20th Century Women. Kinostart 18. Mai 2017
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AVIVA-BERLIN.de im Juli 2017 - Beitrag vom 02.05.2017

Jahrhundertfrauen. 20th Century Women. Kinostart 18. Mai 2017
Hannah Hanemann

Der Oscar-nominierte Film erzählt eine humorvoll-anrührende Coming-of-Age Geschichte, in deren Zentrum drei Frauen und ein heranwachsender Junge sich den gesellschaftlichen Umbrüchen im Kalifornien der 1970er Jahre stellen. Annette Bening, Greta Gerwig und Elle Fanning beeindrucken mit hervorragenden schauspielerischen Leistungen.



"20th Century Women" von Regisseur Mike Mills ist einer dieser Filme, die durch eine gelungene Mischung aus Feel-Good-Movie, Comedy und Melancholie bestechen und die Zuschauer*innen mit einem leichten, glücklichen Gefühl im Bauch und Sehnsucht nach mehr aus den Kinosälen entlassen.
Eingebettet in die idyllische Landschaft Santa Barbaras, erzählt er von der Beziehung des 14 Jährigen Jamie (Lucas Jade Zumann) zu seiner alleinerziehenden Mutter Dorothea Fields (Annette Bening) und zwei weiteren weiblichen Bezugspersonen, der Mitbewohnerin Abbie (Greta Gerwig) und besten Freundin Julie (Elle Fanning).

Wie die meisten Jugendlichen ist Jamie vollauf mit seiner Selbstfindung beschäftigt. Seine Mutter Dorothea, eine offene und selbstbewusste Frau, die ihren Sohn liberal und liebevoll erzieht, muss dennoch feststellen, dass Jamie sich ihr immer mehr entfremdet. Vollkommen überfordert, bittet sie ihre Untermieterin, die Punkerin Abbie, sowie Jamies Freundin Julie um Hilfe bei der Erziehung ihres Sohnes.

Inhaltlich greift "20th Century Women" trotz seines eher ruhigen Plots so einige Themen auf: das Ende der Jimmy-Carter Ära in den USA, die Blütezeit der Punkbewegung, Freundschaft, Liebe, Familie und Feminismus. Die Beziehungen der Protagonist*innen untereinander werden beleuchtet, während zugleich eine sentimentale Reise in eine Zeit des Aufbruchs unternommen wird, in der Skate Boards, Punk und die Frauenbewegung einen Hauch von Freiheit heraufbeschwören.

Und jetzt alle: "Menstruation"!

Vor allem lebt "20th Century Women" jedoch von den authentischen Performances seiner Schauspielerinnen und den Vielschichtigkeiten seiner Charaktere. Besonders die Figur Dorothea Fields´, superb gespielt von Annette Bening (Ginger & Rosa, Mütter und Töchter, The Kids Are All Right), dominiert den Film und bleibt nachhaltig im Gedächtnis. Wenngleich intelligent, offen für Neues und humorvoll, gibt sie sich oft auch kratzbürstig und emotional verschlossen. So lautet ihr trockener Kommentar zu Jamies erstem Liebeskummer: "Having your heart broken is a tremendous way to learn about the world!"

Greta Gerwig spielt die Mittzwanzigerin Abbie, deren Leben erst vor Kurzem durch die Diagnose Gebärmutterhalskrebs erschüttert wurde. Sie hat dreigroße Leidenschaften: Punkmusik, Feminismus, und Fotografie.
In einer Szene, in der Dorothea ein Abendessen mit einer Gruppe von Freund*innen organisiert hat, fordert sie sämtliche Männer am Tisch auf, das Wort "Menstruation" auszusprechen, um gegen die Verurteilung des weiblichen Körper als "ekelig" zu protestieren.Jamies Freundin Julie, trotzig und zugleich zerbrechlich portraitiert von Elle Fanning, die zunächst schweigsam dabei sitzt, erzählt, angefeuert durch Abbies Aufforderung, daraufhin von ihrer ersten Periode und ihrem ersten Sex und präsentiert sich als moderne junge Frau, die zwar auf emotionaler Ebene ziemlich überfordert scheint, sich jedoch für ihre Sexualität und Weiblichkeit nicht schämt.
Während die meisten Männer am Tisch auf diese Enthüllungen recht gelassen reagieren, ist Dorothea Fields der Schock über den Verlauf des Gesprächs anzumerken. Die Ambivalenz ihres Charakters wird in dieser Szene sehr deutlich. So offen und fortschrittlich sie sich sonst auch gibt, das Gespräch ist ihr unangenehm und sie ist sichtlich wütend und angeekelt. Sie unterstützt Abbies feministische Ansätze und ihren Einfluss auf Jamie - aber nur innerhalb gewisser Grenzen, die eine Menstruationsdebatte für sie eindeutig sprengt.

