Kommunion. Ein Film von Anna Zamecka. Kinostart am 04. Mai 2017
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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2017 - Beitrag vom 25.04.2017

Kommunion. Ein Film von Anna Zamecka. Kinostart am 04. Mai 2017
Lisa Baurmann

Indem die Regisseurin in ihrem Dokumentarfilm-Debut auf Interventionen und Kommentar verzichtet und die Bilder der Kamerafrau Małgorzata Szyłak für sich sprechen lässt, gelingt ihr ein einfühlsames und zugleich schonungsloses Portrait der 14-jährigen Ola und ihrer Familie. Ausgezeichnet mit dem "Polnischen Filmpreis" 2016 als bester Dokumentarfilm und dem "Young Eyes Award" auf der DOK Leipzig 2017.



Die Wände der Küche wackeln, das Geschirr klappert. Die Waschmaschine schleudert, und Ola sitzt auf ihr, in einer Hand den Besen, während sie mit der anderen Hand den Spülschrank festhält, der jeden Moment auseinanderzufallen droht. Die Szene kommt ohne Worte aus. Sie steht sinnbildlich für die Familie, die, so scheint es, nur durch Olas stetige Bemühungen zusammengehalten wird. Da ist Nikodem, ihr Bruder, der mit Autismus lebt und in vielen Dingen Olas Hilfe braucht. Da ist ihr Vater Marek, der zu oft in die Kneipe geht. Und da ist Magda, ihre Mutter, die weder mit Marek glücklich ist, noch mit dem Mann, bei dem sie nun lebt.

Autobiographische Elemente

Nikodems Alltag, die Alkoholsucht des Vaters, die Beziehung der Eltern, der Haushalt in der winzigen Sozialwohnung: All das lastet auf Olas Schultern. Regisseurin Anna Zamecka, die in Olas Situation auch Elemente ihrer eigenen Biographie wiederfand, zeigt die Beharrlichkeit der Hauptfigur, ihre angesichts der Umstände unglaubliche Stärke. Der dokumentarische Blick ist ungeschönt. Nikodem soll bald die erste Kommunion empfangen. Die Zuschauerin sieht, wie Ola mit Nikodem beim Lernen für die Aufnahmeprüfung beim Pfarrer die Nerven verliert, laut und aggressiv wird. Im nächsten Moment ist sie wieder von engelsgleicher Geduld beseelt, und übt mit dem Bruder unermüdlich die kleinsten Details für die Zeremonie ein: Die guten Schuhe zubinden, das Ave Maria aufsagen, die Hostie empfangen. Die Kamera fängt die intimsten Momente zwischen den Geschwistern ein und damit auch die vielen kleinen Widersprüche, die ihre enge Verbundenheit ausmachen: Wut, Gewalt, Verzweiflung, Strenge, Sorge, Zuneigung, Liebe.

Mutterrolle "nicht so einfach"

Ola ist Nikodems Kommunion auch deshalb so wichtig, weil sie sich wünscht, dass ihre Mutter zur Feier kommt. Täglich versucht sie, sie am Telefon dazu zu überreden. Magda erscheint während des ganzen Films vorwiegend auf diese Weise: als gedämpfte Stimme am anderen Ende der Leitung. Die räumliche Abwesenheit verdeutlicht ihre emotionale Distanz, die sich auch in ihren Worten, und – als sie schließlich zur Feier erscheint – in ihren Blicken äußert. Der Film urteilt dabei nicht. "Es ist bequem für uns, zu glauben, dass Frauen die Mutterrolle auf natürliche Weise annehmen, geleitet von natürlichen Instinkten, dass mütterliche Liebe bedingungslos ist. In ´Kommunion´ habe ich versucht, zu zeigen, dass es, dem Anschein zum trotz, nicht so einfach ist.", sagt Regisseurin Anna Zamecka im Interview mit Piotr Czerkawski für Dziennik (auf polnisch). Die Nahaufnahmen von Magdas Gesicht lassen tiefliegenden Schmerz durchblicken. Wo er herrührt, wird nur angedeutet.

