 2016 war sie in der Wettbewerbsjury der 73. Internationalen Filmfestspiele in Venedig.

Zur Drehbuchautorin: Gaby Chiappe hatte mit "Ihre beste Stunde" ihr Spielfilmdeb├╝t. Sie ist erfahrene Drehbuchautorin f├╝r das Fernsehen und schreibt an langfristig angelegten Serien, wie "Family Affairs", "Doctors", "East Enders" und "Shetland". Bevor sie zum Schreiben kam, arbeitete sie auch als Schauspielerin und war Teil der feministischen Theatercompany "Trouble and Strife".

Zur Filmmusik: Rachel Portman studierte an der Universit├Ąt von Oxford Klassische Musik, Komposition und Orchestration. Als erste Frau bekam sie 1997 den Oscar f├╝r die Beste Filmmusik f├╝r "Jane Austens Emma". Zu ihrer beeindruckenden Filmografie geh├Âren unter anderem "Zeit f├╝r Legenden", "Mr. May und das Fl├╝stern der Ewigkeit" und "Alles, was wir geben mussten".

Ihre beste Stunde
Their Finest
Gro├čbritannien 2016
Regie: Lone Scherfig
Drehbuch: Gaby Chiappe
DarstellerInnen: Gemma Arterton, Sam Claflin, Bill Nighy, Helen McCrory, Rachael Stirling, u.a.
Verleih: Concorde
Laufl├Ąnge: 117 Minuten
Kinostart: 06.07.2017

Mehr zum Film unter: www.ihrebestestunde.de


AVIVA-Berlin verlost 2x2 Kinotickets. Bitte vervollst├Ąndigen Sie den folgenden Satz aus dem Trailer:"Frauen wie wirÔÇŽ" und senden uns eine Email mit Angabe Ihrer Postadresse bis zum 15.07.2017 an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de


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Kultur > Kino Beitrag vom 29.06.2017 Helga Egetenmeier 

   




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