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25.04.2018

Anne-Klein-Frauenpreis 2018 geht an Jineth Bedoya aus Lima und Mayerlis Angarita Robles aus Kolumbien
AVIVA-Redaktion

Die Jury würdigt mit Jineth Bedoya Lima und Mayerlis Angarita Robles zwei Frauen, die sich für die Rechte von Frauen und Mädchen in bewaffneten Konflikten, gegen den Einsatz struktureller sexueller Gewalt gegen Frauen und für Frieden und Aufarbeitung in Kolumbien einsetzen.



Mayerlis Angarita und Jineth Bedoya erhalten den Anne-Klein-Frauenpreis 2018 für ihren jahrelangen Einsatz für Frauenrechte und friedliche Konfliktlösungen in Kolumbien. Sie engagieren sich auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene für die Rechte und Partizipation der Frauen ihres Heimatlandes und damit stellvertretend für alle Frauen weltweit.

Die Aktivistin Mayerlis Angarita setzt sich seit Jahren für die Landrückgabe an zwangsvertriebene Frauen in der kolumbianischen Region Montes de Maria ein. Dort gründete sie 2000 das Frauenkollektiv "Narrar para Vivir" (Erzählen um zu leben). Als Sprecherin dieser Gruppe versucht Mayerlis Angarita, den Frauen eine Stimme zu geben und sie zugleich über ihre Rechte nach dem nationalen Gesetz für Opfer des bewaffneten Konflikts zu informieren. Außerdem unterstützte sie die Gründung einer Vereinigung von mehr als 10.000 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in der Region Montes de Maria, die Opfer von Zwangsenteignungen durch paramilitärische Gruppen wurden und seit vielen Jahren die Rückgabe ihrer Grundstücke einfordern.

Sie überlebte zwei Mordanschläge und setzte sich 2011 für die Schaffung eines Gesetzes für die Opfer des bewaffneten Konfliktes ein. Robles nahm an den vierjährigen Friedensverhandlungen in Havanna teil. Sie gehört heute als Vertreterin von Opfervereinigungen dem Genderberatungsausschuss an, der das sechsköpfige Gremium (mit drei Vertretern der Regierung und drei Vertretern der FARC) berät, welches Gesetzesentwürfe zur Implementierung des Friedensabkommens vorbereitet und dem Parlament vorlegt.

Jineth Bedoya ist in Kolumbien und international eine anerkannte Frauenaktivistin. Die Journalistin arbeitet für die größte kolumbianische Tageszeitung El Tiempo. Sie berichtet seit vielen Jahren über bewaffnete Konflikte in Kolumbien und deren zivile Opfer. Die allgegenwärtige Korruption, die mangelnde Rechtsstaatlichkeit und Straflosigkeit sind ihre Themen. 2000 wurde Bedoya von Paramilitärs entführt und vergewaltigt, als sie eine Reportage über den von Paramilitärs kontrollierten Waffenhandel in einem Gefängnis in Bogotá schreiben wollte. Drei Jahre später wurde sie erneut entführt, diesmal von der FARC. Jineth Bedoya ist heute eine der wichtigsten Stimmen im Kampf gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen. Der 25. Mai, der Tag ihrer ersten Entführung, ist heute in Kolumbien der offizielle "Tag der Erinnerung an die Opfer sexueller Gewalt".

Die Preisverleihung war am 2. März 2018 in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin.

Anne Klein

Der Preis für frauenpolitisches Engagement wird von der Heinrich-Böll-Stiftung zu Ehren von Anne Klein (1950 – 2011) vergeben. Mit dem Anne-Klein-Frauenpreis wird das Lebenswerk Anne Kleins und ihr Kampf für die Durchsetzung von Frauen- und Freiheitsrechten gewürdigt.

Anne Klein als kämpferische Juristin und offen lesbisch lebende Politikerin hat feministische Pionierarbeit geleistet.
Sie war die erste feministische Frauensenatorin im ersten rot-grünen Senat Berlins, war Feministin, Anwältin und Notarin, und in all diesen Tätigkeiten immer Kämpferin für Geschlechterdemokratie, Gerechtigkeit und gegen Diskriminierung und Gewalt. Sie hat sich als Pionierin für feministische und frauenbewegte Angelegenheiten engagiert, Jahre bevor diese Themen im Mainstream angekommen waren. So hat Anne Klein als erste Frauensenatorin im Berliner Senat mit der Einrichtung des Referats für gleichgeschlechtliche Lebensweisen ebenso Meilensteine gesetzt wie mit ihrem Engagement für Frauenhäuser und gegen die Bagatellisierung von sexueller Gewalt in der Ehe.

Weitere Informationen zum Anne-Klein-Frauenpreis, der Jurybegründung unter:

www.boell.de

Die Veranstaltung wurde als Livestream (Deutsch und Spanisch) übertragen: www.boell.de/de/livestream

Informationen zum Frauenkollektiv "Narrar para Vivir" unter: narrarparavivir.org

Ein Video mit Mayerlis Angarita, Narrar para Vivir. "1325: Mujeres resueltas a construir paz" www.youtube.com

Informationen und Artikel von und über Jineth Bedoya auf El Tiempo:www.eltiempo.com


Die bisherigen Preisträgerinnen des Anne-Klein-Frauenpreises sind:

  • Prof. Dr. Nivedita Prasad, Berlin – für ihren unermüdlichen Einsatz für Rechtssicherheit für alle Menschen, unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht und Religion und gegen Rassismus
  • Lepa Mladjenovic , Belgrad - für ihr mutiges Eintreten für Frauen- und Lesbenrechte, sexuelle Selbstbestimmung und gegen Gewalt und Militarismus
  • Imelda Marrufo Nava, Ciudad Juárez – für ihren unerschrockenen Kampf gegen genderbasierte Gewalt und ihren Beitrag zur Anerkennung des Feminizids als eigenständigen Straftatbestand
  • Nebahat Akkoc. Seit Mitte der 90er Jahre setzt die armenisch-alevitische Kurdin sich für Frauen ein, die häusliche Gewalt erleben.
  • Gisela Burckhardt - Aktivistin und Vorstandsvorsitzende von FEMNET e.V.

    Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

    Nivedita Prasad ist die erste Trägerin des Anne-Klein-Frauenpreises

    Nebahat Akkoc erhält Anne-Klein-Frauenpreis 2015


    (Quelle: Heinrich-Böll-Stiftung)