Olas Hoffnung, dass die Eltern wieder zusammen finden, bildet den roten Faden der Erzählung. Würde Marek nur endlich das Bad renovieren oder eine größere Wohnung bekommen, so glaubt sie, würde Magda zurückkommen. Einerseits offenbart Olas naive Hoffnung ihre kindliche Seite, die bei all der früh übernommenen Verantwortung noch Teil von ihr ist. Andererseits, so arbeitet Zamecka heraus, spielt für Ola, Nikodem und Marek gerade in schwierigen Zeiten das Verbundenheitsgefühl, das ihnen Familie geben kann, die wichtigste Rolle.

Gleichgültigkeit der Autoritäten

Die Situation der Kinder – vor allem die Nikodems – scheint dabei vor allem geprägt von Gleichgültigkeit auf Seiten der Lehrkräfte an der Schule, des Pfarrers, des Sozialarbeiters. Niemand von ihnen scheint auf die Bedürfnisse des Jungen gesondert einzugehen. Ob aufgrund der Teilnahmslosigkeit der Autoritätspersonen, oder aufgrund von familiären Problemen und Geldmangel – Nikodem konnte nie eine Therapie machen, die ihm beim Bewältigen von Alltagsaufgaben unterstützen und auf ein unabhängiges Leben vorbereiten würde. Zamecka, die bis heute Kontakt zur Familie pflegt, hat unlängst über Facebook eine Spendenkampagne für eine Therapie angestoßen, damit es dieses Mal nicht an den finanziellen Mitteln scheitert.

Herausragende Kamera und Montage

Den intensiven Kontakt zu Ola und ihrer Familie musste das Filmteam unweigerlich entwickeln. Die Regisseurin erinnert sich an die Erfahrung, in dem fragilen Umfeld zu drehen: "In a cramped flat – where everything gets lost, deteriorates or falls to pieces – I saw three people so connected that a mere gesture from one of them led to an avalanche of reactions: anger, fear and concealed emotions." Um die vielschichtigen Emotionen einfangen zu können, so Zamecka, musste die Kamera förmlich zum Familienmitglied werden. Indem diese meist bewegungslos bleibt, aber dennoch immer mitten im Geschehen ist und so ein Gefühl von Nähe und Intimität schafft, ist dem Filmteam dies auf beeindruckende Weise gelungen.

Dass bei der dokumentarischen Form auch ohne jeglichen Kommentar eine bewegende Handlung entsteht, ist nicht nur der Kamera von Małgorzata Szyłak, sondern auch der exzellenten Montage zu verdanken. An dieser arbeitete Zamecka zusammen mit Agnieszka Glińska, die aktuell – aus gutem Grund, wie "Kommunion" bezeugt – eine der gefragtesten Filmeditor_innen in Polen ist. Dort kam der Film 2016 in die Kinos und gewann im selben Jahr den Polnischen Filmpreis als bester Dokumentarfilm. Auf der diesjährigen DOK Leipzig wurde er mit dem "Young Eyes Award" ausgezeichnet.

AVIVA-Tipp: Anna Zameckas Debut ist aufwühlend, bedrückend und Mut machend zugleich. Sie zeigt zwar die ungeschönte Wut und Verzweiflung der Figuren über ihre Situation, aber ins Zentrum des Films rückt sie deren bedingungslose Liebe, das Einstehen füreinander und die Weigerung Olas, die Schwierigkeiten still zu erdulden. Für die filmische Leistung ebenso wie für die erzählte Geschichte ein absolut sehenswerter Film.

Zur Regisseurin: Anna Zamecka lebt und arbeitet in Warschau. Sie studierte sowohl in der polnischen Hauptstadt als auch in Kopenhagen Journalismus, Anthropologie und Fotografie und schloss das "Dok Pro Documentary Programme" an der Wajda School in Warschau ab. Mit "Kommunion" (polnischer Originaltitel: "Komunia") gab sie ihr Langfilmdebüt.
Mehr Infos: www.dokweb.net (Englisch)
Die Regisseurin auf Facebook: www.facebook.com/zamecka (Englisch/Polnisch)

Kommunion
OT: Komunia
Polen 2016
Regie: Anna Zamecka
Kamera: Małgorzata Szyłak
Schnitt: Agnieszka Glińska, Anna Zamecka, Wojciech Janas
Verleih: Peripher Filmverleih
Länge: 72 Minuten
Kinostart: 04.05.2017
Website mit Trailer: fsk-kino.peripherfilm.de
"Kommunion" auf Facebook: www.facebook.com/communionthemovie

Kultur > Kino Beitrag vom 25.04.2017 AVIVA-Redaktion 

   




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