"Art-Fag" Punk und klitorale Orgasmen

Jamie (Lucas Jade Zumann) durchlebt derweil die Hochs und Tiefs des ersten Liebeskummers, liefert sich Mutproben und Streits mit anderen Jungen und sucht sich selbst in (feministischer) Literatur, Nachtleben und Punkmusik.
Fasziniert liest er von klitoralen Orgasmen, lässt sich von Abbie Drinks kaufen und ins Nachtleben einführen und wird wegen seiner Leidenschaft für die "Talking Heads", einer vergleichsweise zahmen Punkband, als "Art-Fag" (Kunstschwuchtel) beschimpft und verprügelt. Zerstreuung findet er vor allem beim Skateboardfahren.In wunderschönen, melancholischen Szenen folgt ihm die Kamera in Schlangenlinien die hügeligen Straßen Santa Barbaras hinunter, wenn er sich auf sein Board schwingt und begleitet von verträumter Hintergrundmusik ein seltenes Gefühl von Freiheit erfährt.

Musik spielt auch im Rest desFilms eine wichtige Rolle. Die malerische, sonnige Szenerie Kaliforniens sowie ein punkiger Soundtrack mit Bands wie den "Talking Heads", "Siouxsie and the Banshees" oder den "Buzzcocks" kreieren Leichtigkeit und sehnsüchtige Ahnung dessen, was das Leben für Jamie bereithält. Aufnahmen von strahlend blauem Meer, alten Autos und dreckigen Punkclubs vermischen sich neben einfühlsamen Charakterstudien zu einem bunten Farbenrausch, der die Zuschauer*in tief in die Hoffnungen, Begierden, Sehnsüchte und Leiden der Pubertät hineinsaugt.
Mit "20th Century Women" hat Mike Mills im Andenken an seine Mutter einen berührenden Feel-Good-Movie geschaffen, der von einer Zeit im Leben erzählt, in der alles kompliziert und zugleich alles möglich erscheint.

AVIVA-Tipp: Starke schauspielerische Leistungen, humorvolle Dialoge und sensible Einblicke in die Leben dreier Frauen unterschiedlicher Generationen - "Jahrhundertfrauen" (OT: "20th Century Women") erzählt vor farbenfroher Kulisse von weiblicher Identität im 20. Jahrhundert.

Zum Regisseur: Mike Mills wurde 1966 in Berkeley, Kalifornien geboren. Er arbeitet als Filmemacher, Grafikdesigner und Künstler. Bekanntheit als Regisseur und Drehbuchautor erlangte er durch seine unabhängig produzierten Spielfilme "Beginners" (2011) und "Thumbsucker" (2005), die positive Kritiken erhielten.
Sein dritter Film "20th Century Women" wurde 2017 für einen Oscar nominiert, sowie für Preise u.a. der "Austin Film Critics Association", der "Alliance of Women Film Journalists" und den "Film Independent Spirit Awards", jeweils für das beste Drehbuch.
Mehr Infos: www.mikemillsmikemills.com

Zu den Schauspielerinnen:

Annette Bening wurde am 29. Mai 1958 in Topeka, Kansas geboren. Sie studierte zunächst in San Francisco Schauspiel und spielte danach jahrelang am Theater. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre Rolle in dem 1990 entstandenen Film "The Grifters" von Stephen Frears, für den sie für einen Oscar nominiert war. Im Jahr 2000 war sie für die Rolle der "Carolyn Burnham" in dem vielfach preisgekrönten Film "American Beauty" von Sam Mendes erneut für einen Oscar nominiert, für den sie im selben Jahr auch den London Critics Circle Film Award als beste Schauspielerin bekam. 2005 gewann sie einen Golden Globe als beste Hauptdarstellerin für ihr Porträt einer Londoner Theaterschauspielerin in "Being Julia". Ihr Part in "The Kids Are All Right" (2010) brachte ihr erneut einen Golden Globe ein, sowie den Preis der Filmkritiker*innenvereinigung von New York und eine Oscarnominierung als beste Hauptdarstellerin. Für ihre Rolle in 20th Century Women erhielt sie diverse Nominierungen und Auszeichnungen darunter erneut eine "Golden Globe" Nominierung.

