Cherchez la femme. Perücke, Burka, Ordenstracht. Vom 31. März bis 2. Juli 2017 im Jüdischen Museum Berlin
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AVIVA-BERLIN.de 9/11/5777 - Beitrag vom 31.03.2017

Cherchez la femme. Perücke, Burka, Ordenstracht. Vom 31. März bis 2. Juli 2017 im Jüdischen Museum Berlin
AVIVA-Redaktion

Die vielfältige Facetten zeigende Ausstellung thematisiert die Stellung der Frauen zwischen Religion und Selbstbestimmung. 14 internationale künstlerische Arbeiten (Fotografien, Video-Installationen) reflektieren die Relevanz traditioneller Bräuche für die Gegenwart. Kuratiert von Miriam Goldmann und Naomi Lubrich.



Kunst und Politik im Spiegel - Spielräume religiöser Kopfbedeckung: von Tradition bis zum religiösen Feminismus


Die Themen im Überblick: Ursprünge der Verhüllung in Judentum, Christentum und Islam. Spielräume religiöser Kopfbedeckung: von Tradition bis zum religiösen Feminismus. Künstlerische Arbeiten als Reflexion der aktuellen gesellschaftlichen Debatte

Am 30. März 2017 eröffnete das Jüdische Museum Berlin die Ausstellung "Cherchez la femme. Perücke, Burka, Ordenstracht". Mit der Schau wird die Frage nach den historischen und religiösen Gründen für die Verhüllung der Frau aufgegriffen und deren Bedeutung in Judentum, Islam und Christentum nachgegangen. Die Ausstellung wirft einen Blick auf die Ursprünge weiblicher Verschleierung und thematisiert religiöse Moral heute.



Ob Kopftuchstreit oder Burka-Debatte, in Europa wird schon seit den 1990er Jahren über das Verschleierungsverbot im öffentlichen Raum diskutiert. Kopf- und Körperbedeckungen stehen oft im Verdacht, Zeichen eines fehlenden Integrationswillens zu sein. Auffallende religiöse Kleidung von Frauen gilt als Provokation und setzt Frauen verbalen Attacken aus.
Die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung werden mit der Frage konfrontiert, wie viel sichtbare Religiosität säkulare Gesellschaften heute vertragen. Auch wird thematisiert, wie Frauen diesen Ausdruck ihres Glaubens mit der Teilhabe am öffentlichen Leben verbinden können.



Mit einer Video-Installation zum männlichen Blick beginnt der Rundgang, in dessen Zentrum die Skulptur "Chelgis I" der im Iran geborenen Künstlerin Mandana Moghaddam steht. Das lange, kaum zu bändigende Haar einer persischen Märchenfigur symbolisiert die weibliche Schönheit, die seit jeher eine unterschwellige Bedrohung für das andere Geschlecht bedeutet.



Von den antiken Ursprüngen bis zur heutigen Praxis zeigt die Schau auf 400 Quadratmetern unterschiedliche Einstellungen zum Umgang mit der weiblichen Verhüllung von Kopf und Körper und thematisiert die Stellung der Frau zwischen Religion und Selbstbestimmung. 14 internationale künstlerische Arbeiten reflektieren die Relevanz traditioneller Bräuche für die Gegenwart.

Traditionen: die Ursprünge der Verhüllung



Schon vor 3000 Jahren legten Gesetze fest, welche Frauen ihr Haar in der Öffentlichkeit zu bedecken hatten. Die Verhüllung war ein Zeichen für herausgehobene gesellschaftliche Stellung. Im heutigen Irak liegen die Anfänge dieses Brauchs, den Juden, Christen und Muslime übernahmen und ihm so eine religiöse Bedeutung verliehen. Religiöse Quellen beschreiben die Verhüllung körperlicher Reize zwar, als religiöses Gesetz sind Kleidervorschriften jedoch weder in der Bibel noch im Koran verankert.

Spielräume im religiösen Judentum

Im Judentum gibt eine Frau mit ihrer Kopfbedeckung öffentlich zu erkennen, dass sie verheiratet ist und signalisiert darüber hinaus die Ausrichtung ihrer religiösen Praxis. An den Haaren lässt sich erkennen, welche Form der Orthodoxie sie lebt. Orthodoxe Gemeinden folgen verschiedenen Traditionen und bis heute bleibt es eine persönliche Entscheidung der Frau, ob und wie viel Haar sie nach der Hochzeit zeigen will.



Muslimische Körperbedeckungen

Am Stil der muslimischen Kopfbedeckung lassen sich ethnische und religiöse Orientierung innerhalb des Islams ablesen. Auch den Familienstand, Bildungsgrad oder persönliche Auslegung der heiligen Schriften können Eingeweihte am Kopftuch erkennen. Ein selbstbestimmtes Tragen des Kopftuchs kann nicht als Symbol für Zwang gesehen werden. Viele Musliminnen fordern ihr Recht ein, auch mit Kopftuch vollwertige Mitglieder der Gesellschaft zu sein. Andererseits verstehen sich auch viele Musliminnen, die kein Kopftuch tragen, als gläubig. In der medialen Inszenierung "Positionen zum Kopftuch" kommen muslimische Frauen verschiedener Richtungen zu Wort: regelkonformer Islam, Religion als Privatsache oder Kopfbedeckung als Zeichen kultureller Selbstbestimmung.



Christlicher Schleier

Die weibliche Kopfbedeckung im Christentum, als Zeichen der Ehrfurcht vor Gott beim Gebet, hat als Brauch aus römisch-griechischen Tempelriten nur noch in östlichen Kirchen und reformierten Täufergemeinschaften Bestand. Der Schleier hat heute oft eher traditionelle als spirituelle Bedeutung. So tragen bei päpstlichen Audienzen Frauen einen Schleier auf dem Kopf.

Modest Fashion



Wie gehe ich auf meine Umwelt zu und bleibe gleichzeitig mir selbst treu? Diese Frage junger Frauen, die am modernen Leben teilhaben wollen, nehmen jüdische und muslimische Designerinnen ernst. Schick soll es sein, und trotzdem hochgeschlossen, nicht durchsichtig oder zu eng. Diese Modetipps für den Alltag verbreiteten sich via Modeblogs und Instagram schnell über religiöse Grenzen hinweg. Bilder vom Laufsteg der Istanbuler Modest Fashion Week von 2016 sind als mediale Inszenierung in der Ausstellung zu sehen.

Zur Ausstellung erscheint die 16. Ausgabe des JMB Journals mit dem Titel "Cherchez la femme". Sie kann zu einem Preis von zwei Euro im Jüdischen Museum Berlin erworben werden.



Laufzeit der Ausstellung: 31. März bis 2. Juli 2017

Jüdisches Museum Berlin, Libeskind-Bau EG, Eric F. Ross Galerie
Lindenstraße 9-14, 10969 Berlin
Öffnungszeiten: täglich 10 bis 20 Uhr, montags 10 bis 22 Uhr
Eintritt: Mit dem Museumsticket (8 Euro, erm. 3 Euro)
Das Begleitprogramm und weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie auf: www.jmberlin.de/cherchez-la-femme und auf Twitter: www.twitter.com/jmberlin, Hashtag: #lafemme17




Fotos: Sharon Adler


Juedisches Leben > Veranstaltungen Beitrag vom 31.03.2017 AVIVA-Redaktion 

   




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