Greta Gerwig, am 4. August 1983 in Sacramento, Kalifornien geboren, war zu Beginn ihrer Karriere als Schauspielerin und Autorin in der US-amerikanischen "Mumblecore"-Bewegung aktiv, die nach Vorbild der dänischen "Dogma"-Bewegung Filme mit geringen Budgets, Handkamera und spontanen Dialogen produzierte. Ihr Durchbruch gelang ihr 2010 mit der weiblichen Hauptrolle in Noah Baumbachs Film "Greenberg". Seitdem gilt sie als eine der vielversprechendsten jungen Indie-Schauspielerinnen und spielte u.a. in Filmen wie "Frances Ha" (2012), "Maggies Plan" (2016) und "Jackie" (2017) mit. "Frances Ha" brachte ihr 2012 eine "Golden Globe" Nominierung ein. Für ihre Rolle der Abbie in "20th Century Women" wurde sie u.a. von der "Alliance of Women Film Journalists", der "Austin Film Critics Association" und den "Florida Film Critics Circle Awards" als beste Nebendarstellerin nominiert und gewann 2016 den DFCS Award der "Detroit Film Critic Society, US" und den NFCS Award der "Nevada Film Critics Society" als beste Nebendarstellerin.

Elle Fanning, am 9. April 1998 in Conyers, Georgia geboren, begann ihre schauspielerische Karriere mit kleinen Rollen in Filmen und Serien, etwa in "Der seltsame Fall des Benjamin Button" (2008). Ihre ersten Hauptrollen hatte sie in "Phoebe im Wunderland" (2007) und "Der Nussknacker"(2009). Für "Ginger & Rosa" von Sally Potter (2012) gewann sie den "Virtuoso Award" beim "Santa Barbara International Film Festival" und den Preis als beste Schauspielerin beim "Valladolid International Film Festival".
Für "20th Century Women" wurde sie 2016 von der "Detroit Film Critic Society,US" als beste Nebendarstellerin nominiert.

Jahrhundertfrauen (OT: 20th Century Women)
Spielfilm, USA 2016
Regie: Mike Mills
Drehbuch: Mike Mills
Kamera: Sean Porter
Produzent*innen: Megan Ellison, Anne Carey, Youree Henley
Schnitt: Leslie Jones
DarstellerInnen: Annette Bening, Greta Gerwig, Elle Fanning, Billy Crudup, Lucas Jade Zumann
Verleih: Splendid Film
Lauflänge: 118 Minuten
Kinostart: 18.05.2017
www.splendid-film.de
Mehr Infos und den Trailer zum Film finden Sie unter:
www.jahrhundertfrauen-film.de
www.20thcenturywomen-movie.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Ginger & Rosa. Ein Film von Sally Potter. Ab 12. September 2013 auf DVD
London, 1962. Zwischen Kubakrise und wilden Partynächten beginnen zwei unangepasste Teenager ihren Feldzug gegen Krieg und Konventionen - bis der Kampf sein erstes Opfer fordert: Ihre Freundschaft. Mit Annette Bening und Elle Fanning. (2013)

Familientreffen mit Hindernissen - ein Film von und mit Julie Delpy
Es ist der bisher persönlichste Film der Französin. Zusammengestellt aus eigenen Kindheitserinnerungen portraitiert sie eine bunte Familie und schafft eine Momentaufnahme über das Aufwachsen und Leben im Frankreich der Siebziger Jahre. (2012)

Thumbsucker - Bleib wie du bist. Regie Mike Mills
Daumenlutschen ist was für Kinder? Pah, denn wer sagt einem schon, wann frau wirklich erwachsen ist? Ein einfühlsamer Film voller Liebe und Gefühl zum psychischen Detail. Ergreifend, mitreißend. (2006)


Kultur > Kino Beitrag vom 02.05.2017 AVIVA-Redaktion 

   




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